„Besonders absurd“

Ärger für Aldi: Bier-Angebot zur EM sorgt für Kritik - Sofortiger Stopp gefordert

Fußball-Fans bei der EM
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Kein seltener Anblick während der Fußball-EM: Fans mit einem Bier in der Hand.

Fußball und Bier - für viele gehört das zusammen. So auch der Plan einer aktuellen Aldi-Kampagne zu Fußball-EM. Doch es gibt scharfe Kritik.

Hannover - Für viele Fußballfreunde schlägt das Herz seit 11. Juni 2021 höher. Denn an diesem Tag fiel der Startschuss zur Fußball-Europameisterschaft 2021. Alles andere als erfreut ist dagegen die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mit Blick auf die Aldi-Nord-Aktionen im Zusammenhang mit der EM.

Bierdosen-Aktion bei Aldi-Nord: Scharfe Kritik von Deutscher Umwelthilfe

Denn dort werden pünktlich seit dem Anpfiff zum Sportereignis des Jahres Dutzende neue Biersorten angeboten. An sich kein Grund zur Aufregung - für viele gehört zu einem perfekten Fußball-Abend eben auch das ein oder andere Bier dazu. Kritik gibt es vielmehr, weil der Discounter zahlreiche Biersorten in Dosen verkauft und diese bekanntlich alles andere als klimafreundlich sind.

Dabei schreibt sich der Discounter neuerdings Umweltschutz auf die Fahnen und wirbt sogar mit der „Aldi-Verpackungsmission“ auf einer eigenen Webseite. Das Motto: „Vermeiden. Wiederverwenden. Recyceln.“ In der Praxis passiere dagegen das „genaue Gegenteil“, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe in einer Pressemitteilung. “Pünktlich zur Fußball-EM beweist der Discounter allerdings einmal mehr, dass ihm Profitdenken und Billigstpreise wichtiger sind als Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Die Bierdose ist ein klares Statement gegen den Klimaschutz“, so der Vorwurf.

Aldi-Angebot zur EM in der Kritik: „Besonders absurd“

„Besonders absurd“ ist für die stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz das Angebot regionaler Bierdosen. „Wo doch bekannt ist, dass regionale Mehrwegflaschen die ökologischsten Getränkeverpackungen sind. Aldi hat die Zeichen der Zeit noch immer nicht verstanden“, wirft Metz dem Unternehmen vor. „Alle bisherigen Ökobilanzen bestätigen die ökologischen Nachteile von Getränkedosen. Die Dosenherstellung verbraucht viel Energie, belastet das Klima und verursacht durch den Abbau von Bauxit die Entstehung giftiger Abfälle wie Rotschlamm. Zu einer nachhaltigen Verpackungsmission gehören keine Getränkedosen, sondern regionale Mehrwegflaschen“, wird der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer in der Pressemitteilung zietiert.

Aldi in der Kritik: Deutsche Umwelthilfe fordert Stopp der Dosenkampagne

Die Deutsche Umwelthilfe fordert deshalb den Stopp der Dosenkampagne und verlangt von Aldi die Einhaltung der im Verpackungsgesetz festgelegten Mehrwegquote von 70 Prozent. Nach Ansicht der DUH zeige die aktuelle Dosenkampagne von Aldi Nord „einmal mehr, dass weite Teile des Handels die gesetzliche Mehrwegquote ignorierten“. Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband drängt außerdem auf die „Einführung einer Lenkungsabgabe auf Einweg-Plastikflaschen und Getränkedosen von mindestens 20 Cent zusätzlich zum Pfand“. Eine „konsequente Mehrwegförderung“ müsse nach Ansicht der DUH integraler Bestandteil der Klimaschutzstrategie der kommenden Bundesregierung sein.

Aldi weist Vorwürfe zurück: „Recyclingquote von 99 Prozent“

Aldi Nord weist die Vorwürfe der DHU auf unsere Anfrage hin zurück. Es handle sich nicht um neue Biersorten oder zusätzliche Mengen, sondern um Sortimentsartikel, die lediglich im Preis gesenkt wurden. Außerdem seien es regionale Biere mit entsprechend kurzen Lieferwegen, betont Aldi Nord.

In der Stellungnahme stellt das Unternehmen die guten Recyclingmöglichkeiten von Aluminium heraus. Im Wortlaut heißt es: „Zudem erfüllen Aluminium-Getränkedosen bereits heute wichtige Anforderungen der Kreislaufwirtschaft. Aluminium kann nahezu unendlich oft recycelt werden. Getränkedosen weisen hohe Recyclingquoten von über 99 Prozent auf – sie sind daher ein Beispiel für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft“. Außerdem seien das geringe Gewicht und die Transporteigentschaften von Dosen ein weiterer Vorteil.

In Sachen Ökobilanz sieht sich Aldi mit den Bierdosen nicht als größerer Umweltsünder. „Auf der anderen Seite hat sich die Ökobilanz von Mehrweggebinden in den letzten Jahren eher verschlechtert. Durch eine immer größere Vielfalt an Individualgebinden können Mehrwegflaschen von immer weniger Abfüllern genutzt werden (komplexe Flaschensortierlogistik), was die Transportstrecken der Getränke und die damit resultierenden mehr CO2-Emissionen erhöht. Um unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern, sind wir stets darauf bedacht, die Transportwege unserer Getränke so kurz wie möglich zu halten“, so Aldi.

Aldis direkter Konkurrent Lidl hat sich zur EM einen anderen Fail geleistet. Für einen Fan-Artikel gab es reichlich Spott. Und bei Kaufland war kürzlich ebenfalls ein Angebot unter Beschuss.(va)

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