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tz-Kolumne: Schleich zum 100. Geburtstag von FJS

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Strauß (Helmut Schleich) und Adenauer (Rainer Pause) stilgerecht vorm Palais Schaumburg in Bonn. © BR

München - Der Schwabinger Kabarettist Helmut Schleich (48) ist schreibt immer zu seiner Sendung "SchleichFernsehen" in der tz. Zum 100. Geburtstag von FJS ist sie am Donnerstag um 22.45 Uhr in der ARD und am 3. September um 21 Uhr im BR zu ­sehen.

Viele sagen, einer wie der Strauß wäre heute in der Politik, selbst in der CSU, nicht mehr vorstellbar. Heute hagelt es dort Rücktritte wegen angestellter Verwandter, gefälschter Doktorarbeiten und gesponserter Geburtstags-Partys. So etwas war zu Strauß-Zeiten doch kein Skandal, sondern der Wesenskern der CSU! Da hat man in der CSU noch mit Panzern gehandelt und nicht mit Modellautos. So war das wohl auch gemeint, als diese Haderthauer damals in der ihr eigenen Großkotzigkeit erklärt hat, Strauß sei nicht ihr Vorbild. Für 50.000 Euro hätte der das Bescheißen gar nicht angefangen. Damals hat es in der CSU noch Haderlumpen gegeben, wo es später nur noch zu Haderthauern gereicht hat …

Das war noch eine ganz andere politische Philosophie beim Strauß. Weil viele sagen, der Strauß war der letzte bayerische König. Wahrscheinlich stimmt das sogar. Weil Ministerpräsident war er ja nur im Nebenerwerb. 15.000 oder 16.000 Mark Gehalt, das war für den Strauß kein Monatssalär, das war eher ein Stundenlohn! Und den zahlt der deutsche Staat seinen Repräsentanten halt einfach nicht. Das hat schon damals in Bonn im Verteidigungsministerium angefangen.

Schon da war dem Strauß klar, es geht bei der Rüstungsbeschaffung nicht darum, wie viele Millionen man in den Sand setzt, sondern wie viel man davon für sich abzweigt! Von wegen fluguntaugliche Drohnen. Wenn der Strauß beim Starfighter gefragt hätte, ob der fliegen kann, da wäre er schon am Reißbrett verschrottet worden – also der Starfighter, nicht der Strauß.

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Die Originale 1962 während der „Spiegel“-Debatte. © dpa

dann kommt ja noch dazu, dass der Strauß Freunde gehabt hat! Das ist bei heutigen Politikern mitunter nur noch schwer vorstellbar. Was hat einer wie der Gabriel für Freunde? Oder der Schäuble? Aber der Strauß: Bäderkönig Zwick, Brauereibaron Schörghuber, Fleischzar März, Medienmogul Kapfinger. Ja, wenn die sich mit dem König Franz Josef zum Schafkopfen auf den Seychellen getroffen haben, da hockt der ja als Politiker daneben wie ein Sozialhilfeempfänger. Da ist es doch für seine Spezln geradezu eine moralische Verpflichtung, so jemandem zu helfen, besonders, wenn er ab und zu die Hand aufhält.

Wenn man heute sagt, die Politik ist nur noch ein Dienstleister der Wirtschaft, dann ist das im Grunde überhaupt nix Neues. Der Strauß war immer Dienstleister der Wirtschaft, von Fibag über Lockheed bis Wackersdorf, und gleichzeitig war er Politiker, wenn es der enge Terminkalender zugelassen hat.

Und heute? Heute gibt’s Typen wie ­Ronald Pofalla oder Roland Koch, die die Politik als Anlauf zum Geschäfte­machen nutzen, bis sie einen hochbezahlten Job in der Wirtschaft haben, wo man dann entsetzt feststellt – die können ja gar nix …

von Helmut Schleich

Zitat

Adenauer: Herr Strauß, ich habe keinen Geschäftsbereich für Sie.

Strauß: Den nehme ich! Den Minister ohne Geschäftsbereich – brauch’ ich nur noch einen Dienstwagen und a Sekretärin.

Helmut Schleich und Rainer Pause in ihren Paraderollen

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