1. tz
  2. Welt

Alexander Solschenizyn ist tot

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Alexander Solschenizyn starb im Alter von 89 Jahren.
Alexander Solschenizyn starb im Alter von 89 Jahren. © dpa

Moskau - Die moralische Stimme Russlands ist tot. Der Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn, Rufer in der Wüste der stalinistischen Unterdrückung, ist 89-jährig in Moskau an einem Herzversagen gestorben.

Als Solschenizyns Hauptwerk gilt Archipel Gulag (1973), in dem er mit Tausenden von Beispielen den stalinistischen Terror in der Sowjetunion darstellt. Diesen Terror hatte Solschenizyn in neun Jahren Straflager und Verbannung selbst zu spüren bekommen und bereits 1962 in seinem ersten Werk Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch geschildert. Als ihm 1970 der Nobelpreis verliehen wurde, verweigerte ihm das Sowjet-Regime aber die Ausreise zur Preisübergabe. Nach der Veröffentlichung Archipel Gulag wurde Solschenizyn verhaftet und ausgewiesen. Zunächst nahm ihn Heinrich Böll in Köln auf.

Solschenizyn siedelte schließlich in die USA über und kehrte 1994 nach Russland zurück. Dort kritisierte er fehlgeleitete Reformen und den Mangel an Demokratie unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin. Als Mahner für ein Russland auf der Grundlage von Gemeinsinn und orthodoxem Glauben, aber auch als entschiedener Kritiker der Auswüchse des Kapitalismus fand Solschenizyn jedoch immer weniger Gehör. Wiederholt forderte Solschenizyn, Russland dürfe die westliche Demokratie „nicht ohne Verstand nachäffen“, sondern müsse sich mehr um das „moralische Wohlergehen“ des eigenen Volkes kümmern.

Bei der Verleihung des Staatspreises, der höchsten Auszeichnung Russlands, im Juni 2007 war der frühere Regimekritiker schwer vom Alter gezeichnet. Seine Dankesrede ließ er im Kreml über eine Videobotschaft einspielen. Später zeigte das Staatsfernsehen, wie der damalige Präsident Putin den im Rollstuhl sitzenden Solschenizyn besuchte. Zu Sowjetzeiten hatte der Schriftsteller eine Ehrung durch das System stets abgelehnt.

Solschenizyn ist seit seinen letzten Schriften zur Geschichte des Judentums in Russland und der früheren Sowjetunion umstritten, weil er russischen Juden eine Mitschuld an der kommunistischen Diktatur gegeben hatte. Auch seine Stellungnahme für die Herrschaft von Präsident Putin und dessen rigorose Tschetschenien-Politik hatten ihn in den letzten Jahren immer mehr ins Abseits gedrängt.

Quelle: tz

Auch interessant

Kommentare