Chaos am Flughafen von Kabul

Afghanistan: Deutscher in Kabul angeschossen – Taliban sollen Polizeichef hingerichtet haben

Das Chaos am und um den Flughafen in Kabul hält nach der Machtübernahme der Taliban weiterhin an. Ein Deutscher wurde auf dem Weg zum Airport angeschossen.

Kabul - Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan wollen sich weiterhin Tausende Menschen in Sicherheit bringen. Chaos, Gewalt und Verzweiflung rund um den Flughafen der Hauptstadt Kabul werden angesichts wachsenden Zeitdrucks immer größer. Immer wieder gibt es Berichte über Schüsse.

Afghanistan: Chaos am Flughafen von Kabul hält weiter an

Trotz aller Gefahren hielt der Ansturm von Menschen, die auf das Flughafengelände gelangen wollen, am Freitag (20. August) bereits den fünften Tag in Folge an. Tausende Afghanen hoffen immer noch auf eine Gelegenheit, sich mit westlichen Flügen in Sicherheit zu bringen. Am Flughafen gibt es einen zivilen und einen militärischen Bereich.

Die Menschenmenge am Zugang zum militärischen Teil sei groß und unberechenbar, berichteten Reporter des US-Senders CNN. Bilder zeigten, wie US-Soldaten in die Luft schossen, damit die Leute von den Außenmauern zurückweichen. Die CNN-Reporterin Clarissa Ward sprach von einem „Überleben der Stärksten.“ Am Eingang zum zivilen Teil des Kabuler Flughafens feuerten Taliban in die Luft und schlugen mit Peitschen, um die Leute zu vertreiben. Das berichtete ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur.

Afghanistan: Deutscher auf dem Weg zum Flughafen angeschossen

In dem chaotischen Umfeld ist auch ein Deutscher angeschossen worden. Das teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Freitag in Berlin mit. Es handele sich um einen Zivilisten, der auf dem Weg zum Flughafen in Kabul gewesen sei. „Er wird medizinisch versorgt, es besteht aber keine Lebensgefahr“, erklärte Demmer. Der Deutsche werde „bald ausgeflogen“, versicherte sie weiter.

Immer wieder hört man Berichte von Deutschen, die vor Ort festsitzen und nicht wegkommen – so auch von einer Münchner Familie, die nicht auf den Flughafen in Kabul kommt. Ein Student aus Essen bittet via Instagram um Hilfe.

Schwer bewaffnete Taliban-Kämpfer patrouillieren in Afghanistans Hauptstadt Kabul.

Afghanistan: Taliban sollen Polizeichef hingerichtet haben

Viele ehemalige afghanische Regierungsvertreter und Sicherheitskräfte fürchten nach der Machtübernahme der Taliban Racheaktionen. Laut einem Bericht des lokalen TV-Senders ToloNews werden mehrere Menschen vermisst. Verwandte mehrerer Regierungsbeamter erklärten, ihre Familienmitglieder seien verschwunden oder würden vermutlich von den Islamisten festgehalten.

Seit Donnerstag (19. August) kursieren in den sozialen Medien zudem Videos, auf denen die Exekution des Polizeichefs der Provinz Badghis zu sehen sein soll. Hadschi Mohammed Achaksai nennt in einem der Videos seinen eigenen Namen. In einem zweiten Video ist der Polizeichef in gleicher Kleidung am Boden kniend zu sehen. Seine Hände und Augen sind verbunden. Wenige Sekunden später wird er mit vielen Kugeln erschossen. Ein Kommentar der Taliban zu den Vorfällen war zunächst nicht verfügbar. (ph/dpa)

Rubriklistenbild: © Rahmat Gul/dpa

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