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Affenpocken: Großteil der Fälle in drei europäischen Ländern

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Von: Kai Hartwig

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Weltweit erkranken Menschen an den Affenpocken. In drei europäischen Ländern häufen sich die Fälle. Inzwischen werden bereits PCR-Tests entwickelt. Der News-Ticker.

Update vom 26. Mai, 10.13 Uhr: Die Affenpocken-Fälle in nicht-afrikanischen Ländern häufen sich. Laut Europäischem Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sind bislang zumeist Männer betroffen, die eigenen Angaben zufolge vorher Geschlechtsverkehr mit anderen Männern hatten. In diesem Zusammenhang befürchtet der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, eine Vorverurteilung homo- und bisexueller Männer.

„Panikmache und Stigmatisierung müssen unbedingt vermieden werden“, sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Lehmann sagte weiter, dass sich viele schwule Männer derzeit an den Beginn der Aids-Krise erinnert fühlen. Damals wurde „die Infektion ausschließlich schwulen Männern zugeschrieben“, so der Queer-Beauftragte der Regierung. „Das hat in der Folge dazu geführt, dass schwule Männer stigmatisiert und andere Gruppen wenig geschützt wurden.“

Lehmann ist überzeugt, dass dieses Vorgehen „zig Menschenleben gekostet“ und der Prävention geschadet habe. Zudem forderte er vom Robert Koch-Institut (RKI) und dem Bundesgesundheitsministerium, dass diese „ihre Kommunikation dahingehend sensibler gestalten“ müssten.

Affenpocken breiten sich aus: Mehr als 200 Fälle in 19 Ländern bestätigt

Update vom 26. Mai, 7.00 Uhr: EU-Gesundheitsbehörden zufolge sind mittlerweile mehr als 200 Fälle von Affenpocken außerhalb Afrikas bestätigt worden. Insgesamt 19 Länder, in denen die Krankheit normalerweise nicht vorkommt, hätten mindestens einen Fall bestätigt, erklärte das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) am Mittwochabend.

„Die meisten Fälle sind junge Männer, die sich selbst als Männer identifizieren, die Sex mit Männern haben. Es gab keine Todesfälle“, fügte die europäische Agentur mit Sitz in Stockholm hinzu.

Affenpocken: Großteil der Fälle in drei europäischen Ländern

Außerhalb der elf afrikanischen Länder, in denen diese seltene Krankheit endemisch ist, konzentrieren sich die meisten bestätigten Fälle derzeit auf drei Länder: Großbritannien (71 Fälle), Spanien (51) und Portugal (37). In Europa wurden insgesamt 191 Fälle bestätigt, dazu kommen 15 in Kanada, neun in den USA, zwei in Australien, einer je in Israel sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten. Verdachtsfälle wurden in der Bilanz nicht mitgezählt.

Am Montag hatte das ECDC in seiner ersten Risikobewertung die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit in der Allgemeinbevölkerung als „sehr gering“, bei Personen mit mehreren Sexualpartnern jedoch als „hoch“ eingestuft. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte sich optimistisch gezeigt, die Ausbreitung der Krankheit stoppen zu können.

Bei Affenpocken handelt es sich um eine weniger gefährliche Verwandte der seit etwa 40 Jahren ausgerotteten Pocken. Die Krankheit beginnt mit hohem Fieber und entwickelt sich schnell zu einem Hautausschlag mit Krustenbildung.

Affenpocken: Pharmakonzern entwickelt PCR-Tests zur Erkennung

Update vom 25. Mai, 20.50 Uhr: Im aktuellen Infektionsgeschehen rund um die Affenpocken hat der Pharmakonzern Roche nun PCR-Tests zur Erkennung des in zahlreichen Ländern festgestellten Virus entwickelt. Gemeinsam mit der Tochtergesellschaft TIB Molbiol seien drei verschiedene Lightmix-Modular-Testkits geschaffen worden, teilte Roche am Mittwochabend in Basel mit.

Das Affenpockenvirus hat sich zuletzt nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent ausgebreitet, sondern wurde etwa auch in europäischen Ländern nachgewiesen. Die neuen Testkits von Roche sollen dabei helfen, die weitere Ausbreitung des Virus zu beobachten sowie die Wirkung von Therapien, Impfstoffen und Maßnahmen zu überwachen. In den vergangenen Tagen wurden mehrere Fälle von Affenpocken mittels PCR (Polymerase-Ketten-Reaktion) in speziellen Labors nachgewiesen. Mit Testkits ist das Virus einfacher nachzuweisen

Affenpocken-Impfstoff: Keine Verknappung des Vakzins laut Hersteller

Update vom 25. Mai, 15.42 Uhr: Derzeit gibt es weltweit nur ein einziges Unternehmen, dessen Impfstoff auch als Vakzin gegen die Affenpocken zugelassen ist. Der Affenpocken-Impfstoff heißt Imvanex, er stammt vom dänischen Pharmaunternehmen Bavarian Nordic. Ein Unternehmenssprecher sagte am Mittwoch, er rechne nicht mit einer Verknappung des Vakzins aufgrund des Ausbruchs in vielen Ländern.

„Wir glauben, dass wir die weltweite Nachfrage bedienen können ohne weitere Investitionen in unsere Produktionsanlagen“, erklärte Rolf Sass Sørensen der Deutschen Presse-Agentur. Produziert wird der Affenpocken-Impfstoff von Bavarian Nordic in Dänemark. Es handelt sich dabei um einen Vektorimpfstoff, der in der deutschen Niederlassung des Unternehmens in Martinsried bei München entwickelt wurde.

Affenpocken-Impfstoff: Nur ein Hersteller hat eine Zulassung, 30 Millionen Dosen pro Jahr produzierbar

Sørensen geht davon aus, dass sein Unternehmen aktuell rund 30 Millionen Impfdosen jährlich herstellen kann. Derzeit ist der Impfstoff für Affenpocken nur in den USA (dort trägt er den Namen Jynneos) und Kanada zugelassen. Auch in der Europäischen Union sei eine Zulassung in der Planungsphase, meinte Sørensen. Im Moment darf der Impfstoff in Europa nur für die Impfung gegen die als ausgestorben geltenden Pocken verwendet werden. Großbritannien setzt das Vakzin allerdings schon „Off-Label“ ein, also ohne entsprechende Zulassung.

Unternehmenssprecher Sørensen ergänzte, man erhalte dieser Tage Anfragen „aus vielen, vielen Ländern“. Bavarian Nordic hält es für wahrscheinlich, dass weitere Anfragen bezüglich Impfstofflieferungen aus allen von dem aktuellen Ausbruch betroffenen Ländern kommen werden. Gesundheitsminister Karl Lauterbach hatte bereits erklärt, Deutschland habe vorsorglich „bis zu 40 000 Dosen“ Pockenimpfstoff bestellt.

Affenpocken in Deutschland: Hessen ermittelt Kontakte seines ersten Infizierten seit Ausbruch des Virus

Update vom 25. Mai, 14.11 Uhr: Ein erster Affenpocken-Fall in Hessen wurde am Dienstag (24. Mai) offiziell bekannt (siehe Update vom 24. Mai, 20.10 Uhr). Das Institut für medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt bestätigte diesen. Nun hat das Frankfurter Gesundheitsamt Ermittlungen zu möglichen Kontaktpersonen des Betroffenen aufgenommen. Noch sei unklar, wo genau sich der Mann angesteckt haben könnte, erklärte der Leiter des Gesundheitsamtes, Peter Tinnemann.

Zudem machte die Behörde Angaben zur Identität des mit dem Affenpocken-Virus infizierten Mannes. Der Patient sei 39 Jahre alt und komme aus Frankfurt am Main. Laut Angaben des Infizierten war dieser vor seiner Erkrankung weder gereist noch bei größeren Veranstaltungen zugegen.

Ein Warnschild, beschriftet mit dem Wort Affenpocken und Viren-Symbolen, im Hintergrund die Deutschland-Fahne
Mehrere Fälle der Affenpocken wurden auch in Deutschland registriert. © Bihlmayerfotografie/Imago

Affenpocken: Stiko-Chef Mertens erwägt Pockenimpfung für Risikogruppen - frühere Impfung bietet Schutz

Update vom 25. Mai, 13.18 Uhr: Laut Thomas Mertens, dem Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko) steht eine präventive Affenpocken-Impfung von Risikogruppen zur Debatte. „Darüber wird derzeit nachgedacht“, erklärte Mertens der Rheinischen Post. Bei dem modernen Impfstoff gegen Pocken seien keine Nebenwirkungen zu erwarten, fügte er hinzu. Dennoch holt der Stiko-Chef eine Impfung der gesamten Bevölkerung für „sehr wenig wahrscheinlich“.

Indes geht Mertens davon aus, dass ältere Menschen, die bereits gegen die klassischen Pocken geimpft wurden, dadurch zusätzlich über einen Impfschutz gegen die Affenpocken verfügen. "Ein gewisser Schutz hält wahrscheinlich lebenslang an", meinte der Impfexperte. Vollständig sei dieser Impfschutz nicht, dennoch schütze er vor schweren Erkrankungen.

Update vom 24. Mai, 20.10 Uhr: Mittlerweile gibt es auch den ersten nachgewiesenen Fall einer Infektion mit Affenpocken in Hessen. Wie das Sozialministerium in Wiesbaden mitteilte, ist das Ergebnis vom Institut für medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt bestätigt worden. Die infizierte Person sei mit entsprechenden Symptomen in die Uniklinik gekommen. Alter und Geschlecht des Patienten wurden bislang nicht kommuniziert.

Affenpocken: Zwei weitere Fälle in Bayern - Pläne für Isolation und Quarantäne

Update vom 24. Mai, 19.20 Uhr: In Bayern sind zwei weitere Fälle von Affenpocken bestätigt. Laut Gesundheitsministerium in München sind die beiden Patienten kürzlich unabhängig voneinander von einer Auslandsreise in den Freistaat zurückgekehrt. Eine der beiden Personen befinde sich in der München Klinik Schwabing. Der andere Fall wurde demnach aus dem Landkreis Ansbach gemeldet, wo sich der Betroffene nun auch in Isolation befinde.

Update vom 24. Mai, 16.03 Uhr: Um eine weitere Ausbreitung der Affenpocken zu verhindern, wollen Bund und Länder im Verbund mit den Gesundheitsämtern koordiniert vorgehen. „Wir werden gemeinsam alle Vorkehrungen treffen, um eine weitere Zunahme der Infektionen abzuwenden und den Ausbruch einzudämmen“, sagte SPD-Politikerin Petra Grimm-Benne.

„Dazu gehören auch die aktuellen Empfehlungen des Robert Koch-Institutes (RKI) zu Isolation und Quarantäne. Diese sind maßgebend für die Entscheidungen der Gesundheitsämter und sichern ein bundesweit einheitliches Vorgehen“, erklärte die Gesundheitsministerin von Sachsen-Anhalt, die derzeit Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz ist.

Gleichzeitig beruhigte sie: „Die aktuelle Situation ist keinesfalls mit der Corona-Lage vergleichbar. Aber wir haben aus der Corona-Pandemie beispielsweise mit Blick auf Strukturen und Impfstoff-Versorgung gelernt. Daher nehmen wir die aktuelle Situation trotz derzeit weniger Fälle in Deutschland ernst und müssen rechtzeitig reagieren.“

Affenpocken: WHO-Expertin Lewis ist sich sicher - „Ausbruch kann eingedämmt werden“

Update vom 24. Mai, 15.45 Uhr: Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bislang rund 250 Fälle von Affenpocken aus insgesamt 16 Ländern offiziell registriert worden. WHO-Expertin Rosamund Lewis erklärte, dass es sich dabei um Länder handelt, in denen die Viruskrankheit zuvor nicht regelmäßig gehäuft aufgetreten sei.

„Dieser Ausbruch kann eingedämmt werden“, sagte Lewis. Zwar gebe die aktuelle Häufung der Affenpocken-Fälle Anlaß zur Sorge. Das Risiko für die Öffentlichkeit bezeichnete sie aber als gering. Während in westlichen Ländern zuletzt die Zahl der Virus-Infektionen anstieg, haben afrikanische Länder weit mehr Fälle zu beklagen. Allein die Demokratischen Republik Kongo hatte 2022 laut WHO 1200 Verdachtsfälle zu verzeichnen.

Update vom 24. Mai, 15.33 Uhr: In Deutschland prüfen die Behörden, ob auch die herkömmliche Pockenimpfung Schutz vor einer Infektion mit den Affenpocken bietet. „Inwieweit eine Pockenimpfung für Kontaktpersonen und Risikogruppen empfohlen wird, ist noch Gegenstand der fachlichen Abklärung“, ließ das Bundesgesundheitsministerium den Gesundheitsausschuss des Bundestags in einer Mitteilung wissen.

Affenpocken in Deutschland: Gesundheitsminister Lauterbach empfiehlt 21 Tage lange Isolierung Infizierter

Update vom 24. Mai, 13.07 Uhr: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich nach ersten Affenpocken-Fällen in Deutschland für eine lange Isolation Infizierter ausgesprochen. Um die mögliche Ausbreitung einzudämmen, soll Patienten eine mindestens 21 Tage andauernde Quarantänezeit empfohlen werden. Das sagte Lauterbach am Dienstag (24. Mai) zum Auftakt des Deutschen Ärztetages in Bremen.

Affenpocken in Deutschland: Lauterbach will gegen Ausbreitung des Virus „schnell und hart reagieren“

Erstmeldung vom 24. Mai: Bremen - Anfang Mai wurde in Großbritannien ein erster Fall der Affenpocken nachgewiesen. Seitdem ist in Europa und Deutschland die Wachsamkeit unter Medizinern gewachsen. Inzwischen trat das Affenpocken-Virus auch in Deutschland auf, unter anderem in München und Berlin.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erklärte, dass in der Bundesrepublik nun weitere Eindämmungsmaßnahmen vorbereitet werden. In Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut (RKI) erarbeite sein Ministerium Empfehlungen bezüglich Isolation und Quarantäne, meinte der SPD-Politiker am Montag (23. Mai). Man müsse „jetzt schnell und hart reagieren, um einen globalen Ausbruch wieder einzudämmen“, bekräftigte Lauterbach.

Ein mit den Affenpocken infizierter Patient zeigt den Hautausschlag an seinen Händen.
Ein mit den Affenpocken infizierter Patient zeigt den Hautausschlag an seinen Händen. (Archivbild) © Brian W.J. Mahy/dpa

Affenpocken: Lauterbach benennt weitere Maßnahmen auf Deutschem Ärztetag

Am Dienstag (24. Mai) wird in Bremen der Deutsche Ärztetag eröffnet. Lauterbach wird zu Beginn der viertägigen Veranstaltung das weitere Vorgehen nach dem Auftreten erster Fälle von Affenpocken in mehreren Bundesländern erörtern. Um 12.15 Uhr gibt der Gesundheitsminister eine Pressekonferenz. Auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt sowie RKI-Präsident Lothar Wieler werden daran teilnehmen.

Schon jetzt sind die Gesundheitsämter nach Angaben des RKI befugt, mit den Affenpocken infizierte Menschen zu isolieren und in Quarantäne zu schicken. Weltweit wurden schon über 100 Fälle registriert. Die Affenpocken können milde Symptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Hautausschlag verursachen. Ebenso kann das Virus aber schwere Verläufe nach sich ziehen, wie die Virologin Sandra Ciesek bestätigte.

Affenpocken: Noch kein Impfstoff in Deutschland zugelassen, aber Pockenimpfung könnte Schutz bieten

Einen Impfstoff gegen Affenpocken ist in Deutschland derzeit noch nicht zugelassen. „Wer gegen die Pocken geimpft ist, hat einen guten Schutz“, meinte der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Droht nach Corona nun eine neue Pandemie? Experten schätzen die Gefahr einer starken Ausbreitung der Affenpocken als gering ein. Bislang habe es laut EU-Experten bei den meisten nachgewiesenen Fällen nur milde Krankheitssymptome gegeben. „Für die allgemeine Bevölkerung ist die Wahrscheinlichkeit der Verbreitung sehr gering“, befand Andrea Ammon, Leiterin des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), am Montag (23. Mai). (kh)  

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