Gemüse-Dilemma

Lidl ändert Konzept nach Gurken-Schock radikal: „Plastik ist nicht immer böse“

Seit rund einem Jahr ist die Plastikgurke aus den Supermärkten verschwunden. Schien das Plastikproblem erst gelöst, bedingt die fehlende Verpackung nun ein ganz anderes Problem. 

  • Gurken verfallen ohne Plastik viel schneller
  • Supermärkte suchen nach Plastik-Alternativen
  • Ein Discounter will Gurken wieder in Plastik-Folie einschweißen

München - Immer wieder standen die in Plastik-Folie eingeschweißten Salatgurken aus den Supermärkten in der Kritik. Als Zeichen für den fehlenden behutsamen Plastikverbrauch im Zeichen des Klimaschutzes diskutieren nicht nur Supermärkte, sondern auch Umweltschützer und Endverbraucher über das eingeschweißte Gemüse. 

Seit knapp einem Jahr hat sich die unverpackte Salatgurke in den Regalen der Supermärkte durchgesetzt - ein versteckter Appell an den Verbraucher, den Plastikmüll zu reduzieren. Dabei ruft das unverpackte Gemüse nun ein ganz anderes Problem auf den Plan.

Salatgurken: Schnelleres Verfallsdatum ohne Plastik-Verpackung

Die meisten Supermärkte hatten die Plastikgurke aus ihrem Sortiment genommen und stehen nun vor einem anderem, schier unlösbarem Problem. 

Der Webseite W elt.de sagte Nico Heitmann, Business Development Manager bei Smurfit Kappa und zuständig für papierbasierte Verpackungen: „Plastik ist nicht immer böse (...) Erst wenn man sich die gesamte Kette anguckt, kann man entscheiden, was wirklich sinnvoll und nachhaltig ist.“

Denn Salatgurken verderben ohne ihre fehlende Plastik-Verpackung viel schneller. So landen unzählige Gurken im Abfalleimer, ohne jemals beim Endverbraucher anzukommen. Dieses Problem besteht besonders außerhalb der Gurken-Saison. Von Mitte Juni bis Mitte September kommt die Salatgurke in den deutschen Supermärkten meist selbst aus Deutschland. Außerhalb dieser Zeit legen sie weite Transportwege zurück und verderben bereits zwischen Spanien und Deutschland.

Von den Gurken, die den weiten Transportweg überstanden haben und in den Regalen der Supermärkte landen, seien nochmal zehn Prozent ungenießbar, heißt es. Unzählige LKW-Ladungen transportieren das unverpackte Gemüse zu Entsorgungsstellen. Der Schaden soll bei 25.000 Euro pro LKW-Ladung liegen und bildet mit den LKW-Fahrten eine weitere Belastung für die CO2-Bilanz.

„Am Ende entscheidet aber die Kombination aus unterschiedlichen Faktoren wie Vorschriften, Richtlinien, Lagerungs- und Transportbedingungen sowie das direkte Verbraucherverhalten“, so der Smurfit-Kappa-Manager Heitmann und eröffnet erneut die Diskussion um die Verpackung der Salatgurke

Übrigens: Eine weitere Verpackungs-Änderung betrifft ebenfalls die Supermärkte - in Kürze sollen die Plastiktüten an den Aldi-Kassen abgeschaffen werden

Plastikgurken: Aldi, Lidl, Rewe und Real reagieren unterschiedlich

Um dem entstehenden Schaden, der beim Wegwerfen der plastiklosen Gurken entsteht, entgegenzuwirken, führen einige Supermärkte Neuerungen für die Salatgurke ein. Discounter Lidl will fortan wieder komplett auf die in Plastik eingeschweißte Gurke setzen, wie Spiegel.de berichtet. 

Bei der Rewe-Gruppe gibt es dahingegen noch keine Einigung für die Handhabung mit dem Verfall-Problem in der Zukunft, so wird der Verbraucher weiterhin die unverpackte Salatgurke in den Rewe-Regalen vorfinden, wie es in einer Pressemitteilung des Unternehmens verkündet wurde. 

Sowohl Real und auch Aldi schließen eine Plastikverpackung weiterhin konsequent aus und wollen somit den Plastikmüll auf dieser Welt möglichst gering halten. Papierabdeckungen beim Transport sollen bei Real die Gurken vor dem Austrocknen schützen und Aldi will zukünftig die Transportwege zwischen der Ernte und der eigentlichen Ankunft im Supermarkt verkürzen, wie Aldi-Süd auf ihrem Blog veröffentlichte

Die Supermärkte haben es sich, dem Klimaschutz zur Liebe, zur Aufgabe gemacht, über abbaubare und recycelbare Alternativen für die Plastik-Verpackung nachzudenken. Unterstützung erhalten sie von Nico Heitmann, der gegenüber der Welt.de betonte, dass Nachhaltigkeit kein kurzfristiger Trend sein dürfe. 

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Auch der Fast-Food-Gigant McDonald‘s schließt sich dem Nachhaltigkeits-Trend an und will in den Filialen Maßnahmen der Plastikreduktion durchsetzen. 

Rubriklistenbild: © dpa / Wolfgang Kumm

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