tz-Interview mit dem Schauspieler

Mittermeier: "Ich spiele aus dem Bauch heraus"

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Mittermaier (l.) als Macho-Bulle in "München Mord" (mit Bernadette Heerwagen und Alexander Held)

München - Wer zurzeit den Fernseher einschaltet, kommt an ihm nicht vorbei – es laufen die Marcus-Mittermeier-Wochen im TV. Er erklärt im tz-Interview sein Spiel-Geheimnis.

Mitte März spielte er in dem ZDF-Film "Blauwasserleben" einen Lebemann, der während einer Weltumseglung brutal ermordet wurde. In "Die Ungehorsame" (SAT.1) gab er vor gut einer Woche einen gewalttätigen Ehemann, und am Freitag ist der 45-Jährige in dem ARD-Film "Hochzeitskönig" (ARD, 20.15 Uhr) als Polizist und Vater einer Patchworkfamilie zu sehen. Abgesehen davon gehört Mittermeier zum Ermittlerteam der originellen Krimiserie "München Mord" im ZDF.

"Der Hochzeitkönig" läuft mit Marcus Mittermeier am Freitag um 20.15 Uhr in der ARD.

Das nennt man dann wohl einen vielseitigen Schauspieler, oder? „Ja, es läuft gut im Moment“, sagt Mittermeier und lacht, als wir ihn zum Interview treffen. „Ich freue mich darüber, dass drei so unterschiedliche Filme innerhalb von ein paar Wochen ausgestrahlt werden und ich verschiedene Facetten zeigen kann. Das ist für einen Schauspieler ein Geschenk.“ Für den Zuschauer auch. Denn Mittermeier überzeugt in allen (!) Rollen. Man nimmt ihm den lebenshungrigen Weltumsegler genauso ab wie den eher gemütlichen Familienmenschen im Hochzeitskönig oder den Macho-Bullen in "München Mord". Als erfolgreicher Arzt, der seine Frau vermöbelt, weil die Küche nicht aufgeräumt ist, war er in "Die Ungehorsame" so glaubhaft und glaubwürdig, dass einem Angst und Bange wurde.

"Ich denke emotional über die Charaktere nach"

„Ich denke und spiele ganz viel aus dem Bauch heraus“, sagt Mittermeier. Er kenne Kollegen, die sich richtige Biografien zu ihren jeweiligen Figuren aufschreiben und so an die Rolle herangehen. So etwas ist ihm fremd. „Ich denke emotional über die Charaktere nach, setze mich mit der Figur emotional auseinander, weniger intellektuell.“

Dass man sich als Zuschauer nach diesen drei sehr unterschiedlichen – und auf ebenso unterschiedliche Art auch gelungenen – Filmen fragt, wie der private Marcus Mittermeier so tickt, nimmt der Schauspieler Mittermeier als Kompliment. „In mir steckt alles und nichts von den Figuren, die ich spiele“, sagt er dann. „Man kann ja nur aus sich selber schöpfen, was natürlich nicht heißt, dass ich selbst gewalttätig sein muss, um einen Gewalttäter zu spielen.“ Von einem Forensiker hat er sich beispielsweise als Vorbereitung auf den SAT.1-Film erklären lassen, wie die Psyche eines Gewalttäters tickt. Es gehe immer um die Emotionen, die damit verbunden sind. „Die muss ich spielen.“ Und das kann er.

Sein Handwerk gelernt hat der Vater dreier Kinder (19, 13 und elf Jahre alt), der mit seiner Familie in Regensburg lebt, auf der Schauspielschule Zerboni in München. Mitte der 90er-Jahre spielte er am Volkstheater, später in Ingolstadt. Einem großen Publikum wurde er bekannt, als er durchgehende Rollen in den ZDF-Serien "Samt und Seite" und "Der Staatsanwalt" übernahm. Mit dem Film "Muxmäuschenstill" legte er vor gut zehn Jahren dann auch noch ein erfolgreiches Kino-Regiedebüt hin – er wurde mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet und war für den Deutschen Filmpreis nominiert. Eigentlich eine makellose Karriere, und trotzdem hat man das Gefühl, dass er, der Sohn eines Metzgers und einer Einzelhandelskauffrau, jetzt, mit 45 Jahren, erst die Rollen spielt, in denen er zeigen kann, was er kann.

Mittermaier ist begeisterter Fan des FC Bayern

„Natürlich macht man auch als Schauspieler einen Reifeprozess durch“, sagt Mittermeier. „Es kann schon gut sein, dass ich jetzt, mit Mitte 40, eine größere innere Ruhe habe. Vielleicht war ich früher noch nicht bereit für die größeren Rollen, die großen Auftritte.“ Inzwischen habe er eine gewisse Routine, die ihm dabei helfe, sich auf die wichtigen Sachen zu konzentrieren. „Wenn ein Schauspieler sich beim Spielen anstrengt, merkt man ihm das irgendwann an“, erklärt der begeisterte Fußballfan (Verein: FC Bayern). „Ich merke beim Drehen, dass ich heute tiefer in die Figuren reinkomme als vor zehn Jahren. Das ist das Schöne an diesem Beruf, man lernt nie aus.“

Wir werden also noch viel sehen und hören von Marcus Mittermeier, das steht mal fest. Der Hochzeitskönig schreit sogar nach einer Fortsetzung, die Geschichte um eine fröhlich-chaotische Patchworkfamilie hätte das Potenzial für eine Serie. „Warum nicht?“, fragt Mittermeier und man sieht ihm an, dass ihm die Idee gefällt. „Das wäre gar nicht so blöd. Ich würde gerne weitermachen.“ Man möchte hinzufügen: Ja, bitte!

Stefanie Thyssen

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