Der Privatsender im Wandel der Zeit

VOX: Geschichte, Marktanteil, Programm – alle Infos

Bernd Reichart, Geschäftsführer des Fernsehsenders VOX, lächelt, während er die rote Kugel in den Händen hält.
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Die rote Kugel - das Markenzeichen von Vox.

Der Fernsehsender VOX hat eine bewegte Fernsehgeschichte hinter sich. Wie sich der Sender nach anfänglichen Schwierigkeiten zum Quotenhit entwickelte.

  • 1994 stand der Fernsehsender bereits kurz vor dem Aus.
  • Innovative Formate und Überraschungshits verhalfen VOX zu neuem Erfolg.
  • Goodbye Deutschland und Shopping Queen sind Publikumslieblinge.

Köln – Hier hat der Privatsender VOX seinen Sitz. VOX, was auf Lateinisch „Stimme“ bedeutet, ging im Januar 1993 auf Sendung. Seit dem Jahr 2000 gehört der Fernsehsender zu 99,7 % der RTL Group.
VOX hat einen Marktanteil von 4,8 % bei allen Zuschauern ab 3 Jahren und liegt damit an fünfter Stelle hinter dem ZDF, dem Ersten, Sat. 1 und RTL. In der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen beträgt der Marktanteil sogar 7 % (Stand 2019). Geschäftsführer von VOX ist seit 2019 Sascha Schwingel.

Der Anfang von VOX: Hohe Ansprüche und Schwerpunkt auf Nachrichten

Als VOX 1993 auf Sendung ging, lautete das Konzept, sich inhaltlich von den anderen Privatsendern, die vor allem auf Unterhaltung abzielten, zu unterscheiden. Der Schwerpunkt wurde auf Information und Nachrichten gelegt und die politischen und gesellschaftlichen Themen der Zeit sollten anspruchsvoll und unterhaltsam aufbereitet werden. Für dieses Infotainment verpflichtete man führende Köpfe aus dem öffentlich-rechtlichen TV-Bereich und konzipierte Formate wie Talk-Runden und Polit-Magazine auf hohem Niveau.
Das Konzept ging jedoch nicht auf: Die Einschaltquoten und Marktanteile lagen weit hinter den Erwartungen zurück, die Kosten für Korrespondenten im Ausland sprengten das Budget und die eigenproduzierten Sendungen konnten weder die Gunst der Zuschauer für sich gewinnen, noch den eigenen hohen Ansprüchen der Fernsehmacher genügen. Zudem hatten sich die Sendungen der Öffentlich-Rechtlichen, allen voran die Tagesschau im Ersten, bereits fest als seriöse Nachrichten-Formate etabliert, sodass bei den Zuschauern kein weiterer Bedarf bestand. Die Folge: Im Schnitt gerade einmal 0,05 Millionen Zuschauer schalteten VOX ein, das entsprach einem Marktanteil von 1,5 % und bedeutete hohe Millionenverluste für die Anteilseigner.

Neues Programm und Beinahe-Aus von VOX

Als deutlich wurde, dass das Konzept von VOX gescheitert war, strukturierten die Verantwortlichen das Programm des Senders radikal um. Statt anspruchsvolle Eigenproduktionen aus dem Infotainmentbereich wurden nun nicht mehr ganz neue TV-Serien aus den USA wie „Airwolf“ sowie Live-Sport-Events gezeigt und damit auf eine völlig andere Zielgruppe gesetzt. Die Umpositionierung zog nicht nur hohe Marketingkosten nach sich, sondern schadete auch dem Image des Prestigeprojektes VOX, sodass kaum noch TV-Werbung verkauft werden konnte. Sichtbar für die Zuschauer wurde der finanzielle Engpass durch die Tatsache, dass Filme im Abstand weniger Wochen immer und immer wieder gezeigt wurden, da das Geld für neue Lizenzen fehlte. Der Sender stand kurz vor dem Aus und ging bereits teilweise in die Liquidierung.

VOX: Hochglanz-Serien, neue Shows, steigende Zuschauerzahlen

Die Rettung im letzten Moment erschien in Form des Medienmoguls Rupert Murdoch, der auf einen Streich fast 50 Prozent der Anteile übernahm. Gleichzeitig brachte Murdoch durch seinen Zugang zu den Produktionen des Hollywood-Filmstudios 20th-Century Fox neuen Wind in das VOX Programm. Dieses setzte weiter auf Unterhaltung, jedoch nun mit neueren Serien und Movies. Besonders die Anwaltsserie „Ally McBeal“ löste in Deutschland geradezu einen Hype aus und bescherte dem Sender viel Aufmerksamkeit und neue Zuschauer(innen). Auch Eigenproduktionen gab es wieder, darunter das erfolgreiche Reisemagazin „Voxtours“ mit Moderatorin Judith Adlhoch. Eine große Fangemeinde konnte sich auch die Erotiksendung Wa(h)re Liebe“ mit der Kunstfigur und Moderatorin Lilo Wanders sichern.

Das VOX Koch-Format „Das perfekte Dinner“ zog nicht nur jeden Abend Millionen Zuschauer vor den Fernseher, sondern wurde zudem mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Später knüpfte VOX an den Erfolg an, indem die Macher „Das perfekte Promi Dinner“ auf den Markt brachten. Hier kochen Prominente um die Wette, um später zum besten Gastgeber der Woche gekürt zu werden. Gerne werden hier Figuren aus Reality-Formaten des späteren Schwestersenders RTL noch einmal vermarktet – beispielsweise die Kandidaten des Dschungelcamps „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“.

Der Sender VOX wird Teil der RTL Group

Die börsennotierte RTL Group aus Köln, die zum Bertelsmann Konzern gehört, erkannte das Potenzial von VOX und sicherte sich immer mehr Anteile, bis sie im Jahr 2000 schließlich 99,7 % des Fernsehsenders besaß. Für das Programm brachte dies einige Synergieeffekte mit sich – ähnlich wie bei „Das perfekte Promi Dinner“ werden auch bei der „Promi Shopping Queen“ Prominente aus RTL-Formaten vermarktet.
Auch holte RTL schon Serien, die sich auf VOX als sehr erfolgreich erwiesen hatten, in das eigene Programm wie beispielsweise die Krimi-Dauerbrenner CSI und CSI: Miami. Weiterhin auf VOX läuft CSI: NY.

Das VOX-Erfolgsrezept: Doku-Soaps, Reality-Formate und Casting Shows

Heute wird das Programm von VOX durch erfolgreiche US-Serien und eigenproduzierte Reality Formate geprägt. Lediglich mit „Der Club der roten Bänder“ und „Milk & Honey“ brachte der Sender aus Köln zwei Eigenproduktionen aus dem Fiction-Bereich heraus.
Zu den US-Serienimporten gehören „Grimm“, „Law & Order: Special Victims Unit“, „Magnum P. I.“, „Bones – die Knochenjägerin“ und „Chicago Med“. Zum Überraschungshit wurde vor allem die True-Crime-Serie „Medical Detectives“, die zu später Stunde viele Zuschauer vor den Fernseher lockt.
Sein besonderes Profil und ein treues Stammpublikum hat VOX jedoch durch die eigenen Reality-, Casting- Do-it-yourself- und Doku-Formate für sich gewinnen können. Zu den erfolgreichsten zählen:

Kochshows

  • Das perfekte Dinner und Das perfekte Promi Dinner
  • Grill den Henssler
  • Kitchen Impossible mit Tim Mälzer
  • Ready to beef!

Doku-Soaps

  • Goodbye Deutschland! Die Auswanderer
  • Mein Traumhaus am Meer
  • Einmal Camping – immer Camping
  • Mein Kind, dein Kind
  • Zwischen Tüll und Tränen
  • First Dates – Ein Tisch für zwei mit Promi-Koch Roland Trettl
  • Altes Haus sucht Mitbewohner

Competition-Shows

  • Die Höhle der Löwen
  • Prince Charming
  • Shopping Queen, Promi Shopping Queen
  • Ewige Helden

Musikshows

  • Sing meinen Song - Das Tauschkonzert

Tierserien

  • Hundkatzemaus
  • Das geheime Leben unserer Haustiere
  • Der Hundeprofi

Do-it-yourself-Serien

  • Ab in die Ruine
  • Ab ins Beet! Die Garten Soap
  • Die Beet-Brüder
  • Hot oder Schrott – die Allestester

Automobilserien

  • Auto Mobil
  • Biete Rostlaube, suche Traumauto
  • Der Autodetektiv

Promimagazin

  • Prominent!

VOX macht seine eigenen Stars und entdeckt Moderatoren

Die verschiedenen Eigenproduktionen von VOX haben einer Vielzahl von Prominenten zu ihrer Bekanntheit verholfen. So brachte „Goodbye Deutschland“ die Reality-Stars Danni und Jens Büchner hervor.
Auch der bekannte Fernsehkoch Tim Mälzer, der inzwischen auch als Buchautor und Gastronom erfolgreich ist, verdankt seine Karriere seiner Moderation der Kochshow „Schmeckt nicht, gibt‘s nicht“, die von 2003 bis 2007 auf VOX zu sehen war.
Eine wahre VOX-Karriere hat Detlef „Deffi“ Steves durchlaufen. Der Moerser trat 2009 erstmals in „Ab ins Beet!“ und gleich darauf in „Ab in die Ruine!“ auf. Ab 2013 kochte er bei „Das perfekte Promi Dinner“ und insgesamt zehn Mal bei „Grill den Henssler“.
Mit „Detlef muss reisen“ bekam der sympathische „Chef-Choleriker“ von 2013 bis 2014 sogar sein eigenes Format bei dem Fernsehsender mit der roten Kugel. Seit 2016 ist Steves mit seiner Ehefrau Nicole fester Bestandteil der Serie „Hot oder Schrott – die Allestester“.

VOX – per Stream aus der Online-Mediathek

Wie die anderen wichtigsten Fernsehsender bietet auch VOX eine Mediathek für SmartTVs und mobile Geräte an. Auf TVNOW können die Zuschauer verpasste Sendungen jederzeit per Stream ansehen.
Seit Dezember 2019 gibt es zudem mit VOXup einen weiteren Sender in der RTL Senderfamilie, der sowohl beliebte VOX-Serienklassiker wie „McLeods Töchter“ und „Ally McBeal“ zeigt, als auch die Prime-Time Eigenproduktionen „Die Höhle der Löwen“ oder „Kitchen Impossible“.

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