Terrormiliz IS für Anschlag verantwortlich

13 tote US-Soldaten nach Anschlag in Kabul - Präsident Biden droht mit Vergeltung: „Werden euch jagen“

Bei einem Selbstmordattentat in Kabul wurden mehrere Afghanen und Soldaten getötet. US-Präsident Joe Biden drohte den Attentätern nun mit Vergeltung.

Washington/ Kabul/ Berlin - Bei einem verheerenden Anschlag in der Nähe des Flughafens von Kabul richteten Selbstmordattentäter ein Massaker an. Dabei wurden viele Afghanen und mindestens 13 US-Soldaten getötet. Der US-Evakuierungseinsatz soll trotzdem fortgesetzt werden - zumindest noch einige Tage. Das Militär warnt bereits vor weiteren Anschlägen. Joe Biden* sprach derweil von Vergeltung.

Bei dem Anschlag am Donnerstag (26. August) sprengten sich nach US-Angaben mindestens zwei Attentäter in die Luft. Dabei wurden neben 13 US-Soldaten auch viele Afghanen getötet. Unbestätigte Medienberichte und Videos vom Tatort deuten auf Dutzende einheimische Todesopfer hin, hinzu kommen zahllose Verletzte. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, dass zudem 18 Soldaten verwundet worden seien. Die Verletzten würden in speziell ausgerüsteten Flugzeugen ausgeflogen, hieß es.

Terrormiliz „Islamischer Staat“ verantwortlich für Massaker in Kabul

Eine der Detonationen ereignete sich demnach an einem Tor zum Flughafengelände, an dem US-Soldaten im Einsatz waren. Eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz IS habe anschließend das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt. Er warnte, dass mit weiteren Anschlägen gerechnet werden müsse. „Wir tun alles, was wir können, um auf diese Angriffe vorbereitet zu sein“, sagte er. Es handle sich um eine „extrem aktive Bedrohungssituation“.

Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz IS reklamierte den Anschlag bereits für sich. Biden erklärte, die USA hätten Informationen dazu, wo sich die Drahtzieher der Anschläge aufhalten. Die USA würden auch ohne große Militäreinsätze Möglichkeiten finden, diese zur Rechenschaft zu ziehen, „wo auch immer sie sind“. Seine eindringlichen Worte an die Terroristen: „Wir werden nicht vergeben. Wir werden nicht vergessen.“

Joe Biden droht Terroristen: „Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen“

Für die US-Streitkräfte waren es die ersten Soldaten seit Februar vergangenen Jahres, die in Afghanistan gewaltsam ums Leben kamen - und die schwersten Verluste dort seit einem Jahrzehnt. Um der Opfer zu gedenken, wurden die US-Flaggen über dem Weißen Haus und an allen öffentlichen Gebäuden bis Montagabend auf halbmast gesetzt.

US-Präsident Joe Biden drohte den dafür verantwortlichen Terroristen mit Vergeltung. „Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen“, sagte er am Donnerstag im Weißen Haus. Er kündigte Einsätze des US-Militärs gegen die verantwortliche Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an - und die Fortsetzung der Evakuierungen aus Afghanistan. Die Terroristen könnten die USA nicht dazu bringen, ihre „Mission“ zu stoppen, betonte Biden mit Blick auf die verbliebenen Amerikaner im Land. „Wir werden sie finden, und wir werden sie da rausholen.“

US-Präsident Joe Biden gedenkt der Opfer des Anschlags in Afghanistan.

Explosion in Kabul: Wie geht es mit der Evakuierungsmission weiter?

Die Evakuierungsmission in Kabul wurde dennoch weitergeführt. Die US-Luftwaffe und Flugzeuge Verbündeter evakuierten am Donnerstag ab dem Vormittag bis kurz vor Mitternacht (Ortszeit Kabul) rund 7500 Menschen. Damit sei die Zahl der seit Mitte August ausgeflogenen Afghanen und westlicher Staatsbürger auf 100.100 angestiegen, erklärte ein Vertreter des Weißen Hauses.

Trotz der jüngsten Ereignisse solle die Mission aber wie geplant am Dienstag kommender Woche enden, wie Biden betonte. Damit können auch die Verbündeten ihre Staatsbürger und frühere Ortskräfte nicht mehr evakuieren. Die Bundesregierung und die USA setzen allerdings darauf, dass die Taliban auch nach dem 31. August weiter kooperieren werden, um Ausreisen zu ermöglichen. Im Gegenzug dürften sie auf gewisse Hilfen der internationalen Gemeinschaft hoffen, so die Logik. Biden erklärte: „Sie sind keine guten Kerle, die Taliban. Das meine ich überhaupt nicht. Aber sie haben ein klares Interesse.“

Die deutsche Luftwaffe flog am Donnerstag alle Bundeswehrsoldaten, Diplomaten und verbliebenen Polizisten aus dem Krisenstaat aus, wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte. Nach Angaben der Ministerin wurden 5347 Menschen aus mindestens 45 Ländern evakuiert, darunter rund 500 Deutsche und mehr als 4000 Afghanen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte anlässlich des Endes des deutschen Evakuierungseinsatzes: „Wir sind mit Hochdruck und Nachdruck dabei, eben Bedingungen auszuhandeln mit den Taliban darüber, wie weitere Ausreisen auch möglich sein werden.“ dpa

Nach Terror in Kabul: Situation in Afghanistan weiterhin gefährlich

Die Sicherheitslage am Flughafen Kabul spitzte sich zuletzt noch einmal deutlich zu. Die Bundeswehr hatte bereits
am Dienstag berichtet, dass zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter des IS in Kabul unterwegs seien. Ähnlich hatte
sich Biden geäußert. Die Terrormiliz sei auch ein „erklärter Feind“ der Taliban, erklärte er Anfang der Woche. Biden begründete unter anderem mit dieser Terrorgefahr auch sein Festhalten am Abzug der US-Truppen.

Tausende Menschen versuchen weiterhin vor der Gewalt ins Ausland zu fliehen. Seit mehr als einer Woche versammeln sie sich rund um verschiedene Eingänge des Flughafens, um auf einen Evakuierungsflug zu kommen. Unterdessen brechen immer mehr Afghanen über Land in Richtung Pakistan auf. (dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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