Niedrige Preise seit 1913

Aldi: Historie des Discounters, Filialen und Angebot

Die Kombo zeigt die Schilder von Aldi Süd und Aldi Nord
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Der Discounter Aldi hat sein Filialnetz in Nord und Süd aufgeteilt

Der Discounter Aldi gehört mit seinem in Nord und Süd aufgeteilten Filialnetz zu den bekanntesten Supermarktketten des Landes. Die Historie des Unternehmens reicht mehr als 100 Jahre zurück.

  • Aldi hat seine Ursprünge in einem kleinen Lebensmittelladen in Essen-Schonnebeck.
  • Das Unternehmen besteht aus zwei unabhängig voneinander agierenden Gesellschaften, Aldi Nord und Aldi Süd.
  • Beide Gesellschaften zusammen gelten als größter Discounter der Welt.

Essen / Mülheim an der Ruhr – Der „Aldi Äquator“ trennt Deutschland seit Jahrzehnten in Nord und Süd. Über die Gründe für die Aufspaltung der Gesellschaft gibt es verschiedene Vermutungen. Der Legende nach war der Verkauf von Zigaretten ausschlaggebend. Aldi ist heute mit einem weltweiten Netz von mehr als 11.000 Filialen weltweit der größte Discounter.

Aldi: Gründung und geschichtliche Hintergründe

Die Geschichte des Discounters Aldi begann am 10. April 1913: An diesem Tag eröffnete Anna Albrecht unter dem Namen ihres Mannes Karl, einem gelernten Bäckermeister, einen Lebensmittelladen in der Huestraße 87 in Essen-Schonnebeck. Drei Jahre später verlegte sie das Geschäft in das benachbarte Wohn- und Geschäftshaus Huestraße 89, das mittlerweile im Besitz der Familie Albrecht war. Dort wurden auch die beiden Söhne Karl jun. (1920) und Theo (1922) geboren – die später als „Aldi Brüder“ bekannt wurden. Die Ur-Filiale von Aldi trug den Namen Kaufhaus für Lebensmittel Karl Albrecht. Sie bestand am selben Standort bis Ende 2020.

Das Kaufhaus für Lebensmittel Karl Albrecht war ein typischer Tante-Emma-Laden mit Bedientheke und loser Ware. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen Theo und Karl jun. den elterlichen Betrieb. Sie änderten nach der Währungsreform 1948 das Geschäftskonzept grundlegend: Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Bedingungen boten sie eine Grundversorgung zu niedrigen Preisen an. Das Konzept trugen sie in nahezu alle Essener Stadtteile.

Aldi: Erste Expansionen

Die erste Filiale außerhalb Essens wurde 1954 in Duisburg ins Leben gerufen. Im selben Jahr stellten die Albrecht-Brüder auf Selbstbedienung um. Es folgten Läden in Oberhausen, Mülheim an der Ruhr, Gelsenkirchen und weiteren Standorten. Bereits ein Jahr später zählte die damals als Albrecht KG agierende Gesellschaft 100 Geschäfte in Nordrhein-Westfalen. Die erste Filiale unter dem Namen Aldi eröffnete 1962 in Dortmund.

Aldi: Die Trennung von Nord und Süd

Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits zwei getrennte Unternehmen. Die Albrecht-Brüder teilten die Gesellschaft 1961 in zwei unabhängig voneinander agierende Konglomerate auf. Theo Albrecht leitete fortan die nördlichen Filialen, Karl Albrecht die südlichen. Bereits einige Jahre vorher trennten sie Verwaltungen und Regionallager auf. Der „Aldi Äquator“ verläuft quer durch Hessen und Nordrhein-Westfalen. So ist in Essen, der Heimatstadt des Discounters, Aldi Nord vertreten, während man in der Nachbargemeinde Mülheim an der Ruhr bei Aldi Süd einkauft. In den beiden Städten befinden sich zudem die Hauptsitze der jeweiligen Unternehmen.

Über die Gründe der Trennung in Nord und Süd gibt es unterschiedliche Vermutungen. Eine lautet, die Brüder hätten sich über den Verkauf von Zigaretten nicht einig werden können. Während Theo dafür war, sprach sich Karl dagegen aus. So gehören Rauchwaren von Beginn an zum Sortiment von Aldi Nord, bei Aldi Süd gibt es sie erst seit 2003.

Andere vermuten, es sei der unterschiedliche Führungsstil gewesen, der die Brüder geschäftlich auseinanderbrachte. Theo war demnach eher dafür, Verantwortung zu delegieren, Karl bevorzugte einen kontrollierenden Führungsstil.

Aldi Nord und Süd: Die strategischen Unterschiede

Die Aufspaltung von Aldi hatte grundlegende Auswirkungen auf das Angebot, die Ausrichtung, die Ladenflächen und die Strategie. Der als sparsam geltende Theo Albrecht verzichtete lange Zeit auf die Modernisierung der Filialen und hielt am ursprünglichen Discounter-Konzept fest. Die Geschäfte von Aldi Süd unter der Leitung von Karl Albrecht wurden dagegen regelmäßig und mit hohem Aufwand modernisiert, die Warengruppen erweitert.

Aldi: Vom Tante-Emma-Laden zum Discounter

Anfang der 1960er-Jahre änderte sich die Lebensmittelbranche grundlegend. Die Tante-Emma-Läden von Aldi verloren zunehmend Kunden an Supermärkte wie Edeka und Rewe mit ihrem Selbstbedienungskonzept. Zunächst experimentierten die Brüder in rund 30 Filialen mit dem Vertriebstyp Supermarkt. Sie boten größere Verkaufsflächen und eine Ausweitung des Sortiments auf Frischwaren wie Obst und Gemüse, Milchprodukte, Fleisch und Wurst, konnten jedoch nicht mit dem Angebot der Konkurrenz mithalten.

Eine grundlegende Änderung der Vertriebsstrategie sollte den Durchbruch bringen. Die Albrecht-Brüder entwickelten die Idee des Lebensmittel-Discounters und benannten Ihre Läden in Aldi um, kurz für Albrecht Discount um.

Aldi: Das Discounter-Konzept

Aldi verzichtete auf ein breites Sortiment sowie leicht verderbliche Waren, bot die Ware direkt aus den Versandkartons an, die auf Holzpaletten statt in Regalen lagerten. Das Kassenpersonal hatte die Preise im Kopf, entsprechende Etiketten gab es nicht. Stattdessen hingen die Preise auf einem Schild über der Ware. Auch kostspielige Werbung, die damals üblichen Rabattmarken und Dekoration fand man bei Aldi nicht.

Das konsequente Weglassen brachte Aldi schnell finanzielle Vorteile gegenüber den Mitbewerbern, die sie an die Kunden weitergaben. Die beiden Unternehmen stellten ihre Märkte sukzessive auf das neue Konzept um, das gut ankam: Die Umsatzleistung pro Mitarbeiter war um ein Vielfaches höher als bei den ehemaligen Albrecht-Märkten.

Aldi: Umgestaltung und Neuausrichtung

Die Grundidee des Discounters wurde von verschiedenen Unternehmen übernommen, darunter von Dieter Schwarz, der 1978 Lidl nach einem ähnlichen Prinzip ausrichtete. Dies hatte einen großen Konkurrenzdruck zur Folge – zumal auch die klassischen Supermärkte vermehrt günstige Eigenmarken verkauften.

Als Reaktion wandelte Aldi ab 2016 seine Filialen grundlegend um. Das betraf die Marktgestaltung und das Sortiment. Den Anfang machte Aldi Süd. Das Unternehmen wandte sich von dem Konzept des Verkaufs aus dem Karton ab und wechselte zu einer Warenpräsentation aus dem Regal. Weitere Neuerungen waren:

  • ein neues Beleuchtungskonzept
  • Selbstbedienungs-Brottheken
  • Ausweitung des Backwarenangebots
  • loses Obst und Gemüse
  • Kaffeeautomaten, teilweise mit Sitzgelegenheiten im Aus- und Eingangsbereich
  • Kundentoiletten

Aldi Nord zog nach und modernisierte bis Ende 2019 2.250 Filialen in Deutschland sowie rund 2.400 im europäischen Ausland.

Aldi: Weltweite Expansion

Mit dem Kauf der österreichischen Unternehmensgruppe Hofer durch Aldi Süd begann 1968 die Internationalisierung von Aldi. Da es in Österreich bereits den Adel Lebensmittel Diskont gab und dieser die Namensrechte an Aldi innehatte, blieb es bei der Firmierung. Das Sortiment wurde auf das von Aldi Süd umgestellt. In den folgenden Jahren expandierte Aldi in weitere europäische Länder. Heute ist der Discounter weltweit vertreten in:

  • Australien
  • Belgien
  • China
  • Dänemark
  • Frankreich
  • Großbritannien
  • Irland
  • Italien
  • Luxemburg
  • Niederlande
  • Polen
  • Portugal
  • Slowenien
  • Spanien
  • Schweiz
  • Ungarn
  • USA

Aldi: Das Sortiment im Überblick

Vom klassischen Discounter mit einem abgespeckten Warenangebot hat sich Aldi im Laufe seiner Geschichte zu einem Vollsortimenter entwickelt. Die folgenden Produktgruppen bieten Aldi Nord und Süd an:

  • Obst und Gemüse
  • Fleisch und Wurstwaren
  • Käse und Milchprodukte
  • Brotaufstriche
  • Trockenwaren (Nudeln, Reis)
  • alkoholfreie und alkoholische Getränke
  • Babyprodukte
  • Back- und Kochzutaten
  • Backwaren
  • Eis
  • Desserts
  • Fertiggerichte und Eintöpfe
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Haushalts- und Reinigungsmittel
  • Kaffee, Tee und Kakao
  • Cerealien
  • Snacks und Süßwaren
  • Tiernahrung
  • Blumen
  • Gutscheinkarten
  • Batterien

Zum ständigen Sortiment kommen wechselnde Angebote, in der Regel montags und donnerstags. Zu diesen gehören etwa Elektronik- und Haushaltsgeräte, Dekoration für Haus und Garten, Bekleidung, Wäsche und Bettwaren. Im jeweils aktuellen Prospekt findet man die wöchentlichen Sonderartikel sowie einen Überblick über reduzierte Preise der regulären Produkte.

Aldi: Die Eigenmarken

Sowohl Aldi Nord als auch Aldi Süd haben zu rund 90 Prozent Eigenmarken im Portfolio. Seit 2020 führen beide Unternehmen ihre Marken sukzessive zusammen. Die wichtigsten sind die folgenden:

  • Almare (Fisch und Meeresfrüchte)
  • Biscotto (Gebäck)
  • Chateau (Schokolade)
  • Choceur (Schokolade)
  • Conifrucht Marmelinchen (Konfitüren und Marmeladen)
  • Conradl (Gebäck)
  • Eskimo (Speiseeis)
  • Fair (Fairtrade-Produkte)
  • Feurich (Snacks)
  • Fishfinesse (Fischgerichte)
  • Fjördens (Fisch-Delikatessen)
  • Gletscherkrone (Cerealien)
  • Goldähren (Brot und Backwaren)
  • Golden Seafood (Meeresfrüchte)
  • Gourmets Fruit de Mer (Meeresfrüchte)
  • Gut Bio (Biowaren)
  • Gut Drei Eichen (Wurstwaren)
  • Güldenhof (Geflügelwurst)
  • Hofburger (Käse)
  • Jack‘s Farm (Geflügelfleisch)
  • Landbeck (Wurstwaren)
  • Le Gusto (Gewürze)
  • Mama Mancini (Pastagerichte)
  • Mamia (Windeln)
  • Markus (Kaffee)
  • Meierkamp (Desserts)
  • Milsa+ (Milchprodukte)
  • Milsana ((Milchprodukte)
  • Moreno (Kaffee)
  • Moser Roth (Schokolade)
  • Mucci (Speiseeis)
  • Nordholmer (Fischprodukte)
  • Nusskati (Nuss-Nugat-Creme)
  • Ofterdinger (Salate)
  • Pottkieker (Eintöpfe)
  • Pure Fruit (Konservenobst)
  • Quellbrunn (Mineralwasser)
  • rio d‘oro (Säfte)
  • River (Softdrinks)
  • Rolffes (Wurstwaren)
  • Rookhus (Räucherfisch)
  • Satessa (Hygieneprodukte)
  • Schovit (Kakao)
  • Sölde (Fleisch- und Wurstwaren)
  • Sonniger (Säfte)
  • Sontner (Joghurt)
  • Tamara (Konfitüren)
  • Tandil (Haushaltsmittel)
  • Ursi (Desserts)
  • Wellissa (Softdrinks)
  • Wiesgart (Softdrinks)
  • Westminster (Tee)

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