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15 Antworten auf die wichtigsten Fragen, die Ihre Finanzen betreffen

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Pfandbriefe oder Aktien? Welche Geldanlage ist angesichts der internationalen Finanzkrise überhaupt noch sicher?
Pfandbriefe oder Aktien? Welche Geldanlage ist angesichts der internationalen Finanzkrise überhaupt noch sicher? © dpa

Angesichts der aktuellen Finanzkrise fragen sich immer mehr Menschen: Wie lege ich jetzt mein Geld sicher an? die tz beantwortet zusammen mit dem Geldexperten Hans Schmid vom Sparkassenverband Bayern die wichtigsten Fragen.

- Niemand weiß, ob die Finanzkrise weitergeht. Soll ich mein Geld unter die Matratze legen, um auf der sicheren Seite zu sein?

Nein. Experte Schmid: „Wer sein Geld nicht anlegt, hat in jedem Fall einen Wertverlust, weil Matratzen keine Zinsen und keinen Ausgleich für die Geldentwertung bringen. Das ist nicht empfehlenswert.“

- Soll ich mein Geld sicherheitshalber bei verschiedenen Banken anlegen?

Das ist nicht notwendig. Wenn es eine Bank ist, die im deutschen Sicherungssystem verankert ist, muss das Geld nicht gestreut werden.

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Am sichersten sind Spareinlagen

- Wie sicher sind Sparbücher und Sparbriefe?

Schmid: „Am sichersten sind Spareinlagen, die in der Bilanz einer Bank oder Sparkasse vermerkt sind. Das sind also Spareinlagen, Festgelder, Termingelder oder Sparkassenbriefe. Sie haben die höchste Sicherheitsstufe.“ Dann kommen festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Kommunalobligationen, Inhaberschuldverschreibungen. Bei Gläubigern mit anerkannter Adresse, sind bisher keine Abschläge in der Bewertung erkennbar.

- Sind festverzinsliche Papiere wirklich sicher?

„Naja, die höchste Sicherheitsstufe haben sie nicht“, weiß Hans Schmid. Im Lichte der aktuellen Finanzkrise muss man natürlich auch darauf hinweisen, dass bei diesen festverzinslichen Anlageformen ein Risiko besteht. Der Anleger vertraut darauf, dass am Ende der Laufzeit der Gläubiger in der Lage ist, das Geld zurückzuzahlen.

- Wenn ich jetzt Pfandbriefe verkaufen möchte, macht das Sinn oder soll man warten?

Pfandbriefe haben innerhalb der Anlageklasse „festverzinsliche Wertpapiere“ eine doppelte Absicherung, nämlich erstens die Bonität des Herausgebers und zweitens das dahinterstehende verpfändete Sicherungsgut. Probleme haben Pfandbriefbesitzer allerdings in letzter Zeit, wenn sie während der Laufzeit verkaufen wollten. Dann gab es mitunter erhebliche Preisabschläge

- Was mache ich, wenn ich jetzt Hypo Real Estate-Pfandbriefe habe?

Wer diese Papiere bis zur Fälligkeit hält, hat sein Geld in voller Höhe bekommen.

- Oder ist es jetzt günstig, dort Pfandbriefe zu kaufen?

Schmid: „Das hängt von der Risikobereitschaft des Anlegers ab. Man muss unterscheiden zwischen der Aktie von Hypo Real Estate, die einfach leidet, weil deren Tochter in Irland Schieflage hat, und dem Pfandbriefmarkt. Die Pfandbriefe sind durch verpfändete Werte abgeseichert. Seit es Pfandbriefe gibt, ist noch nie ein Pfandbrief-Herausgeber in Schwierigkeiten geraten. Deshalb haben wir da keine Erfahrungswerte.“

- Der DAX geht nach unten, die Aktienwerte geben nach. Soll ich mein Geld in Aktien anlegen?

Experte Schmid: „Eine Aktienanlage hängt immer von der persönlichen Risikoneigung ab. Bankaktien sind momentan mit Vorsicht zu genießen. Wer davon ausgeht, dass die Realwirtschaft nur einen kleinen Dämpfer erhält und die Rezession vielleicht vermieden werden kann, wird die ausgebombten Kurse als Kaufgelegenheit sehen. Aber wer auf Nummer sicher gehen will, und 90 Prozent der Deutschen sind sicherheitsorientiert, sollte ohnedies nur mit Geld spekulieren, dass man nicht braucht.“

Finger weg von Aktienfonds

- Gehe ich bei Aktienfonds auf Nummer sicher?

Hier ist das Risiko besser verteilt als beim Kauf von Einzelwerten, weil ein Fonds in der Regel einen ganzen Korb von Aktien umfasst. Aber auch diese Fonds haben in den letzten Monaten Verluste erlitten. Schmid: „Wer keine Verluste erleiden will, sollte davon die Finger lassen.“

- Kann man Immobilien- und Rentenfonds als Anlage empfehlen?

Rentenfonds sind vom Risiko so einzustufen wie festverzinsliche Papiere. Immobilienfonds, die breit gestreut sind wie offene Fonds, die in den europäischen Markt investieren, haben sich in der Krise gut gehalten, sind aber in den vergangenen Jahren immer wieder großen Schwankungen unterworfen. Für den absolut sicherheitsorientierten Anleger nicht zu empfehlen.

- Wie sieht es mit Zertifikaten aus? Ist das nur etwas für Spekulanten?

Bei Zertifikaten ist das so genannte Emittenten-Risiko bisher nicht so richtig beachtet worden, obwohl das in jedem Prospekt steht. Wer es hätte lesen wollen, hätte es können. Das Risiko bedeutet, dass der Anspruch nur gegenüber der herausgebenden Bank besteht. Die zugrunde liegende Konstruktion kann sinnvoll sein. Wenn aber die herausgebende Bank zum Zeitpunkt der Fälligkeit nicht mehr existiert, dass war ja bei Lehman Brothers der Fall, kann das zu einem Totalverlust führen. Man muss also genau anschauen, wer der Herausgeber ist.

- Welche Fonds sind besonders sicher?

Schmid: „Eine absolute Sicherheit gibt es nicht.“

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Gold ist eine beliebte Alternative

- Wäre Gold eine sinnvolle Anlage-Alternative?

„Ja“, sagt Schmid. Gold ist zur Zeit sehr beliebt, sowohl als physisches Gold in Form von Barren oder Münzen sowie als Zertifikate oder Goldminen-Aktien. Aber auch da sind Schwankungen vorhanden. Alleine der Silbermarkt ist in einer Woche um zehn Prozent eingebrochen. Schmid: „Keine gradlinie Entwicklung. Allerdings waren die letzten vier Jahre gut für den Goldkäufer. Wir empfehlen Gold als Teil einer Depot-Beimischung.“

Wenn ich Banken überhaupt nicht mehr vertraue: Soll ich mein Geld stattdessen in Kunstgegenständen anlegen?

Finger weg. 1. Kunst ist wie Gold ohne Zinsen. 2. Wer keine Ahnung hat, welchen Rang der Künstler hat und wie sich der Wert eines Gemäldes oder einer Skulptur entwickeln könnte, sollte die Finger davon lassen.

Sind Investitionen in Immobilien eine Alternative?

„Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Wertsteigerungen nur noch in besten Lagen zu erzielen sind,“ sagt Schmid. Grundsätzlich zweifeln inzwischen immer mehr Experten an der langfristigen Werthaltigkeit von Immobilien. Denn die Bevölkerung in Deutschland schrumpft und damit auch die Nachfrage nach Wohnraum. Vor allem in schwierigen Gebieten oder Stadtrandlagen sind Immobilien, so Schmid, zum Teil kaum verkäuflich. Schmid: „Wenn man nicht selbst in der Immobilie wohnt, ist die Investition nur in besten Lagen zu empfehlen.“

KHD

Quelle: tz

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