tz-Reporterin war dabei

"Wetten, dass..?": Das geschah nach dem Ende im TV

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Der Moment der Erlösung: Markus Lanz nach der Show mit seiner Frau Angela Gessmann.

Nürnberg - tz-Reporterin Astrid Kistner beschreibt, was sich nach dem Ende der Übertragung von "Wetten, dass..?" in der Halle tat - und was Markus Lanz sagte.

Nein, ich werde Sie jetzt nicht langweilen: mit Frottee-Schlafanzügen, samstäglichen Baderitualen, Salzstangen und der Käsebrot­romantik der 80er-Jahre. Aber ja, auch ich bin mit Wetten, dass ..? groß geworden und es hat mir nicht geschadet – dachte ich zumindest bis zur finalen Abschiedsshow am Samstag. Da sollte in Halle 4A auf dem Nürnberger Messegelände nach knapp 34 Jahren und 215 Sendungen TV-Geschichte geschrieben werden. Wenn das kein Grund ist, live dabei zu sein.

Während sich rund 100 Journalisten und Fotografen auf ihren Sitzen in der ausverkauften Halle niederlassen, mahnt Markus Lanz ein allerletztes Mal vor der letzten Show von "Wetten, dass..?" zur guten Laune: „Dies ist keine Beerdigung – helfen Sie mit. Und wenn ich gleich auf die Bühne komme, tun Sie so, als hätten Sie mich noch nie gesehen.“

Vielleicht hatte sich der Südtiroler deshalb wenige Stunden zuvor im Stil von Lady Di aus dem Nürnberger Sheraton ­Hotel in die Limousine gestürzt und war davongebraust. Ungesehen bewegte er sich auch im hermetisch abgeschirmten Backstagebereich von "Wetten, dass..?", der besser bewacht war als der CSU-Parteitag mit Angie Merkel. Pressekonferenz? Fehlanzeige. After-Show-Party? Nicht für Journalisten. Egal, nach dreieinhalb zermürbenden Stunden auf harten Stühlen und wenigen Höhepunkten im Showtreiben will sowieso nur noch jeder nach Hause. Das Publikum verlässt – bis auf ein paar hartgesottene Helene-Fischer-Fans, die auf Autogramme hoffen – fluchtartig den Saal. Bully, Otto und Til Schweiger rennen förmlich von der Bühne. Auch Markus Lanz wirkt erleichtert. Er hat’s geschafft, umarmt im letzten Goldregen seine Frau Angela und zeigt sich am Ende noch mal kämpferisch: „Die Kritik berührt mich nicht. Ich habe diese Sendung immer ohne Groll gemacht“, sagt er im tz-Gespräch. Dass der Quotenverfall von "Wetten, dass..?" auch ihm zuzuschreiben ist, will der 45-Jährige nicht gelten lassen: „Ich bin zu einem Zeitpunkt eingestiegen, in dem es den digitalen Umbruch gab und die Printmedien massive Einbrüche erlebt haben. Das Schlachtross "Wetten, dass ..?" wurde auch attackiert, um den Verfall der Auflage zu stoppen und Klick-Zahlen im Online-Bereich zu generieren.“

Als Verlierer des Jahres sehe er sich nicht. „Das ist doch wirklich Käse. Stellen Sie sich mich einfach als einen sehr glücklichen Menschen vor“, sagt Lanz nach dem Ende von "Wetten, dass..?". Da ist es doch leichter, so zu tun, als hätten wir ihn nie gesehen.

Otto im tz-Gespräch: "Wetten, dass..?" wird fehlen

Sein Auftritt war ein Höhepunkt im gut dreieinhalbstündigen Showmarathon des ZDF: Kultkomiker Otto Waalkes (66) verhalf der letzten "Wetten, dass ..?"-Sendung gemeinsam mit Bully Herbig zu altem Glanz. Die tz traf Otto zum Interview in seiner Garderobe.

Herr Waalkes, Sie waren neun Mal zu Gast bei „Wetten, dass ..?“ Erinnern Sie sich an Ihr Debüt?

Otto Waalkes: Ja, natürlich. Da hab ich bei Frank Elstner gewettet, dass ich eine Million Ottifanten innerhalb der Sendezeit zeichnen kann. Top die Wette gilt. Hat nicht ganz geklappt, und zur Strafe musste ich dann einen Elefanten in ­Hagenbecks Tierpark waschen.

Abgesehen von der Großtierreinigung – was werden Sie nie vergessen?

Otto Waalkes: Die Begegnungen mit wirklich großen Stars: Cher war da, die war der Knaller, und für Sophia Loren durfte ich eine Arie singen, das war wunderbar. Und wegen Cindy Crawford wär’s bei mir fast zur Scheidung gekommen – ja, die habe ich alle persönlich kennengelernt. Der eigentliche Höhepunkt aber war, dass ich mit Bully singen ­durfte.

Ihre erste Zusammenarbeit?

Otto Waalkes: Ja, dieser Tage sind wir uns nicht nur inhaltlich, sondern auch menschlich recht nahe gekommen.

Sind Sie als Gast auf der Couch aufgeregter, als wenn Sie selbst die Bühne rocken?

Otto Waalkes: Klar, dieses stundenlange Ausharren und Warten, bis man wieder was gefragt wird – das ist nicht so meine Art. Ich will lieber immer gleich gefordert werden und volle Power geben.

Sie waren auch mit dabei, als Samuel Koch bei "Wetten, dass..?" seinen furchtbaren Unfall hatte...

Otto Waalkes: Ja, das war ein furchtbarer Moment, ein ganz tragischer Unfall. Was mir imponiert, ist, dass Samuel heute gezeigt hat, dass man mit Kraft, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und Optimismus wieder nach vorne kommen kann.

Sie waren bei Elstner zu Gast und mehrmals bei Gottschalk. Waren Sie auch bei ­Lippert?

Otto Waalkes: Nein, und auch bei Markus Lanz war ich heute zum ersten Mal – und ich glaube auch zum letzten (lacht).

Finden Sie es schade, dass „Wetten, dass ..?“ jetzt vorbei ist?

Otto Waalkes: Ich finde es immer schade, wenn was zu Ende geht. Mir hat die Show gut gefallen. Ich konnte ja fast von ihr leben, so oft, wie ich zu Gast war.

Haben Sie die paarmal, die Sie nicht dabei waren, auch die Show geschaut?

Otto Waalkes: Unbedingt! Immer!

Ernsthaft?

Otto Waalkes: Klar, ich mochte die Wetten, die Stars, die Abwechslung. Außerdem ­habe ich eine echte Schwäche für Live-Shows – das wird mir fehlen.

von Astrid Kistner

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