Familiendrama

Eltern müssen Kind nach Adoption zurückgeben - „Es fühlte sich an, als wäre sie gestorben“

Sarah Chris Howell Baby Adoption
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Sarah und Chris Howells Familienglück fand nur fünf Tage nach der Adoption ihres kleinen Mädchens ein jähes Ende.

Was passiert, wenn bei einer Adoption das Kind zurückgefordert wird? Eine junge Adoptivmutter schildert ihren Horror und schickt eine erstaunliche Botschaft an die leiblichen Eltern.

Virginia - Wenn man das, was einem Paar aus Amerika passiert ist, als Achterbahn der Gefühle beschreibt, ist das noch milde ausgedrückt. 2015 durchkreuzte eine Schock-Diagnose die Familienplanung von Sarah und Chris Howell aus dem US-Staat Virginia: Sarah leidet an Endometriose. Die Ärzte gaben der jungen Frau eine einprozentige Chance, jemals auf natürlichem Wege Mutter zu werden. Drei Jahre später überschlugen sich dann die Ereignisse.

Als 2018 ein neugeborenes Mädchen zur Adoption freigegeben wurde, fanden Sarah und Chris Howell nach drei Jahren Leidenszeit doch noch ihr Familienglück. Von Dauer war der Traum jedoch nicht. Nur fünf Tage nach der Adoption wurde er zum Alptraum, als Sarah einen niederschmetternden Anruf erhielt: Die leiblichen Eltern forderten ihr Kind zurück.

Fünf Tage nach der Adoption klingelt das Telefon: „Schlimmer als alles andere“

Als das Telefon klingelte, fütterte Sarah ihre kleine Tochter gerade. „Der Schmerz, den ich an diesem Tag fühlte, war schlimmer als alles, was in den Jahren zuvor in ihrem Kampf gegen die Unfruchtbarkeit erlebt habe“, erinnert sie sich im Interview mit dem US-amerikanischen Magazin Metro. Sarah stürzte vor lauter Verzweiflung zu Boden. „Immer und immer wieder sagte ich zu meinem Mann: ‚Das ist doch wohl ein Scherz?!‘“

Doch es war kein Scherz, denn in den USA* haben leibliche Eltern nach der Geburt ihres Kindes zehn Tage lang das Recht, eine Adoption rückgängig zu machen. Die Adoptionsgesetze in Amerika sorgen immer wieder für kuriose Rechtsstreitigkeiten. Sarah und Chris Howell waren die Hände gebunden. Sie mussten ihr kleines Mädchen nach fünf Tagen im Familienhimmel zurückgeben. „Es fühlte sich an, als wäre sie gestorben, weil wir wussten, dass wir sie wahrscheinlich nie mehr wiedersehen würden.“

Eltern müssen Kind nach Adoption zurückgeben – dann passiert das Unmögliche

Die Schock-Nachricht war aber längst nicht das Ende des Dramas. Denn kurz vor der Adoption des Mädchens passierte das beinahe Unmögliche: Sarah war selbst schwanger, zum Zeitpunkt der Adoption in der achten Woche. Neben der Trauer um die verlorene Adoptivtochter hatte Sarah deshalb auch mit höllischer Angst zu kämpfen: Sie fürchtete, ihre Bestürzung könnte eine Fehlgeburt auslösen.

So weit kam es zum Glück nicht. Im Oktober 2018 brachte Sarah ein gesundes Kind zur Welt – ihren kleinen Noah. „Als ich ihn zum ersten Mal an meine Brust nahm, dankte ich Gott für dieses Wunder“, sagt Sarah heute. Es sollte nicht das einzige Kind der jungen Familie bleiben.

Nach gescheiterter Adoption: Sarah und Chris Howell finden ihr spätes Familienglück

Ein Jahr nach Noahs Geburt bekamen Sarah und Chris erneut die Chance, ein Baby zu adoptieren. Trotz der schlimmen Erfahrung aus dem Vorjahr willigen die beiden ein. Noah bekommt einen kleinen Bruder: Levi. Zum Zeitpunkt der Adoption ist er gerade mal einen Tag alt – doch diesmal verstrich die Zehn-Tage-Frist ohne Anruf der leiblichen Eltern. Abgeschlossen war die Kinderplanung der Howells da aber noch nicht: Seit Juni 2021 lebt auch ein Pflegekind bei der Familie.

Heute haben Sarah und Chris die misslungene Adoption zwar nicht vergessen, aber immerhin verdaut. Groll gegen die leiblichen Eltern „ihres“ ersten Kindes hegt Sarah nicht. Im Gegenteil: „Wenn wir es könnten, würden wir ihnen sagen, wie viel Glück ihre Tochter hat, sie als Eltern zu haben.“ Ihr kleines Mädchen wird sie trotzdem nie vergessen. „ Sie hat uns geholfen, einen Teil dessen zu heilen, was die Unfruchtbarkeit in uns zerstört hatte. Sie hat mich zur Mutter gemacht, wenn auch nur für einige Tage.“ *tz.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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