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ZDF-Film "Die Insassen": Zwischen Wahnsinn und Normalität

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Von: Astrid Kistner

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Wolfgang Stumph (oben), Maximilian Brückner und Jule Ronstedt sind "Die Insassen". © ZDF

München - Schauspielerin Jule Ronstedt spricht über ihren neuen Film, der in einer Anstalt spielt. Außerdem verrät die Münchnerin, wie sie Stress im Beruf vorbeugt.

Manchmal ist der Grat zwischen Wahnsinn und Normalität sehr schmal. Ein Windhauch, und das Kartenhaus fällt zusammen. So wie bei Top-Manager Wilhelm Löhring (Wolfgang Stumph), der, seiner Ämter bereits enthoben, vollkommen durchknallt und von der eigenen Firma in eine Luxusnervenheilanstalt eingeliefert wird. Die Insassen dort betrachtet der einst geniale Unternehmer anfangs abschätzig, doch schon bald beschließt Löhring mit Hilfe der Patienten Winter (Maximilian Brückner), Wienkamp (Thomas Klügel) und Schlick (Jule Ronstedt) die Klinik zu einem florierenden Soulmanagement-Konzern umzukrempeln.

Unter der Regie von Franziska Meyer Price läuft das Ensemble der

„Die Insassen“,

Donnerstag, 20.15 Uhr, ZDF

munteren ZDF-Komödie zur Höchstform auf. Zwischen Schwermut und Euphorie ist jede Menge Platz für leise Zwischentöne und laute Lacher. „Ja, es war wirklich ein Riesenspaß, diesen Film zu drehen“, sagt Jule Ronstedt, die als depressive Chefsekretärin verborgene Talente in sich entdeckt. „Ich hab’s genossen, mal die Henne im Korb zu sein. Die Figur der Karin Schlick war einfach mal was anderes. Nicht immer die große Lovestory, sondern eine Komödie, die ein ernstes Thema humoristisch anpackt.“

Die Münchner Schauspielerin, die derzeit einen Abschlussfilm für die Hochschule in Kroatien dreht, fürchtet sich nicht vor einem Burnout. „Ich bin da, glaube ich, nicht so gefährdet“, sagt sie im tz-Interview. „Klar, manchmal ist man ausgepowert und müde, aber ich kann aus meinem Beruf auch ganz viel Energie ziehen.“ Und wenn’s der 44-jährigen Mutter doch mal zu viel wird, nimmt sie sich einfach eine kleine Auszeit. „Dann fahre ich an den See, steige auf einen Berg oder lege mich in die Badewanne. Viel und gut schlafen hilft bei mir auch prima“, lacht sie. „Nein wirklich, manchmal reicht so eine kurze Auszeit, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.“

Ein Gleichgewicht, das sie für ihren Beruf braucht. Gerade, wenn sie so einen Film wie den aktuellen dreht. Boat People ist der Titel der Abschlussarbeit, in der ein gut situiertes Pärchen auf einer Luxusyacht einen im Meer treibenden Flüchtling aufnimmt. „Ich bin froh, auch mal so ein Thema anpacken zu können. Es ist toll, an einem Projekt zu arbeiten, bei dem alle mit so viel Herzblut dabei sind.“

Da gehe es nicht um Geld oder Erfolg, sondern um Leidenschaft. Etwas, dass die Menschen vielleicht auch davor bewahren könnte, den falschen Zielen hinterherzurennen und sich irgendwann leer und ausgelaugt zu fühlen. Ronstedt: „Auch früher gab’s schon Nervenzusammenbrüche und Depressionen. Aber vielleicht stehen wir heute stärker unter Druck, weil wir ständig das Gefühl haben, uns beweisen zu müssen.“

Astrid Kistner

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