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Hamsterkäufe bei Aldi, Lidl und Co.: Weiteres Lebensmittel droht knapp zu werden

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Aldi, Lidl, Edeka und Co. werden einige Lebensmittel wegen des Ukraine-Kriegs knapp. Viele Supermarktregale bleiben leer. 

Berlin – Nach Sonnenblumenöl, Mehl und Nudeln könnte in Deutschland ab dem Herbst ein weiteres Lebensmittel knapp werden – und zwar Senf. Fast 80 Prozent der hierzulande importierten Senfsaaten kämen aus Russland und der Ukraine. Der Ukraine-Konflikt* könnte demnach erneut einen Engpass auslösen.

Schon jetzt sei eine Rohstoffverknappung festzustellen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbandes Kulinaria, Markus Weck, der Zeitung Welt vom Montag (21.03.2022). Der Verband vertritt rund 130 Unternehmen, die unter anderem Senf herstellen und in den kommenden Wochen und Monaten mit einer verschärften Verknappung rechnen.

Senf-Import im Jahr 202038.320 Tonnen Senfkörner, davon 51,9 Prozent aus Russland, 27,6 Prozent aus der Ukraine
Senf-Produktion in Deutschland81.000 Tonnen Senf
Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland805 Gramm

Denn es wird eng für die Produktion. Stefan Durach, Präsident von Kulinaria Deutschland, rechnet mit Rohstoffengpässen und Lieferausfällen. Diese könnten allerdings nicht „ohne Weiteres aufgefangen werden“, warnt Durach.

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Die Vorräte in den Silos der Hersteller reichten je nach Unternehmen noch für einige Wochen oder Monate. Schwierig werde es dann aber in der zweiten Jahreshälfte 2022 und im ersten Halbjahr 2023. „Die Aussaat muss in den kommenden beiden Wochen passieren“, sagte Verbandschef Markus Wecke der Zeitung.

Zwar werden Senfsaaten auch regional in Deutschland angebaut. Das Volumen sei allerdings überschaubar, sagte Weck weiter. Franz Wunderlich, Inhaber des Regensburger Senfherstellers Händlmaier, bestätigte der Zeitung Welt, er arbeite zwar auch mit deutschen Landwirten zusammen, „aber die Mengen reichen bei weitem nicht aus für unsere Senfproduktion“.

In vielen Supermärkten in Deutschland sind aktuell viele Regale leer. Nun könnte neben Mehl, Sonnenblumenöl und Co. noch ein weiteres Alltags-Lebensmittel wegen des Ukraine-Kriegs knapp werden.
In vielen Supermärkten in Deutschland sind aktuell viele Regale leer. Nun könnte neben Mehl, Sonnenblumenöl und Co. noch ein weiteres Alltags-Lebensmittel wegen des Ukraine-Kriegs knapp werden. © Friso Gentsch/dpa

Lidl, Aldi, Rewe und Co.: Lebensmittelhandel warnt vor Hamsterkäufen wegen des Ukraine-Krieges

Nächstgrößter Anbieter hinter Russland und der Ukraine ist Kanada. Händlmaier sagte: „Wir haben per Luftfracht noch kurzfristig kanadische Senfkörner bekommen, allerdings zu den höchsten Preisen, die wir je für Rohware bezahlt haben.“ Mittlerweile funktioniere auch das nicht mehr. „Aktuell gibt es auf dem Weltmarkt keine Senfkörner mehr zu kaufen“, sagte Händlmaier mit Blick auf den Ukraine-Konflikt. Er stelle daher die ersten Maschinen ab: „Wir reduzieren unsere Senf-Produktion und können dadurch voraussichtlich bis August lieferfähig bleiben.“

Nach Angaben von Kulinaria wurden in Deutschland im Jahr 2020 insgesamt 38.320 Tonnen Senfkörner importiert, davon 51,9 Prozent aus Russland, 27,6 Prozent aus der Ukraine und 10,2 Prozent aus Kanada. Vier Prozent der Senfkörner stammten aus Estland und 6,4 Prozent aus sonstigen Staaten. Produziert wurden hierzulande knapp 81.000 Tonnen Senf im Wert von rund 167 Millionen Euro; der Pro-Kopf-Verbrauch lag bei 805 Gramm.

Die prekäre Lage auf dem Senfmarkt wird durch Hamsterkäufer weiter verschärft. Deshalb hat der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) bereits alle Kunden dazu aufgerufen, keine Hamsterkäufe zu tätigen. Diese seinen nicht nötig, einen Anlass gebe es nicht. Nicht direkt benötigte Lebensmittel und Einkäufe in großen Mengen würden die Verknappung von bestimmten Lebensmittel letztendlich nur künstlich herbeiführen. (AFP/red) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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