Aktion von tz und Unicef

Daniel Seidl in Bangladesch: Das Versprechen

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Daniel Seidl ging 1996 als Zivi nach Bangladesch. 2009 kam er als Chef der deutsch-bengalischen Handelskammer wieder.

Dhaka - Die tz hat gemeinsam mit UNICEF eine Spendenaktion für Bangladesch gestartet. Dabei hilft ihr auch Daniel Seidl, Chef der deutsch-bengalischen Handelskammer.

Die Geschichte „Ein Bayer in Bangladesch“ mag Daniel Seidl über sich nicht lesen. Er will lieber Werbung für das Land machen, erklären, warum es für deutsche Unternehmen Sinn macht, dort produzieren zu lassen (siehe Interview unten). DanielSeidl (40) ist zwar Chef der deutsch-bengalischen Handelskammer (BGCCI), aber nun mal auch Bayer, geboren in Gmund. Und deshalb interessiert es uns, was er in Bangladesch macht.

Alles fängt 1996 an. Daniel Seidl arbeitet bei der Commerzbank, bekommt von der Bundeswehr den Einberufungsbescheid. Dass er keinen Wehrdienst ableisten will, ist für ihn klar. Er informiert sich über die Dienstpflichtzeit und bewirbt sich bei Netz, einer gemeinnützigen Einrichtung, die sich für sozial gerechte und ökologisch verantwortliche Entwicklung in Bangladesch einsetzt. Das Land reizt ihn. „Ich war kurz davor in Indien. Ich fand dort etwas, was ich nicht erwartet hatte – trotz der unbeschreiblichen Armut strahlten die Menschen eine unglaubliche Lebensfreude aus. Damals entstand schon der Entschluss, sich einmal sinnvoll zu engagieren.“

Beeindruckt von der Ehrlichkeit der Leute

Der Weg führte also ins Nachbarland Bangladesch. Die Ex-Kollegen von der Bank sammelten zum Abschied. So war zumindest das Flugticket finanziert. Mehr nicht. Denn die Dienstpflichtzeit wird nur mit Kost und Logis von den Organisationen unterstützt. Der Rest muss selbst finanziert werden. Seidl lernte viel in den 18 Monaten, studierte die Mikro-Kreditsysteme von Muhammad Yunus, lernte auch Unicef- Projekte kennen. Eines davon unterstützt er bis heute: Kinder, die von ihren Eltern statt in die Arbeit zur Schule geschickt werden, bekommen einen Verdienstausfall. Für jeden Tag, den die Buben und Mädchen in der Schule lernen, werden sie genauso bezahlt, als wenn sie in die Fabrik gehen würden. So haben die Eltern einen Anreiz, die Bildung ihrer Kinder zu fördern. Damals bekamen die Fabrikbesitzer eine Geldstrafe, wenn sie die Kinder weiter beschäftigen.

Das Modell funktioniert. „Man wird hier immer wieder überrascht, was alles möglich ist.“ Und: „Wer einmal in Bangladesch war, der lernt schnell auch viele schöne Seiten kennen“, erzählt er. Die Herzlichkeit, die Offenheit und die Ehrlichkeit zum Beispiel. „Ich bin damals von unserem Büro mit der Rikscha durch Dhaka zu meiner Wohnung gefahren. Die 40-minütige Fahrt sollte 50 Thaka (50 Cent, Anm. d. Red.) kosten. Ich hatte aber nur 100. Ich sagte dem Fahrer mit einem Augenzwinkern, er solle mir den Rest bei Gelegenheit zurückgeben. Als ich am nächsten Tag die Tür aufmachte, lag ein Umschlag mit 50 Thaka da. Das waren ungefähr fünf Prozent des Monatseinkommens eines Rikschafahrers.“ Das alles beeindruckte den damals 23-Jährigen sehr.

In Bangladesch fand Seidl auch sein Liebesglück

Und dann traf er in Dhaka auch noch seine Frau. Eine junge Bengalin, die in Europa studierte, weltoffen war und gleichzeitig die Herzlichkeit ihrer Landsleute besaß. In Deutschlandheirateten die beiden, und vor zwölf Jahren gab Seidl seiner Frau das Versprechen, eines Tages in Bangladesch zu leben und den Kindern auch ihre Heimat zu zeigen. Das tun die beiden nun seit vier Jahren. Daniel Seidl arbeitete zunächst als Unternehmensberater, um sein Versprechen einzulösen. Mit einer Ein-Mann-Show für diedeutsch-bengalischeHandelskammer begann er, deutsche Firmen zu beraten, die in Bangladesch investieren oder sich niederlassen wollten. Inzwischen ist er Chef von 14 Mitarbeitern. Die Handelskammer hat 500 Mitglieder – 2009 waren’s noch 30 – und ist damit größer als die amerikanische Konkurrenz. Seidl und seine Mannschaft informieren deutsche Unternehmen und Organisationen, finanzieren und erarbeiten Studien, begleiten Markteinführungen, beraten auch deutsche Ministerien und versuchen sogar, Teile des deutschen Ausbildungssystems nach Bangladesch zu bringen. 15 Dax-Unternehmen haben inzwischen Niederlassungen, täglich kommen neue Anfragen. „Hier so viel bewegen zu können ist fantastisch. Wir stoßen Veränderungen an und erleben, wie sich dieses Land entwickelt. Und das muss es auch. Die Not ist noch immer groß.“ Zurück nach Deutschland zieht es den 40-Jährigen erst mal nicht. „Ich freue mich aber trotzdem auf jeden Besuch.“ München, die Alpen, der Schnee. Deshalb verbringen die Seidls heuer auch Weihnachten und den Jahreswechsel in der Heimat, in den Bergen.

So können Sie helfen

Mit Ihrer Spende – und sei sie auch noch so klein – unterstützen Sie die tz-Weihnachtsaktion Helft den Kindern in Bangladesch. Der Erlös geht zum Beispiel in die Slum-Schulen für Straßenkinder. Bitte geben Sie das Stichwort „Bangladesch“ an. Nach wie vor möchten wir auch den Opfern des Taifuns auf den Philippinen helfen, wenn Sie für die Kinder dort spenden möchten, notieren Sie das Stichwort „Taifun“. Bei Spenden bis 100 Euro gilt der Einzahlungsbeleg als Quittung fürs Finanzamt. Bei größeren Beträgen bekommen Sie automatisch von Unicef eine Spendenbescheinigung zugeschickt. Bitte geben Sie deshalb im Feld „Verwendungszweck“ unbedingt Namen und Adresse an. Empfänger ist Unicef. Weitere Informationen: www.tz.de/unicef

 

Die Spendenkonten

Commerzbank

Kontonummer 326 900 000

BLZ 700 800 00

 

Stadtsparkasse München

Kontonummer 263 525

BLZ 701 500 00

DORIT CASPARY

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