Diese Erkenntnisse werfen ein neues Licht

Wiesn-Attentat: BR zeigt Spielfilm und neue Doku

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Der Autor Ulrich Chaussy (li.) mit Günther G., der damals als ­Polizist im Einsatz war.

München - Es ist bis heute der schwerste Anschlag in der Geschichte der BRD – das Oktoberfestattentat vom 26. September 1980, bei dem 13 Menschen starben. Eine Dokumentation lässt nun erheblich an den Ermittlungsergebnissen zweifeln.

Die offizielle These sagt, dass der rechtsextreme Student Gundolf Köhler die Tat als Einzelner verübt habe – eine These, an der starke Zweifel bestehen. Der Journalist Ulrich Chaussy beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit den Geschehnissen. Seine Recherchen hat er zusammen mit Filmemacher Daniel Harrich unter anderem in dem Spielfilm Der blinde Fleck verarbeitet. Dieser Film und neue Zeugen, die sich bei den Journalisten gemeldet hatten, führten dazu, dass der Generalbundesanwalt seine Ermittlungen 2014 wieder aufgenommen hat (siehe unten).

Am Dienstag läuft im Bayerischen Fernsehen nun die Dokumentation Attentäter – Einzeltäter? Neues zum Oktoberfestattentat, in der Chaussy wiederum einen neuen Zeugen präsentiert. Es handelt sich um einen inzwischen pensionierten Münchner Polizisten, der am Tag des Attentats am Unglücksort war.

Der 26. September 1980: 13 Menschen sterben beim Attentat. Gundolf Köhler (†21), der selbst umkam, gilt bis heute offiziell als einziger Täter.

Rückblick: Als die Bombe am Haupteingang des Oktoberfestes explodiert, herrscht das blanke Chaos. Überall liegen Verletzte, Leichen werden geborgen. Ein Polizist, der in diesem wilden Durcheinander den Verkehr regeln soll, bemerkt plötzlich, dass er auf etwas Weiches, Schwammiges, Fleischiges tritt. Erschrocken stellt er fest: Da liegt eine Hand! Weil er selbst mit dem Verkehr beschäftigt ist, ruft er einen Kollegen zu Hilfe, der die Hand birgt und zur Einsatzzentrale bringt. „Dieser Polizist, Günther G., hat sich im Februar dieses Jahres bei mir gemeldet, nachdem unser Film in der ARD gelaufen war“, erzählt Ulrich Chaussy der tz. „Er kann die Hand genau beschreiben.“ Es handele sich um eine Handfläche und vier Finger, die Haut sei fast unversehrt. An der Hand seien keine Schmauchspuren, noch nicht einmal Verletzungen zu erkennen gewesen seien.

„Er beschreibt sie als ,schnittartig abgetrennt vom Handgelenk‘“, so der Journalist. Das Kuriose: In den Akten war stets die Rede von einem stark verschmauchten Finger gewesen. Gab es am Ende zwei abgetrennte Hände? Außerdem wurde immer behauptet, die Hand sei vom Sprengstoff derart beschädigt, dass keine Blutgruppe identifiziert werden konnte. Fingerabdrücke indes gab es – die gleichen wurden seinerzeit auf Unterlagen von Gundolf Köhler gefunden. Deswegen gingen die Ermittler davon aus, dass die abgerissene Hand seine ist. Belegen kann man das alles nicht – und die Hand ist fatalerweise verschwunden. „Sie ist als eines der wichtigsten Asservate niemals zur Bundesanwaltschaft gelangt“, sagt Chaussy. Ihre Spur verliere sich im rechtsmedizinischen ­Institut oder beim LKA in München.

Was erhoffen sich Ulrich Chaussy und Daniel Harrich nun konkret von dem neuen Zeugen Günther G.? „Durch seine Schilderungen der Hand ist die Chance, dass sie doch noch gefunden wird, jedenfalls nicht kleiner geworden“, sagt Harrich. Glaubt er denn noch daran, dass die Hand, dank derer ein DNA-Abgleich möglich wäre, irgendwo liegt? „Wissen Sie“, sagt er. „Jahrzehntelang hieß es, bestimmte Akten über das Attentat seien verschwunden. 2013, nach der Premiere unseres Films Der blinde Fleck im Landtag, tauchten sie wieder auf – warum sollte das mit der Hand nicht auch passieren?“

Das Problem: Die Bundesanwaltschaft, die sich auf Nachfrage der tz nicht zu den Ermittlungen äußern wollte, scheint dem neuen Zeugen (und einigen anderen auch) keine große Bedeutung beizumessen. Als Günther G., so berichtet es jedenfalls Ulrich Chaussy, vor einigen Wochen vernommen wurde, habe man ihm unterstellt, er präsentiere eine Räuberpistole und habe seine Geschichte erfunden. Dieser „gerade Polizist a.D.“ (Chaussy) habe sich davon aber nicht beeindrucken lassen – und erzählt seine Erinnerungen am Mittwoch im BR.

Generalbundesanwalt ermittelt wieder

Am 11. Dezember 2014 passierte das, wo­rauf Überlebende, Angehörige von Opfern und natürlich auch die Journalisten Ulrich Chaussy und Daniel Harrich jahrelang gewartet hatten: Der Generalbundesanwalt teilte mit, dass die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat wieder aufgenommen werden. Die Angaben einer bislang nicht bekannten Zeugin hätten zu dem Entschluss geführt. Diese Zeugin, eine Krankenschwester, hatte sich bei Ulrich Chaussy gemeldet und von einem anonymen Patienten berichtet, der sich wenige Tage nach dem Attentat im Klinikum Oststadt-Heidehaus in Hannover gemeldet hatte – mit zerfetztem Unterarm! Der Mann wollte nicht sagen, wie es zu der Verletzung gekommen war. Gundolf Köhler war bei dem Attentat gestorben – war der Unbekannte aus dem Krankenhaus ein Mittäter? Die Ermittlungen laufen.

St. Thyssen

„Der blinde Fleck“, Dienstag, 20.15 Uhr. Dokumentation, Dienstag, 22.45 Uhr, BR

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