47,3 Grad in Sydney, -37 Grad in New Hampshire

84 Grad Temperatur-Unterschied: Ist das der Klimawandel?

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Wohin mit dem Schnee? Anwohner schaufeln Autos in Boston, Massachusetts frei.

Das Wetter auf dem Planeten spielt verrückt: Die australische Millionenmetropole Sydney hat am Sonntag den heißesten Tag seit Jahrzehnten erlebt.

München - In der westlichen Vorstadt Penrith wurde mit 47,3 Grad Celsius die höchste Temperatur seit dem Jahr 1939 gemessen. Behörden verboten das Entfachen von Feuern, ein Tennisturnier wurde unterbrochen.

Gleichzeitig wird der Nordosten der USA von einer Kältewelle heimgesucht. Auf dem 1917 Meter hohen Mount Washington in New Hampshire wurden dieser Tage minus 37,3 Grad gemessen. Im Flachland war es mit 28 Grad auch noch saukalt. Ein Blizzard bislang unbekannten Ausmaßes fegte die Schneeflocken bis ins sonst tropische Florida.

Wintereinbruch in Zentralspanien

Auch andernorts spielt das Wetter verrückt: In Zentralspanien überraschte ein Wintereinbruch am Wochenende die Autofahrer mit Schnee; das Militär befreite zwischen Madrid und Segovia Hunderte von ihnen. Hierzulande konnte man die Weihnachtsferien mit bis zu 14,5 Grad an der Isar oder am Starnberger See genießen. Nach einer Woche ist der Januar 2018 fast 6 Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Eine tiefgreifende Änderung ist nicht in Sicht. Spielt das Wetter nur mal kurz verrückt, oder sind diese Wetterkapriolen nicht mehr normal? Die tz hakte nach.

Der Klimawandel ist schon längst Realität

Ein Winter der Extreme: Erleben wir gerade den Kilmawandel live?

Gerhard Lux Diplom-Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes.

Diplom-Meteorologe Gerhard Lux: Solche Wettersituationen sind ein Stück Normalität, die eben auch zum Wetter dazugehören. Wenn wir aber auf Deutschland schauen, stellen wir fest, dass es in den letzten Jahren sehr häufig sehr milde Winter gab, einmal sogar mit 20 Grad an Heiligabend in München. Auch strenge, schneereiche Winter können ab und zu noch vorkommen, aber wenn man unter klimatologischen Gesichtspunkten zurückschaut, stellt man fest, dass die Winter in den letzten Jahrzehnten im Schnitt milder geworden sind. Strenge Minusgrade wie in den 60er oder 70er Jahren gibt es nicht mehr. Auch international betrachtet steht fest: Das Klima weltweit ändert sich. Extreme Situationen treten weltweit gehäuft auf. Da ist es sehr heiß, dort sehr kalt,  woanders regnet es sehr lange, woanders bleibt der Monsun aus. Klimatologen haben das schon seit Jahren angekündigt.

In Australien ist es so heiß wie seit 1939 nicht mehr, bedeutet das nicht, dass es schon mal so heiß war?

Lux: Dass es alles schon mal gegeben hat, ist nicht falsch. Wir sehen dennoch, dass es bei der Temperatur ganz klar eine Verschiebung nach oben gibt, es ist wärmer geworden. Es sind die Treibhausgase, die dazu führen, dass die Temperaturen im Schnitt ansteigen. Alles Übrige sind die Folgen davon. Also die Änderung der Meeresoberflächentemperatur, der globalen Wasserkreisläufe, der  Windsysteme und der Großwetterlagen.

Aber es gab auch Klimaschwankungen wie die mittelalterliche Warmzeit oder die kleine Eiszeit vom Beginn der Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert. Sind wir nun in einer Phase, die über natürliche Schwankungen hinausgeht?

Lux: Eindeutig, ja. Dieser starke weltweite kontinuierliche Temperaturanstieg ist mit normalen Schwankungen nicht mehr zu erklären. 99 Prozent aller Klimaforscher sind der Überzeugung, dass zum überwiegenden Teil die vom Menschen verursachten Klimagase dafür verantwortlich sind, die wir nach wie vor in unglaublicher Menge freisetzen.

Aber wie kommt es dann zu Kältewellen wie jetzt in den USA?

Lux: Solche Blizzards kommen dort immer wieder vor. Vor allem durch die Nord-Süd-Ausrichtung der Rocky Mountains strömt oftmals winterlich-kalte Arktis-Luft von Kanada auf direktem Weg die Ostküste südwärts. Manchmal eben auch bis Georgia oder sogar bis Florida. In Europa wirken dagegen die Alpen als Querriegel und verhindern Schlimmeres.

Video: Trump macht sich über globale Erwärmung lustig

Wie wirkt sich die Klimaerwärmung bei uns aus?

Lux: Die Berglagen unserer Mittelgebirge sind inzwischen kaum noch schneesicher. Das hat Einfluss auf den Tourismus dort. Aber auch in den Alpen wanderte die mittlere Schneefallgrenze nach oben. Der Permafrost in den Alpen verschwindet, die Nullgradgrenze ist nach oben gerutscht. Die Folge: Es gibt dort vermehrt Erdrutsche und Felsstürze. 

Und im Flachland?

Lux: Man geht bis Ende dieses Jahrhunderts von einer Mediterranisierung Deutschlands aus. Das Klima wird etwa so, wie man es knapp südlich der Alpen kennt, im Raum Oberitalien beispielsweise. Es wird aber weiterhin Unterschiede geben zwischen unseren Küstengebieten und den eher kontinental geprägten Regionen wie Bayern oder Sachsen. Man sieht jetzt schon, dass das Frühjahr eher beginnt. Die Blüte der Obstbäume ist in den letzten Jahrzehnten nach vorne gerutscht. Die Apfelbaumblüte findet nicht mehr im Mai, sondern oft schon im April statt, das heißt, bundesweit im Mittel um etwa zehn bis 14 Tage früher.

Zu warm für Januar: In Starnberg hatte am Montag +14 Grad.

Video: Glomex

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