Bedeutung und Geschichte

Allerheiligen: Der Feiertag und seine Bedeutung

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An Allerheiligen gehen viele zu den Gräbern auf den Friedhöfen.

Am 1. November, ist Allerheiligen. In Bayern und anderen Bundesländern ist an dem katholischen Feiertag arbeitsfrei. Hier finden Sie alle Informationen zu Allerheiligen.

München - Brennende Kerzen auf den Gräbern, ein Besuch auf dem Friedhof, Gräbersegnungen, Totengedenken und Tanzverbot: Morgen, am 1. November, ist wieder Allerheiligen. In manchen Bundesländern ein Feiertag, in anderen nicht. Auch im Hinblick auf das Tanzverbot gibt es an Allerheiligen Unterschiede zwischen den Ländern. Viele freuen sich über einen freien Tag, kennen aber die Bedeutung des Festes Allerheiligen nicht. "Irgendwas mit Toten und Gräbern oder so..." Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen? Hier finden Sie alle Informationen rund um den Feiertag Allerheiligen.

Welche Bedeutung hat der Feiertag Allerheiligen?

Allerheiligen ist ein sehr alter katholischer Feiertag. Wie der Name schon belegt, ist Allerheiligen keinem einzelnen Heiligen gewidmet, sondern deren Gesamtheit - also allen Heiligen. Weil 365 Tage eines Kalenderjahres nicht ausreichen, um allen verehrten Menschen einen Gedenktag im Heiligenkalender zu gewähren, feiert die katholische Kirche Allerheiligen als allgemeinen Gedenktag. Zur Verdeutlichung: Allein während des Pontifikats von Papst Johannes Paul II. wurden 482 Personen heiliggesprochen. Insgesamt kennt die katholische Kirche knapp 7.000 Heilige und Selige (die Vorstufe einer Heiligsprechung)

Da es an Allerheiligen um ein Fest der katholischen Kirche geht, lohnt sich an dieser Stelle, einmal festzuhalten, wie deren frühere Nummer Eins, sprich: Papst Benedikt XVI. den Feiertag definierte: An Allerheiligen 2006 erklärte der mittlerweile zurückgetretene Papst: "Am Fest Allerheiligen blicken wir voll Dankbarkeit auf die große Schar der Gläubigen, die schon im Himmel an der Herrlichkeit Gottes Anteil haben. Wir alle sind berufen, auf dem Weg der Seligpreisungen Christus nachzufolgen, der uns in die ewige Heimat führen will. Dabei helfen uns die Heiligen durch ihr Vorbild und mit ihrer Fürsprache."

Allerheiligen ist ein hoher Feiertag der katholischen Kirche. Das Bild zeigt eine betende Statue auf einem Friedhof in Bayern.

Was sind eigentlich Heilige, derer die Katholiken an Allerheiligen gedenken? Wie Papst Benedikt XVI. schon betonte, handelt es sich zunächst einmal um Menschen, die definitiv bei Gott im Himmel angekommen sind. Als Belege dienen Wunder, die Gott auf Fürsprache der Heiligen gewirkt hat. Dazu zählen etwa Heilungen, die nach dem "Stand der Wissenschaft" nicht erklärbar sind. Um dies zu belegen, zieht die Kirche - auch nichtgläubige - Wissenschaftler zu Rate. Märtyrer, also Menschen, die für ihren Glauben sogar den Tod in Kauf genommen haben, können auch ohne Wunder selig- und später heiliggesprochen werden. Jeder Gläubige darf einen Seligen oder Heiligen verehren (nicht anbeten - das ist Gott alleine vorbehalten) und um seine Fürbitte bei Gott bitten. Wichtig für den Status als Seliger und Heiliger ist in jedem Fall ein vorbildlich christlicher Lebenswandel (der übrigens nicht frei von Sünden sein muss). Heilige und Selige sollen für alle Christen Vorbilder im Glauben sein. Benedikts Nachfolger, Papst Franziskus, hat übrigens bei seinem ersten Allerheiligen-Fest 2013 betont, dass wirklich jeder Christ zum Heiligen werden kann. Und auch gleich skizziert, wie man das am besten anstellt: "Niemals hassen, sondern den anderen, den Bedürftigsten dienen; beten und in der Freude leben; das ist der Weg der Heiligkeit!" 

Allerheiligen gilt als eines der Hochfeste der katholischen Kirche. Also als einer der Höhepunkte im Kirchenjahr zu denen unter anderem auch Weihnachten, die Tagen der Karwoche bis zum Ostersonntag, Christi Himmelfahrt oder Pfingsten gehören. Auch an Allerheiligen gibt es in der Kirche eine besonders feierliche Liturgie im Gottesdienst. Wie an Ostern, Weihnachten und bei der Verehrung der Gottesmutter Maria tragen die Geistlichen weiße Gewänder. Diese liturgische Farbe verdeutlicht die Reinheit und Freude des Festes Allerheiligen.

Seit wann gibt es das Fest Allerheiligen?

Die Ursprünge von Allerheiligen gehen bis ins 4. Jahrhundert zurück - also noch bis ins römische Reich. Zunächst wurde Allerheiligen am Sonntag nach Pfingsten gefeiert, wodurch sein Zusammenhang mit dem Auferstehungsfest Ostern deutlich werden sollte. Im 8. Jahrhundert wurde der Feiertag von Papst Gregor III. für die Stadt Rom auf den 1. November verlegt. An diesem Tag weihte er eine Kapelle in der Basilika St. Peter allen Heiligen. Das Fest verbreitete sich zunehmend in der ganzen Westkirche. Papst Gregor IV. legte 835 Allerheiligen dann für die gesamte Westkirche auf den 1. November fest. Erst im Jahr 1475 bestimmte Papst Sixtus IV. Allerheiligen zum gebotenen Festtag für die ganze Kirche.

Was hat Allerheiligen mit Halloween zu tun?

Halloween ist ein Gruselfest, das aus dem amerikanischen Raum nach Deutschland gekommen ist und sich seit Jahren zunehmender Popularität erfreut. Das belegen die vielen Halloween-Partys und Kürbisse die auch bei uns am 31. Oktober auftauchen, der Nacht vor Allerheiligen. Dieser Zusammenhang ist nicht ganz zufällig. Wie schon erwähnt legten die Päpste Gregor III. und Gregor IV. das Fest Allerheiligen auf den 1. November. Da katholische Feiertage immer schon am Vorabend beginnen, wurde auf den Vorabend eine Vigil (die erste Gebetszeit eines liturgischen Tages, die schon am Vorabend stattfindet) festgelegt. Der Vorabend von Allerheiligen heißt auf englisch "All Hallows Eve". Daraus wurde später das Wort "Halloween". In der Forschung wird diskutiert, ob die Päpste damit heidnische Totenfeiern, die am 31. Oktober früher stattfanden, christianisieren wollten. So wurde das christliche Heiligen- und Totengedenken auf den 1. und 2. November gelegt.

Keltisch-heidnische Volksbräuche fanden so Eingang in den Abend und in der Nacht vor dem Hochfest Allerheiligen. Diese Bräuche waren wohl vor allem im katholischen Irland verbreitet. Irischen Einwanderer brachten ihre Bräuche später mit in die USA und bauten sie aus.

Die katholische Kirche in den USA bemüht sich übrigens verstärkt darum, den christlichen Zusammenhang zwischen Allerheiligen und Halloween herauszustellen. 

Wo ist Allerheiligen ein Feiertag?

Allerheiligen ist in diesen vorwiegend katholisch geprägten Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag:

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Nordrhein-Westfalen (NRW)
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland

Außerdem ist Allerheiligen in Österreich, Liechtenstein, Luxemburg und in den katholisch geprägten Kantonen der Schweiz ein Feiertag.

Warum gibt es an Allerheiligen ein Tanzverbot?

Beim Tanzverbot an Allerheiligen gehen die Meinungen auseinander. Für einige ist es ein Ärgernis, dass ausgerechnet am Feiertag, wenn man länger ausschlafen kann, nicht bis in die frühen Morgenstunden gefeiert werden darf. Für andere gehört das Tanzverbot zur Pietät des Totengedenkens. Zunächst ist dieses Tanzverbot gesetzlich geregelt: im sogenannten Gesetz über den Schutz der Sinn- und Feiertage - auch Feiertagsgesetz genannt. Dieses Verbot ist ländergeregelt, was bedeutet, dass je nach Bundesland bestimmte Feiertage betroffen sind. Dabei handelt es sich um sogenannte Stille Tage.

Welche Tage in den jeweiligen Bundesländern als Stille Tage gelten, haben wir in einem eigenen Artikel für Sie zusammengefasst (siehe Link im ersten Absatz). In Berlin etwa gilt an Allerheiligen gar kein Tanzverbot. In den katholisch geprägten Ländern Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland hingegen schon (allerdings mit unterschiedlichen Zeiten).  

Das bayerische Innenministerium erläutert Sinn und Ausmaß des Feiertagsgesetzes: "An stillen Tagen sind öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen verboten, die nicht dem ernsten Charakter dieser Tage entsprechen. Sportveranstaltungen sind jedoch erlaubt, ausgenommen am Karfreitag und am Buß- und Bettag."

Neben Allerheiligen gelten in Bayern diese Tage als Stille Tage:

  • Aschermittwoch
  • Gründonnerstag
  • Karfreitag (Am Karfreitag ist jede Art von Musikdarbietung in Räumen mit Schankbetrieb ausnahmslos verboten)
  • Karsamstag
  • Volkstrauertag
  • Totensonntag
  • Buß- und Bettag
  • 24. Dezember - Heiliger Abend

In Bayern geht bei der Halloween-Party spätestens um 2 Uhr in der Nacht die Musik aus. Der Grund: Das Tanzverbot in der Nacht zum Feiertag Allerheiligen am 1. November. Bis 2012 galt in Bayern das Tanzverbot bereits ab Mitternacht. Erst für Allerheiligen im Jahr 2013 wurde die Regelung im Freistaat gelockert.

Allerheiligen und Allerseelen: Was ist der Unterschied

Am Tag nach Allerheiligen, am 2. November, begehen Katholiken das Fest Allerseelen. Es wurde im Jähr 998 von Abt Odilo von Cluny ausgerufen. Zunächst galt es nur für die Verstorbenen der ihm unterstellten Klöster, später wurde es für die ganze Kirche erweitert. Gebete, Fürbitten und Eucharistie an Allerseelen sollen dazu beitragen, dass die Toten im Fegefeuer Vollendung in Gott finden.

Fegefeuer? Huiuiui! Wer nun denkt, dass es sich beim Fegefeuer um die Hölle handelt, wo die Verdammten (wie in Dantes "Göttlicher Komödie" aus dem Mittelalter) in den Flammen leiden: Falsch! Das Fegefeuer ist kein Ort der Verdammten und der (freiwillig gewählten) Trennung von Gott - in den Dante gleich mal den halben verkommenen Klerus seiner Zeit verfrachtete.

Hinter dem Begriff Fegefeuer steht das lateinische Wort "Purgatorium", das früher etwas unglücklich mit Fegefeuer übersetzt wurde und eigentlich einen Läuterungszustand meint. Denn: Gemäß kirchlicher Lehre und biblischer Offenbarung kann nur jemand vor Gott treten (sprich: in den Himmel kommen), der frei von Sünde ist. Das gilt für sehr tugendhafte Menschen oder Menschen, die vor dem Tod die Beichte abgelegt und aufgrund ihrer Reue die Absolution erhalten haben. Wer in Frieden mit Gott und den Menschen stirbt, aber noch Läuterung braucht, bevor er in den Himmel kommt (keine Bange, derjenige ist ja schon auf dem Weg dorthin), muss zunächst ins Fegefeuer. In modernen Worten definiert es "Youcat", der Jugendkatechismus der katholischen Kirche: "So ein Fegefeuer erwartet vermutlich die meisten im Moment unseres Todes: Der Herr blickt uns voll Liebe an - und wir empfinden brennende Scham und schmerzliche Reue über unser böses oder auch ’nur’ liebloses Verhalten. Erst nach diesem reinigenden Schmerz werden wir fähig sein, seinem liebenden Blick in ungetrübter himmlischer Freude zu begegnen." Heißt: der Verstorbene wird im Feuer der Liebe Gottes gereinigt.

Und jetzt kommt's: Alle Gläubigen können den Verstorbenen in der Läuterungsphase helfen, unterstützen und begleiten. Und zwar durch gute Werke, Gebete und heilige Messen. So können sie sogar direkt aus dem Fegefeuer in die Liebe und Gegenwart Gottes kommen. Das kann man natürlich das ganze Jahr über machen. Aber an Allerseelen steht das Gedenken an die Verstorbenen im Fegefeuer im Mittelpunkt. So werden an diesem Tag die Friedhöfe mit hunderten "Allerseelenlichtern" auf den Gräbern erleuchtet - als Symbol für das ewige Licht, das den Toten leuchtet.

Dass Allerseelen auf Allerheiligen folgt, ist natürlich kein Zufall: Die Kirche sieht beide Feiertage als Doppelfest vor. An Allerheiligen, wird der Heiligen gedacht, die schon definitiv im Himmel sind und an Allerseelen derjenigen, die auf dem Weg dorthin sind (den die Gläubigen abkürzen können). Dass die Familien sich zum Totengedenken hauptsächlich an Allerheiligen an den Gräbern ihrer Verstorbenen Treffen, liegt daran, dass Allerseelen heute kein Feiertag mehr ist. Deswegen laufen die Zeitungsanzeigen von Floristen und für Trauerfiguren aus dem Baumarkt vornehmlich unter dem Schlagwort Allerheiligen.

Feiern evangelische Christen auch Allerheiligen?

Evangelischerseits findet sich mit dem Totensonntag bzw. Ewigkeitssonntag ein Tag, an dem der Toten gedacht wird. Dieser wird jedes Jahr mit Abschluss des Kirchenjahres vor dem ersten Sonntag im Advent begangen. Zwar wird Allerheiligen seitens der evangelischen Christenheit nicht als offizieller Feiertag zelebriert, was mit einer anderen Sicht auf die Anrufung von bereits verstorbenen Gläubigen begründet wird. Doch kann - bspw. auf der Grundlage von Confessio Augustuna oder ihrer Apologie (jeweils der 21. Artikel) - auch für protestantische Christen legitim und plausibel von einer Heiligenverehrung gesprochen werden: Bereits verstorbene Christinnen und Christen sind dabei aufgrund ihrer Glaubens- und Lebensgeschichte Anlass zum Dank an Gott für sein Handeln in ihrem Leben sowie Ermutigung und Trost für das eigene Glaubensleben heute. Zudem kommt ihnen eine wichtige Vorbildfunktion zu, weshalb auch evangelischerseits bspw. Johannis-, Michaelistag, Apostelfeste, u.a. gefeiert werden können.

fro

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