Tierschutzorganisation Nowzad

Ex-Soldat fliegt mehr als 150 Tiere aus Afghanistan aus: Mitarbeiter bleiben zurück – Heftige Kritik

Paul Farthing, ehemaliger Soldat der Royal Marines und Gründer der Wohltätigkeitsorganisation "Nowzad Dogs" kniet neben einem Hund der eine Kappe trägt.
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Die Mitarbeitenden der Tierschutzorganisation „Nowzad“ werden gemeinsam mit den Tieren aus Afghanistan gerettet - Gründer Paul Farthing kämpfte hart dafür.

Ein britischer Soldat gründete in Kabul ein Tierheim. Tagelang kämpfte er um die Rettung der Tiere. Jetzt erlaubte die britische Regierung den Charterflug.

Update vom 31. August, 13.45 Uhr: Britischen Medienberichten zufolge ist bereits am Sonntag (29. August) ein Flugzeug mit mehr als 150 Katzen und Hunden aus Afghanistan am Londoner Flughafen Heathrow gelandet. Die Organisation Nowzad, die hinter der als „Operation Ark“ (Operation Arche) bezeichneten Aktion steht, bestätigte der BBC, dass die Tiere gemeinsam mit Gründer Paul (Pen) Farthing Kabul verlassen konnten.

Der britische Ex-Soldat Farthing hatte sich zuvor in einer tagelangen Kampagne für die Evakuierung der Tiere aus einem von ihm gegründeten Tierheim in der afghanischen Hauptstadt eingesetzt. Auch seine Mitarbeiter und deren Angehörigen wollte Farthing ausfliegen. Nach anfänglichem Zögern erhielt er Berichten zufolge die Unterstützung der britischen Regierung, die trotz der schwierigen Umstände ein Zeitfenster für seinen von Unterstützern finanzierten Charterflug zusagte und Visa ausstellte.

Afghanistan: Ex-Soldat fliegt 150 Tiere aus – Heftige Diskussionen in Großbritannien ausgelöst

Farthing dementierte dies nach seiner Rückkehr allerdings in der Daily Mail. Er habe keine Unterstützung beim Zutritt zum Flughafen erhalten. „Das habe ich mit den Taliban geregelt“, sagte er. Letztlich musste er ohne seine Mitarbeiter reisen, denen der Zugang zum Flughafen von den Taliban verweigert wurde und konnte nur die Tiere evakuieren. Diese habe er in einem Laderaum transportiert, der für Menschen nicht geeignet sei, so Farthing.

Der Fall löste in Großbritannien eine heftige Kontroverse aus. Ehemalige Afghanistan-Veteranen warfen Farthing vor, das Wohl der Tiere über das von Menschen gestellt zu haben. „Was soll ich den zurückgebliebenen Menschen sagen, wenn sie fragen, warum das Vereinigte Königreich mehr Mühe in die Rettung von Tieren gesteckt hat als in ihre Rettung? Ich habe keine Antwort. Ich schwanke zwischen Ärger und Verzweiflung“, sagte Major James Bolter der Times.

„Den Taliban geht es nicht darum, Tiere zu töten oder Menschen aus dem Westen, die sich um sie gekümmert haben. Sie wollen die töten, die mit der Nato zusammengearbeitet haben“, stellte Major Andrew Fox klar. Als „verrückt“ bezeichnete er den Fakt, dass die Tiere von Farthing statt Übersetzern und anderen Ortskräften in den Flughafen von Kabul eskortiert worden seien. Tom Tugendhat, Mitglied im britischen Unterhaus und ebenfalls Afghanistan-Veteran, berichtete dem Radiosender LBC, ein afghanischer Übersetzer habe ihn gefragt, warum sein fünfjähriges Kind weniger wert sei als ein Hund.

Afghanistan: Britischer Soldat gründete Tierheim in Kabul

Erstmeldung vom 27. August: Kabul - 2006 wurde der britische Soldat Paul „Pen“ Farthing in Afghanistan stationiert. Seine eigentliche Mission war es, Sicherheit und Stabilität in der Stadt „Now Zad“ herzustellen. Dort gründete Farthing die gleichnamige Tierschutzorganisation. Seit der Machtübernahme der Taliban kämpfte der ehemalige Soldat dafür, seine Mitarbeiter und Tiere aus Kabul retten zu können. Am Mittwoch (25. August) genehmigte die britische Regierung nun diese Rettungsmission.

Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace verkündete laut Berichten der dpa am Mittwoch auf Twitter, dass ein Charterflug für die Mitarbeiter und Tiere bereitgestellt würde. „Wenn er mit seinen Tieren kommt, werden wir einen Slot für sein Flugzeug suchen“, schrieb Wallace. Zuvor hatte es einige Diskussionen um die Rettungsaktion gegeben.

Britischer Soldat baut Tierheim in Kabul auf und gründet Tierschutzorganisation „Nowzad“

Während seiner Dienstzeit in Afghanistan baute Farthing eine Beziehung zu einem Streuner auf, der ihm gefolgt war. Wie er auf der Website seiner Tierschutzorganisation erklärt, nannte er den Hund „Nowzad“. Als der Brite aus Afghanistan abgezogen wurde, entschied er sich, seinen vierbeinigen Freund mitzunehmen. Da kam Farthing die Idee, dass sich in Afghanistan vermutlich noch mehr Soldaten mit Hunden und Katzen anfreundeten. Deshalb gründete er die Tierschutzorganisation „Nowzad“ und errichtete ein Tierheim in Kabul.

Im Laufe der Zeit versorgte die Organisation nach eigenen Angaben 1600 Tiere und vereinte sie wieder mit den Soldatinnen und Soldaten. Außerdem war die Organisation die erste im Land, die Frauen zu Tierärztinnen ausbildete. Doch durch den Abzug der Truppen und der Machtübernahme der Taliban wurden Tiere und Mitarbeiter gefährdet.

Hier wurden die Tiere im Tierheim der Organisation untergebracht. Jetzt dürfen 200 mit einem Charterflugzeug ausreisen.

Evakuierungsmission aus Kabul: Britische Regierung erlaubt Rettung der Organisation „Nowzad“

Farthing appellierte deshalb an die britische Regierung, seine Mitarbeitenden und die Tiere evakuieren zu dürfen. Wie die dpa berichtet, startete der Ex-Soldat sogar eine Social-Media-Kampagne, um mithilfe von Unterstützern aus der Heimat für seine „Operation Ark“ (Operation Arche) ein Flugzeug zu chartern.

Zunächst lehnte Verteidigungsminister Wallace die Rettungsmission ab. Noch am Dienstag (24. August) sagte er, dass man „Tieren keinen Vorrang vor verzweifelten Männern, Frauen und Kindern, die an die Tür klopfen“, einräumen werde. Dafür wurde er von Tierschützern scharf kritisiert. Doch nun folgte die Wende.

Rund 140 Hunde und 60 Katzen werden zusammen mit den Organisationsmitgliedern aus Afghanistan ausgeflogen. Bereits am Montag erteilte die Regierung den Mitarbeitern und ihren Familienmitgliedern Visa. 70 Menschen würden zusammen mit den Tieren gerettet werden. Bislang hat das Vereinte Königreich mehr als 10.200 Menschen in Sicherheit gebracht.

Nach Selbstmordattentat in Kabul: Tierschutzorganisation steckt mit 200 Tieren am Flughafen fest

Farthing selbst bat am Donnerstag die militant-islamistischen Taliban um Geleit zum Flughafen. „Mein Team und meine Tiere stecken am Umfeld des Flughafens fest. Wir haben einen Flug, der auf uns wartet. Können Sie bitte für sicheres
Geleit für unseren Konvoi in den Airport sorgen?“, schrieb er auf Twitter an Taliban-Sprecher Suhail Schahin. Aufgrund des Attentats der Terrormiliz IS am Flughafen in Kabul konnten Farthing und sein Team den Flug allerdings nicht wahrnehmen, wie der Ex-Soldat auf Twitter mitteilte.

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