Gespräch mit Drehbuchautoren

„Unter Verdacht“-Interview: „Wiesn-Anschlag ist ja nicht unsere Erfindung“

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Szene aus „Unter Verdacht“: Eva Maria Prohacek (Senta Berger) und Claus Reiter (Gerd Anthoff). 

Es sind drastische Bilder, die das ZDF in der neuen Folge von „Unter Verdacht“ zeigt. Beim Wiesnumzug explodiert eine Bombe. Die internen Ermittler Eva Prohacek (Senta Berger) und André Langner (Rudolf Krause) ahnen, dass die Behörden mehr wissen, als sie zugeben.

München - Erstmals wurde eine Folge der seit 2002 laufenden Reihe als Zweiteiler angelegt. „Verlorene Sicherheit“ ist am Samstag um 20.15 Uhr und um 21.45 Uhr zu sehen. Das Buch schrieben Florian Iwersen (43) und Stefan Holtz (43). Ein Gespräch über Realität und Fiktion.

Herr Iwersen, Herr Holtz, kaum ein Tag vergeht ohne Nachrichten über Terroranschläge. Wird Ihnen nicht mulmig, wenn Sie dem Zuschauer jetzt genau so einen Anschlag mitten in München präsentieren? 

Stefan Holtz: Ja, da wird einem schon mulmig. Allerdings haben wir angefangen, das Drehbuch zu schreiben, als es in Deutschland noch keine Anschläge mit Toten gab. Die Wirklichkeit hat uns eingeholt. Deswegen war es uns wichtig, nicht einen Film über einen terroristischen Akt an sich zu machen, sondern die Handlung erst einige Monate später einsetzen zu lassen. 

Fürchten Sie nicht, dass der Film Menschen auf dumme Gedanken bringt? 

Florian Iwersen: Nein. Wir wollten ein möglichst realistisches Szenario entwickeln. Und die Wiesn ist das Erste, woran man denkt, wenn es um ein Anschlagsziel in München geht. Das ist ja nicht unsere Erfindung. 

Warum ist aus Ihrer Sicht „Unter Verdacht“ ideal für eine solche Geschichte – und weshalb haben Sie sie als Zweiteiler konzipiert? 

Holtz: In Unter Verdacht wurden immer aktuelle Streitfragen thematisiert, und die Angst vor dem Terror ist ein Thema, das Menschen bewegt und das sich gut in diesem Format erzählen lässt. Weil es ja auch die Polizeiarbeit betrifft. 

Iwersen: Bei Verlorene Sicherheit geht es um das Versagen von Behörden und um Korruption in der Politik. Ein so komplexes Thema muss man mit starken Figuren und starken Emotionen erzählen. Und weil das Emotionale zu entwickeln Zeit braucht, erschien uns ein Zweiteiler sinnvoll. 

Einer der Attentäter sagt sinngemäß: „Wir tragen den Krieg in eure Städte, so wie ihr den Krieg in unsere Länder tragt.“ Ist das eine Botschaft des Films – Terror als Folge falscher Politik? 

Holtz: Nein. Das ist die Ideologie der Terroristen, die durch nichts zu rechtfertigen ist. 

Auf der anderen Seite zeigen Sie die Bindungen der Regierung zum Regime eines islamischen Staates. Ist das eine Message: Bei Geschäften drückt man die Augen zu? 

Iwersen: Das ist ja die Realität. Die westliche Welt macht Geschäfte mit diesen Ländern. Sie hat lange Zeit weggeschaut angesichts der Tatsache, dass von dort Terror zumindest ideologisch unterstützt wurde. Das fällt jetzt auf uns zurück. 

Was schätzen Sie an den Hauptfiguren in „Unter Verdacht“ besonders? 

Holtz: In diesem Fall war es wichtig, die große Fallhöhe der Geschichte in der Hauptfigur zu spiegeln. Wir waren uns nicht sicher, ob Senta Berger den Schritt mitgehen würde, dass die von ihr gespielte Figur einen Schlaganfall erleidet. Doch sie hat uns ermutigt, das so zu schreiben. Nicht alle Schauspieler sind da so aufgeschlossen.

Gerd Anthoff darf sich als Fiesling austoben... 

Holtz: Das war interessant – wir haben den Film auf einem Krimifestival gezeigt, und als die Schauspieler auf die Bühne kamen, gab es aufgrund des harten Cliffhangers am Ende der Geschichte bei Anthoff spontane Unmutsbekundungen.

Iwersen: Er hat sich aber darüber gefreut und gesagt, das sei das schönste Kompliment. Dann wisse er, dass er alles richtig gemacht hat. 

Es soll noch mindestens drei Folgen geben, an der letzten arbeiten Sie gerade. Worum wird es gehen? 

Iwersen: Es wird eine Art Rückkehr zu den Anfängen. Der Fall wird sich sehr auf die Polizei konzentrieren und auf das, was Prohaceks Stellung bei der Internen Ermittlung ausmacht. 

Vermutlich kein Ende mit Todesschuss im Dienst? 

Holtz: Das müssen wir offen lassen.

Lesen Sie eine Vorschau auf den Fall von unserer Redakteurin Miriam Sahli-Fülbeck.

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