Agententhriller um Heilbronner Polizistin

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Die Polizistin Michèle Kiesewetter wurde ermordet.

München - Stimmen die Darstellungen, die ein Magazin in seiner aktuellen Ausgabe ausführt, so sind sie ungeheuerlich: Demnach hat der Verfassungsschutz beim Polizistenmord in Heilbronn nicht nur tatenlos zugeschaut.

Laut des Magazins "stern" hat der Verfassungsschutz auch die ermittelnden Kollegen wissentlich im Dunkeln tappen lassen! Ausgangspunkt dieser Annahmen ist ein streng geheimes Observationsprotokoll des amerikanischen Militärgeheimdienstes Defense Intelligence Agency (DIA), das dem stern vorliegt. Demnach beobachteten am 25. April 2007 zwei Agenten der Spezialeinheit SIT Stuttgart, die sich vor allem in Süddeutschland um islamistische Bedrohungen gegen amerikanische Streitkräfte kümmert, einen Kontaktmann der terroristischen Sauerlandgruppe. Ebenfalls angeblich dabei: zwei Verfassungsschützer aus Baden-Württemberg oder Bayern. Das liest sich im Protokoll so: „2 OPS Ofc. LfV BW or Bavaria.“

Die Zielperson jedenfalls hatte in einer Bank in Heilbronn 2,3 Millionen Euro - Geld aus einem Waffendeal? - eingezahlt und war dann in Richtung Theresienwiese gegangen. Die Observation musste dort wegen eines „Zwischenfalls mit Schusswaffen“ abgebrochen werden. Der US-Agent notiert: „Schießerei, in die BW Ops Offizier mit Rechtsextremen und regulärer Polizeistreife vor Ort verwickelt waren.“

Die rechte Terrorzelle - Chronologie der Ereignisse in Bildern

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Der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter (22) und die schwere Verletzung ihres Kollegen Martin A. - bislang war man davon ausgegangen, das er allein auf das Konto der thüringer Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ging. Doch was hatte dann der beobachtete V-Mann aus Baden-Württemberg dort zu suchen? Außerdem war man davon ausgegangen, dass es beim Polizistenmord keine Zeugen gab. Hat der Beamte, wahrscheinlich ein Geheimdienstler, geschwiegen, weil, so der stern, die Erkenntnisse aus der Schießerei der Aushebung der Nazi-Zelle dienten? Oder schlimmer noch: War er am Ende gar als V-Mann selbst an der Tat beteiligt?

Fakt ist offenbar nur: Die Mordermittler der Soko „Parkplatz“ hatten von alledem keine Ahnung. Jahrelang fahndeten sie aufgrund einer falschen DNA-Spur nach dem Heilbronner Phantom, einer Packerin, die Wattestäbchen verunreinigt hatte - und erlitten so eine der größten Schlappen in der Polizeigeschichte. Bei dem durch amerikanischen DIA und Verfassungsschutz eigentlich Observierten handelte es sich übrigens um den Ludwigshafener Deutschtürken Mevlüt K. (32). Er hatte den inzwischen verurteilten Islamisten der Sauerlandgruppe Zünder besorgt. Dubios: Er soll zugleich Kontaktmann des türkischen Geheimdienstes gewesen sein und Verbindungen zum CIA unterhalten haben. Er ist längst untergetaucht.

Ist es nun Zufall oder nicht, dass sich am 25. April 2007 die Wege der Sauerlandgruppe und der Zwickauer Nazi-Zelle ausgerechnet in Heilbronn kreuzten? Vielleicht, so mutmaßt der stern, waren aber auch die Neonazis und Mevlüt K. zu einem Waffendeal verabredet und Kiesewetter und ihr Kollege gerieten versehentlich zwischen die Fronten. Kiesewetter habe an diesem Tag eigentlich frei gehabt, womit die Theorie von der „Beziehungstat“, die in letzter Zeit durch das  Bundeskriminalamt offenbart wurde, ad absurdum geführt wurde. Und warum schritten dann die verdeckten Ermittler vor Ort nicht ein, warum behielten sie ihre Erkenntnisse für sich? Fragen über Fragen, wenig Erkenntnisse. Was bleibt, ist die dumpfe Ahnung, dass hierzulande etwas gründlich falsch läuft.

K.B.

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