Krieg

Afghanische Bürgermeisterin: Taliban kommen, „um mich zu töten“

Mit 27 Jahren ist sie die jüngste Bürgermeisterin, die Afghanistan je hatte: Zarifa Ghafari gilt seit ihrem Amtseintritt 2018, als Vorbild für viele afghanische Frauen. Jetzt bangt sie um ihr Leben.

Maidan Shahr/Kabul – Sie gilt als Vorreiterin und Vorbild für Millionen afghanischer Frauen: Mit 24 Jahren wurde Zarifa Ghafari die erste afghanische Bürgermeisterin. Drei Jahre war sie im Amt. Mit dem Einmarsch der Taliban* endete plötzlich ihr Traum.

Rund 45 Kilometer von der afghanischen Hauptstadt Kabul entfernt liegt Maidan Shahr. Zarifa Ghafari war seit dem Jahr 2018 Bürgermeisterin der 35.000-Einwohner-Stadt. Jahrelang setzte sich die junge Politikerin für Frauenrechte ein, hatte sogar ihre eigene Radioshow. Im Juni stellten ihr die Taliban schließlich ein Ultimatum: Entweder müsse sie ihr Amt räumen oder ihre Familie werde getötet. „Die Taliban haben gedroht, meine ganze Familie zu ermorden, wenn ich mich nicht aus der Öffentlichkeit zurückziehe. Ich muss meine Mutter und meine sechs Geschwister schützen“, sagte Ghafari bei einem Interview mit der Bild am Sonntag.

Afghanische Bürgermeisterin Zarifa Ghafari: Sie warte auf den Tod

„Ich warte darauf, dass sie kommen und mich holen“, sagte Ghafari bei einem Interview mit der britischen Zeitung i. Sie habe keine Hoffnung mehr und warte mit ihrem Ehemann darauf, dass die Taliban sie töten: „Ich kann meine Familie nicht alleine lassen. Und selbst wenn, wohin soll ich gehen?“

Zarifa Ghafari auf dem „International Women of Courage Award“. (Archivfoto)

Sie wisse, dass dieses Risiko zu ihrem Job dazugehört, betonte die Bürgermeisterin. Die Taliban drohten ihr mehrfach, sie zu töten. Sie überlebte mehrere Anschläge. Doch im November erwischte es ihren Vater. Seitdem ist die 27-Jährige das Oberhaupt ihrer Familie.

Zarifa Ghafari auf dem „International Women of Courage Award“. (Archivfoto)

Afghanistans Bürgermeisterin Zarifa Ghafari: Erst optimistisch, jetzt hoffnungslos

Vor drei Wochen war Ghafari noch voller Hoffnung: „Junge Leute wissen, was passiert. Sie sind auf Sozialen Medien unterwegs. Sie kommunizieren miteinander. Ich glaube, dass sie nicht aufhören für Fortschritt und Rechte zu kämpfen. Ich glaube, dass dieses Land eine Zukunft hat“. Doch inzwischen scheint dieser Wunsch in weiter Ferne gerückt zu sein. (Ares Abasi) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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