Dokureihe startet

Wie mutig ist München? RTL2 filmt mit versteckter Kamera

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Nach den fingierten Szenen ­hinterfragt Reporterin Sandra Schneiders (li.) das Verhalten der ­Passanten.

München - Besitzen Sie Zivilcourage? Haben Sie den Mut, sich ein eigenes Urteil zu bilden und es auch dann zu vertreten, wenn die Situation unangenehm ist? RTL2 hat für eine vierteilige Dokureihe München auf die Probe gestellt.

Der Sender hat in der Stadt erstaunlich viele couragierte Bürger ausgemacht. Zeit für Helden – und was machst Du? geht der Frage nach, wie Menschen reagieren, wenn vor ihren Augen etwas Unrechtes geschieht.

Wie viel Zivilcourage zeigen die Leute, wenn beispielsweise ein Obdachloser diskrimiert wird?

Ein Obdachloser hat sich mit geschenkten 20 Euro in einem Münchner Café niedergelassen. Der Kellner beschimpft ihn unflätig, will ihn des Lokals verweisen, ja, am Ende nimmt er ihm sogar das Geld weg. Die Situation ist inszeniert, die Reaktionen der Gäste dagegen sind echt. Während wenige die Diskriminierungen bewusst überhören, greifen die meisten beherzt ein und stellen den Kellner zur Rede. „Da gab es Momente, in denen ich in meinem Versteck am Bildschirm richtig Gänsehaut bekommen habe. Zum Beispiel als ein männlicher Gast aufgestanden ist und den Obdachlosen an seinen Tisch geholt hat. Es war beeindruckend, wie engagiert viele Leute aufgetreten sind“, sagt Sandra Schneiders. Die 32-Jährige dokumentiert als Reporterin die Szenen mit versteckter Kamera, um die Akteure im Anschluss zu interviewen.

Die gestellten Situationen wurden mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelt und diskutiert. Dabei geht es vor allem um verbale Diskriminierungen, um Rassismus und Vorurteile. Auf körperliche Übergriffe wurde bewusst verzichtet. „Das war auch gar nicht nötig. Auch so war genug Zunder in den Themen“, sagt Schneiders, die sich im tz-Gespräch nur an eine Szene erinnern kann, die aus dem Ruder lief. „Da haben wir zwei jüdische Mädchen in eine Bäckerei geschickt, mit der Bitte, einen religiösen Flyer auslegen zu dürfen. Unser Mann, der den Verkäufer gespielt hat, hat die beiden mit sämtlichen Vorurteilen beleidigt. Ein wütender Kunde hat dann mit seinem heißen Kaffee nach dem Bäckereiverkäufer geworfen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.“

Diejenigen aber, die schweigen und wegschauen, sollen in dem RTL2-Format nicht vorgeführt werden. „Natürlich haben wir auch die befragt, warum sie sich rausgehalten haben, aber es ging uns primär, wie der Titel der Sendung ja sagt, um die Zeit für Helden.“

Durch die Doku habe sie ihr eigenes Auftreten noch einmal kritisch hinterfragt, so Sandra Schneiders. „Klar versuche ich mich im Alltag bei ungerechten Situationen einzumischen. Das ist nicht immer leicht, aber oft reicht es schon, mit den Leuten vernünftig zu reden.“

Wenn auch Sie überprüfen wollen, wie es um Ihre Zivilcourage steht: Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet auf ihrer Internetseite einen Test, auf dem Sie Ihre eigene Haltung überprüfen können: www.bpb.de/zeitfuerhelden. Der Link wird mit Ausstrahlung der Sendung am Mittwoch um 22.10 Uhr freigeschaltet.

Astrid Kistner

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