Aufhören, wenn es am schrägsten ist

Ulrich Tukur deutet Ausstieg aus dem "Tatort" an

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Ulrich Tukur als LKA-Ermittler Felix Murot. Der fünfte Fall wird vermutlich sein letzter sein.

München - Er lieferte den besten "Tatort" des vergangenen Jahres: Ulrich Tukur als Hauptkommissar Felix Murot. Doch nun deutet der Starschauspieler seinen Rückzug vom Erfolgsprojekt an.

 Die Episode Im Schmerz geboren heimst im Moment alle (!) Preise ein, die dieses Land zu bieten hat – vom tz-Rosenstrauß bis hin zum Grimme-Preis. Ulrich Tukur hat mit Felix Murot einen der außergewöhnlichsten Kommissare in der Tatort-Geschichte erschaffen. Und doch: In einem Interview mit der Programmzeitschrift Hörzu deutet der Schauspieler seinen Rückzug aus der Krimireihe an. Der nächste Fall ist wohl schon sein letzter.

„Mit Murot wollte ich eine zeitlose, gefährdete und schillernde Figur schaffen, die etwas von der Traurigkeit des Lebens erzählt“, erklärt Ulrich Tukur. „Die nächste Murot-Episode Wer bin ich? kommt am 27. Dezember ins Fernsehen – und es fällt schwer, mir vorzustellen, wie es danach weitergehen soll. Denn wir wagen ein Experiment, das es so im Fernsehen meines Wissens noch nicht gegeben hat.“ Figur und Schauspieler würden sich in dem Film „trennen“, die Episode werde mithin ein Lehrstück über Wirklichkeit. „Was ist Spiel, was ist wirklich? Und ist das Wirkliche dann auch wirklich wirklich?“ Um solche Fragen, sagt Tukur, werde es gehen.

Der Schauspieler weiter über die neue, dann offenbar finale Geschichte: „Die Figur Hauptkommissar Murot hat keine Lust mehr auf die Virtualität und immer nur dann zu existieren, wenn die Kamera läuft. Er spaltet sich ab vom Schauspieler Tukur, beginnt ein Eigenleben und schickt mich, seinen Möglichmacher, am Ende selbst ins virtuelle Aus.“ Selbst Tukur gibt zu: „Das klingt jetzt sehr kompliziert.“ Die Geschichte sei aber in der Ausführung „unglaublich spannend und saukomisch“. Vermutlich sei das tatsächlich seine letzte Tatort-Episode, „Es sei denn, der Fernseh-Kommissar würde seinen Schauspieler spielen. Aber wie soll das gehen?“ Aufhören, wenn es am schrägsten ist, könnte man meinen. Ulrich Tukur liebt das Besondere – und gönnt sich zum Abschied noch mal den großen Auftritt.

Abgesehen davon – so ganz glücklich scheint der Schauspiel-Star mit der Entwicklung des Kultkrimis generell nicht zu sein. In dem Interview mit der Hörzu schließt sich Tukur jedenfalls der Kritik an, dass die Tatort-Reihe auf Events mit einmalig auftretenden Ermittlern setzt und dass es zu viele Stars und Städte in der Reihe gibt: „Warum muss jede deutsche Stadt, in der mehr als 150.000 Menschen leben, einen eigenen Ermittler haben?“, fragt der 57-Jährige, der mit seiner Ehefrau, der Fotografin Katharina John, in Venedig und in einem Dorf in der Toskana wohnt. „Das ist inflationär und endet in der totalen Beliebigkeit.“ Im Übrigen gebe es im Land bereits gefühlte 25 Millionen Schauspieler, 15 Millionen Musiker und gefühlte zehn Millionen Schriftsteller. „Wer soll sich denn das alles noch reinziehen? Ich mache mir Sorgen, dass die Zuschauer aussterben, wenn es nur noch Künstler gibt.“

Seinen ersten Auftritt als Tatort-Kommissar hatte Tukur 2010. Wie einst Lilly war der Titel seiner Premiere als LKA-Ermittler in Wiesbaden. Es folgten die Episoden Das Dorf, Schwindelfrei und schließlich Im Schmerz geboren.

Die Fans von Ulrich Tukur werden auch ohne Tatort nicht auf den großartigen Schauspieler verzichten müssen: Am 3. April zeigt die ARD den 180-minütigen Film Grzimek, in dem Tukur den legendären Tier- und Verhaltensforscher spielt.

thy

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