Nerviger Papierkram entfällt

Krankmeldung ab jetzt online: Das musst du zur digitalen AU wissen

Große Änderung für Arbeitnehmer: Seit dem 1. Oktober gibt es die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU).

Deutschland – Wohl jeder Arbeitnehmer kennt ihn: den „gelben Schein“, der die Arbeitsunfähigkeit attestiert. Seit dem 1. Oktober 2021 gibt es statt des klassischen gelben Scheins auch eine digitale Form der AU. Was Angestellte jetzt beachten müssen, erklärt RUHR24*.

Bundesministerium für Gesundheit Behörde
Gründung 1961
Behördenleitung Jens Spahn (CDU)
Stellung oberste Bundesbehörde

Änderung erst im Oktober und mit Übergangslösung – die eAU wird zur Hängepartie

Bereits seit Mai 2019 gilt das von Gesundheitsminister Jens Spahn vorgelegte Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). Ziel des Gesetzes sind die schnellere Termin-Vergabe beim Arzt sowie bessere Versorgung und Krankenkassenleistungen, die ab Oktober erweitert wurden. Dabei setzt das Bundesgesundheitsministerium auf Digitalisierung: Seit Januar 2021 können alle gesetzlich Versicherten eine elektronische Patientenakte (ePA) ihrer Krankenkassen erhalten.

Ursprünglich sollte die digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ebenfalls ab Januar 2021 eingeführt werden* – diesem Plan machte jedoch Corona ein Strich durch die Rechnung. Dementsprechend wurde das Vorhaben vertagt: Zum 1. Oktober ist die eAU nun endlich gestartet. Dabei sei es aber erneut zu „Verzögerungen bei Technik und Tests“ gekommen, erklärt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Man habe sich daher mit den Krankenkassen auf eine Übergangsregelung geeinigt. Praxen haben damit grundsätzlich noch das gesamte vierte Quartal Zeit, von der Papier-AU auf die eAU umzustellen. 

Konkret bedeutet das für Arbeitnehmer: Wann ihre Arztpraxis die digitale AU einführt, ist individuell unterschiedlich – spätestens aber bis Ende Dezember. Aber was ändert sich mit deren Einführung Alltag genau?

Die Online-Krankmeldung wird eingeführt – nerviger Papierkram entfällt künftig für Arbeitnehmer

Im Prinzip soll das Ganze eine Vereinfachung für die Arbeitnehmer sein. Denn diese müssen mit der Änderung die AU nicht mehr selbst zur Krankenkasse schicken. Das übernehmen jetzt – nach und nach bis Ende Dezember – die Arztpraxen.

Allerdings entfallen für Arbeitnehmer damit noch nicht gleich sämtliche der lästigen Pflichten im Krankheitsfall: Denn die Aufgabe, die AU an den Arbeitgeber zu senden, bleibt zunächst bei den Versicherten.

Wie die KBV erklärt, werde sich dieses erst zum 1. Juli 2022 ändern. Künftig sollen dann auch die Arbeitgeber die Bescheinigungen der Arbeitsunfähigkeit digital erhalten. Zuständig dafür seien dabei dann nicht die Praxen, sondern die Krankenkassen.

Die digitale AU kommt – Papierform auf Wunsch weiter möglich

Grundsätzlich wird also durch die Digitalisierung für jeden Versicherten bis Ende des Jahres der lästige Aufwand entfallen, die AU zur Krankenkasse zu schicken. Ab Juli 2022 entfällt dann auch die Pflicht, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zum Arbeitgeber zu senden. An die Stelle von drei „gelben Scheinen“ (für Krankenkasse, Arbeitgeber und Versicherte) treten digitale Lösungen*.

Für Arbeitnehmer wichtig zu wissen: Die Ärzte werden laut KBV aber weiterhin verpflichtet sein, ihren Patienten eine (vereinfachte) AU-Bescheinigung auf Papier auszudrucken. Auf ausdrücklichen Wunsch kann auch die Bescheinigung für den Arbeitgeber in Papierform ausgestellt werden.

Die AU wird digital – allerdings später als eigentlich geplant

Digitale AU – die Vorlagepflicht bei der Krankenkasse entfällt

Neben dem geringeren Aufwand gibt es mit der Änderung einen weiteren wesentlichen Vorteil für Arbeitnehmer: Die Verantwortlichkeit, dass die Bescheinigung rechtzeitig abgeschickt wird, liegt nicht mehr beim Arbeitnehmer selbst.

Insbesondere in Fällen, bei denen es um die Zahlung von Krankengeld geht, ist das eine Erleichterung. Denn bislang haben gesetzlich Versicherte die Pflicht, ihrer Krankenkasse die Krankschreibung rechtzeitig zu melden, um nicht später ihren möglichen Krankengeldanspruch zu verlieren.

Die Verbraucherzentrale rät Arbeitnehmern aber, während der Übergangszeit bis Ende 2021 unbedingt in ihren Praxen zu klären, ob sie bereits über die notwendigen technischen Voraussetzungen verfügen. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa, Hannibal Hanschke/afp; Collage: RUHR24

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