„Hart aber Fair“

US-Experte vergleicht Trump mit Beckenbauer

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Bei „Hart aber Fair“ fragte Frank Plasberg am Montagabend: „Was bringt die Ära Trump?“

München - „Hart aber Fair“: Mal wieder geht es um Donald Trump. Diesmal mit einem Bild-Journalisten, der dem Präsidenten-Berater nahe steht und einen US-Experten, der Trump mit Franz Beckenbauer vergleicht.

„Der Sprung ins Dunkle: Was bringt die Ära Trump?“ fragte Frank Plasberg am Montagabend. Der Titel war Programm. Viele Mutmaßungen, Eventualitäten und mögliche Szenarien wurden formuliert und durchgespielt. 

Zu Gast waren der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder (67), Cem Özdemir (50) als Grünen-Chef, die Korrespondentin des US-Senders CNBC und Finanzexpertin Carolin Roth (43). Dazu kamen der Chefredakteur von Bild.de, Julian Reichelt (36) und Don Jordan (75) als US-Auslandskorrespondent.

Und Letzterer sorgte für den Spruch des Abends: "Trump ist eine Mischung aus Blatter, Winterkorn, Middelhoff, Beckenbauer und Ecclestone", sagte er, während Obama ein Gentleman sei. „Das werden künftig andere Zeiten“, fürchtet er. Auch und gerade für Europa.

Plasberg beleuchtete das Kabinett Trumps, in dem in Steve Bannon ein Mann demnächst Chefstratege wird, der das rechte Medium "Breitbart News" leitete und sich als Plattform der ultrarechten „Alt-Right“-Bewegung bezeichnete. Dazu wird mit Michael Flynn ein Drei-Sterne-General bald neuer Nationaler Sicherheitsberater. Er hat sich für Auftritte im russischen Fernsehen bezahlen lassen und wusste offenbar derart zu überzeugen, dass er gleich noch an einem Tisch mit Wladimir Putin sitzen durfte.

Reichelt, der dem Anschein nach den Gegenpart in der Sendung geben sollte, erklärte, weshalb er die bisherige Besetzung der Trump-Truppe trotz ultrarechter Schlagseite irgendwie ganz klug findet. Den Grund lieferte er auf Nachfrage Plasbergs dann auch gleich mit: „Ich kenne Flynn schon lange, ich würde ihn als Freund bezeichnen.“ Den Russland-Besuch Flynns tat er so ab: „Da zu sitzen war seine Pflicht als US-Geheimdienstchef.“ Und er hat den ISIS-Terrorismus „maximal bekämpft“.

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

John Kelly: Heimatschutzminister.
John Kelly: Heimatschutzminister. Kelly war Kommandant im Irak-Krieg. Er soll die illegale Einwanderung stoppen und „unsere Grenzen sichern", hofft Trump. © dpa
Scott Pruitt: Leiter Umweltbehörde EPA.
Scott Pruitt: Der 48-Jährige, derzeit Justizminister des Staates Oklahoma, glaubt noch weniger an den Klimawandel als Donald Trump. Er ist Verbündeter der Kohle- und Erdölindustrie und soll Chef der mächtigen Umweltschutzbehörde EPA werden. Pruitt dürfte dafür sorgen, dass die strengen Auflagen, die Barack Obama im Programm für saubere Energie beispielsweise für den CO2-Ausstoß von Kohlekraftwerken erlassen hat, rückgängig gemacht werden. Er ist überhaupt gegen Grenzwerte, sogar wenn es um die Luftverschmutzung in den Nationalparks geht. © AFP
Andrew Puzder: Arbeitsminister. 
Andrew Puzder: Arbeitsminister. Der 66-jährige Chef von CKE Restaurants ist ein Gegner höherer Mindestlöhne und der Gesundheitsreform des scheidenden Präsidenten Barack Obama. © dpa
James Mattis: Verteidigungsminister.
James Mattis: Der pensionierte Vier-Sterne-General, der 2007 bis 2009 Nato-General war, ist Trumps designierter Verteidigungsminister. 2005 machte Mattis Schlagzeilen mit der Aussage, es mache „Spaß, ein paar Leute zu erschießen“, etwa in Afghanistan Männer, „die ihre Frauen fünf Jahre lang verprügeln, weil sie sich nicht verschleiert haben“. Trotz seiner markigen Aussprüche passt er nicht so recht in das Stereotyp des Kriegstreibers. Er hat sich sogar dafür ausgesprochen, das Budget des Außenministeriums zu erhöhen: Diplomatie müsse immer erste Wahl sein. © dpa
Steven Mnuchin: Finanzminister.
Steven Mnuchin: Finanzminister. Er ist ein ehemaliger Investmentbanker von Goldman Sachs und Wall-Street-Insider. Mnuchin war in der Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten, weil eines seiner Finanzunternehmen in der Finanzkrise 35.000 Immobilien zwangsversteigerte und damit zahlreiche Opfer der Krise ohne Dach über dem Kopf ließ. © dpa
Wilbur Ross: Wirtschaftsminister.
Wilbur Ross: Wirtschaftsminister. Der Milliardär ist wie Mnuchin ein früherer Investmentbanker. © dpa
Betsy DeVos: Bildungsministerin.
Betsy DeVos: Bildungsministerin. Ist Vorsitzende einer Investmentfirma und Milliardärin. War Vorsitzende der republikanischen Partei in Michigan. Fordert schon länger eine Reform des Schulsystems. © AFP
Mike Pompeo: CIA-Direktor.
Mike Pompeo: Der künftige Geheimdienstchef kommt aus Kansas und gehört als Kongressabgeordneter der rechten Flügelgruppe Tea Party an. Er ist im Geheimdienst-Ausschuss des Repräsentantenhauses und pochte im Untersuchungsausschuss zur „Benghasi“-Affäre von Hillary Clinton auf eine angebliche Vertuschungsaktion zugunsten der damaligen Außenministerin. Als CIA-Chef muss er seine Leute beruhigen, die Trump reserviert gegenüberstehen. Pompeo fordert unter anderem, dass die NSA wieder unbegrenzt Metadaten sammeln dürfen soll. © AFP
Michael Flynn: Nationaler Sicherheitsberater.
Michael Flynn: Michael Flynn, ebenfalls ehemaliger General, fällt mit einer Weltsicht auf, die nur Gut und Böse, aber keine Grautöne kennt. Bis 2014 war er Direktor des Militärgeheimdienstes DIA. Der Islam ist für ihn eine politische Ideologie, ein „bösartiges Krebsgeschwür“. 2015 geriet Flynn unter Druck, nachdem er neben dem russischen Präsidenten Putin bei einer Gala des russischen Propagandasenders Russia Today (RT) in Moskau aufgetreten war. Flynn sagte, er sehe keinen Unterschied zwischen RT und US-Nachrichtensendern. Er gab zu, dafür bezahlt worden zu sein. © dpa
Steve Bannon: Chefstratege.
Steve Bannon: Der Publizist, Filmemacher und Berater war zuletzt Trumps Wahlkampfmanager. 2012 übernahm er das rechtspopulistische Portal Breitbart News. Der ultrakonservative Nationalist und Rassist wird der „alternativen Rechten“ zugeordnet. Aus seiner Geringschätzung gegen das politische Establishment in Washington macht er keinen Hehl – sowohl der Demokraten als auch der Republikaner. Nach seinem Karrieresprung wurde Bannon vom Hollywood Reporter nach seinen Vorbildern gefragt: „Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht.“ Trump glaubt nicht, dass Bannon ein „Rechter“ oder ein Rassist ist. © dpa
Reince Priebus: Stabschef.
Reince Priebus: Stabschef. Er kontrolliert, welche Informationen zum Präsidenten gelangen. Der Stabschef hat maßgeblichen Einfluss auf dessen politische Agenda. © dpa
Nikki Haley: Uno-Botschafterin.
Nikki Haley: Uno-Botschafterin. Gouverneurin von South Carolina. Kaum außenpolitische Erfahrung. Gilt für viele als Hoffnungsträgerin im Team Trump, denn sie hatte ihn im Wahlkampf mehrmals kritisiert. © dpa
Jeff Sessions: Justizminister.
Jeff Sessions: Justizminister. Gilt als erz-konservativ. Hardliner in der Einwanderungspolitik. Wird immer wieder mit Rassismusvorwürfen in Verbindung gebracht. © dpa
Rex Tillerson
Rex Tillerson: Die Nominierung von Rex Tillerson ist ein sehr deutliches Signal, dass Donald Trump eine rasche Wiederannäherung an Russland anstrebt: Der Chef des Ölkonzerns ExxonMobil hat enge Kontakte nach Moskau. Putin kennt er seit den Neunzigern – 2012 erhielt er von ihm den Freundschaftsorden. Selbstverständlich ist Tillerson ein vehementer Gegner der westlichen Sanktionen. Trump pries den Manager für sein „tief reichendes Wissen von der Geopolitik“: Er unterhalte Beziehungen zu Staatenlenkern in der ganzen Welt. In der Tat gilt der vierfache Vater mit dem silbrigen Haar als geschickter Unterhändler, aber eben in Sachen Öl. Umweltschützer fürchten, er könne als Chefdiplomat Interessen des fossilen Energiesektors auf Kosten des Klimaschutzes durchboxen; allerdings erkennt Tillerson den Klimawandel als Tatsache an und begrüßt das Pariser Abkommen. © AFP

Der Springer-Mann gab aber auch an, dass er Trump jetzt "erstmals richtig beunruhigend" finde. Der Grund: Die jüngsten Twitter-Anfälle Trumps gegen angeblich illegale Wählerstimmen zu seinen Ungunsten. Zudem warnte er: Niemand kenne die Wahrheit über Trumps Vermögensverhältnisse. Dies sei gefährlich. 

Finanzexpertin Roth richtete den Fokus auf die enormen Interessenkonflikte des Geschäftsmanns Trump. Sie glaubt: "Der Deutschen Bank hätte nichts Besseres passieren können“, als den eigenen Kunden Trump bald als US-Präsidenten zu bekommen. „Sie ist sein größter Geldgeber, sie gab ihm Kredite von 370 Millionen Dollar.“

Der Bezug: Die US-Justiz verlangt 14 Milliarden Dollar an Strafen für das Fehlverhalten der Bank in den USA.

Kauder und Özdemir waren sich beim Umgang mit dem neuen US-Regime weitestgehend einig. "Wir sind nicht ungeübt im Umgang mit Regimen, die unsere Auffassungen über Menschenrechte nicht teilen", erklärte Kauder mit Verweis auf Staaten wie China. Özdemir feixte: "Interessant, dass Herr Kauder die USA auf eine Stufe mit menschenrechtsverletzenden Regimen stellt." Kauder wies das natürlich gleich von sich.

Vor der Ära Trump plagt Özdemir vor allem die Sorge um den Klimaschutz. Mit diesem Präsidenten hätte es ein solches Abkommen in Paris nie gegeben. Und Jordan warnt vor überstürzter Panik. Er glaubt, dass das amerikanische „Checks and Balances“ Trump schon in den Griff bekommt. Darauf hoffen vor allem die Trump-Kritiker.

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