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ZDF zeigt Event-Dreiteiler "Tannbach"

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Große Gefühle am Grenzposten. © ZDF/Dusan Martincek, Lukás Zentel

München - Wo zeigt sich am besten, welche Schicksale die Zeit nach 1945 und die deutsch-deutsche Trennung mit sich brachte? Im großen Berlin? Nein!

In "Tannbach – Schicksal eines Dorfes" erzählen die Bewohner eines 200-Seelen-Dorfes an der bayerisch-thüringischen Grenze die große Historie Deutschlands aus einem ganz neuem Blickwinkel.

Für sein neues Werk , das an den Erfolg von Unsere Mütter, unsere Väter anknüpfen will, fährt das ZDF so ziemlich die stärkste Riege an Schauspielern auf, die Deutschland aktuell zu bieten hat: Heiner Lauterbach, Martina Gedeck, Nadja Uhl, Alexander Held, Natalia Wörner, Florian Brückner… Doch wie stark orientierten sich die Macher an dem reellen Vorbild – Mödlareuth? Die tz sprach dazu mit dem Historiker Robert Lebegern (50), Leiter des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth: „Die Idee, die historische Vorlage für den Film, ist fiktional. Sowohl was die Handlung angeht, als auch die Personen“, erklärt Lebegern. Weil Mödlareuth heute als Kulisse zu modern gewesen wäre, wurde auch hauptsächlich in Tschechien gedreht. Aber: Die Geschichten im Film und in Mödlareuth ähneln sich: Tatsächlich gehörte das Dorf zunächst zur amerikanischen, später zur sowjetischen Besatzungszone, bis der Tannbach und schließlich die Zäune und Mauern den Ort teilten. Wie im Film gab es Schleuser-, Schmuggler- und Liebesgeschichten – gerade nach ‘52, als auch noch der kleine Grenzverkehr verboten wurde: „Schlimm war es etwa für die Landwirte. Egal auf welcher Seite man seine Felder hatte, über Nacht war kein Übertritt mehr möglich.“ Oder die „Aktion Ungeziefer“, bei der missliebige DDR-Bürger umgesiedelt und ihre Anwesen dem Erdboden gleichgemacht wurden: „In Mödlareuth sind einige Familien davon betroffen gewesen“, berichtet Lebegern. „1961 konnten die Bewohner der Oberen Mühle gerade noch rechtzeitig durch einen Sprung durch ein Heubodenfenster auf die bayerische Seite fliehen.“

Tannbach, der Film, erzählt deutsche Geschichte anhand beispielhafter, berührender Schicksale. Wie es genau in Mödlareuth war, das erzählt Tannbach – die Dokumentation am Sonntag, 21.45 Uhr, im Anschluss an den ersten Teil des Films.

Vorbild ist der Ort Mödlareuth

Friedlich plätschert er dahin, entlang an Wiesen und Wäldern – der Tannbach. Etwa 300 Kilometer nördlich von München mündet er in die Saale. Man merkt ihm gar nicht an, welch große Rolle er einst spielte: Er teilte das Dorf Mödlareuth brutal in DDR- und BRD-Gebiet. Diese Geschichte inspirierte das ZDF – für den großen Event-Dreiteiler ­„Tannbach“.

Das sagen die Schauspieler

Nadja Uhl: „Der Film erinnert daran, wie nur wenige Meter über das Schicksal von Familien entscheiden konnten. Manche hatten Glück, andere weniger.“

Alexander Held über seine Rolle Franz Schober (Ex-NS-Parteimitglied und Verräter, bis zuletzt obenauf): „Ein Sauhund ist er. Auch heute noch ist ein nicht näher bestimmter ,Schoberismus‘ weltweit auszumachen, weil dem Sauhund halt immer wieder etwas einfällt. Sie wachsen eben nach wie die Schwammerl.“

Heiner Lauterbach: „Produktionen wie Tannbach sind sehr wichtig für das deutsche Fernsehen, da sie speziell jüngeren Menschen, die noch nie mit Kriegen konfrontiert wurden, einen Einblick verschaffen in die Grausamkeiten und verheerenden privaten Schicksale, die ein Krieg, fernab der unzähligen Toten, mit sich bringt.“

Martina Gedeck über ihre Figur Hilde Vöckler: „Sie ist ein Mensch, wie es sie in Kriegs- und Nachkriegszeiten viele gab. Sie muss von vorne anfangen, immer wieder. Sie tut das still und mit einer gewissen Wut. Sie putzt, räumt auf, ist unentwegt tätig. Gleichzeitig ist sie voll Abscheu jeglicher Art von System gegenüber.“

Jonas Nay: „Eine völlig fremde Zeit, anderes Denken sowie eine Teilung meines Vaterlandes, das für mich als 90er-Jahrgang so selbstverständlich als Ganzes zusammengehört.“

„Tannbach – Schicksal eines Dorfes“

Sonntag, Montag, Mittwoch, 20.15 Uhr, im ZDF

Andrea Stinglwagner

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