1. tz
  2. Welt

Amazon in Leipzig: Arbeitnehmer verstirbt vor Ort – Unternehmen schirmt Leichnam lediglich ab

Erstellt:

Von: Anna Lorenz

Kommentare

Erschütternde Nachrichten aus dem Leipziger Amazonstandort wurden nun publik. Im August 2022 soll dort ein Mitarbeiter verstorben sein – eine Arbeitseinstellung für andere Mitarbeiter gab es aber offenbar nicht.

Leipzig – Am Leipziger Standort des Versandhändlers Amazon kam es am 15. August diesen Jahres zu einem Todesfall. Zwar starb der Mitarbeiter an gesundheitlichen Problemen, ein Arbeitsunfall lag nicht vor. Dennoch befand sich in dem Gebäude mit einem Schlag die Leiche eines Kollegen. Die Mitarbeiter allerdings sollten trotz des Vorfalls weiter ihrer Arbeit nachgehen.

Amazon: Mitarbeiter stirbt während seiner Schicht – Händler schirmt Leiche lediglich ab

Das Geschehen, über das die Plattform correctiv.lokal berichtet, soll sich am frühen Nachmittag des besagten Tages ereignet haben. Laut Angaben des Stern seien Ärzte, Polizeibeamte und Bestatter vor Ort gewesen. Wie Amazon auf Anfrage des Senders RTL mitgeteilt haben soll, war der Ort, an dem die Leiche lag, „ohnehin von höheren Regalen, Fördertechnik und einer Wand von Blicken abgeschirmt“ gewesen. Des Weiteren habe man „in Windeseile weitere Sichtbarrieren herbeigeschafft“, sowie „Arbeitsstationen gesperrt“, um die Mitarbeiter von dem Geschehenen abzuschirmen.

Weitergearbeitet wurde demzufolge allerdings trotzdem am Leipziger Standort. So habe ein Mitarbeiter correctiv.lokal berichtet, dass Amazon in dem Tod des Kollegen offenbar keinen Grund gesehen hatte, den Betrieb am 15. August frühzeitig einzustellen. Diese Entscheidung ist für die Angestellten schwer nachvollziehbar. „Wäre ich an ihrer Stelle gewesen“, so wird ein Mitarbeiter zitiert, „hätte ich den Schichtbetrieb sofort eingestellt.“ Immer wieder stehen die Arbeitsbedingungen bei Amazon in der Kritik; aktuell ruft Ver.di zum Streik auf.

Trotz verstorbenem Kollegen? Mitarbeiter üben Kritik an Amazon-Entscheidung

Amazon selbst hat sich laut des Sterns bereits zu den Vorkommnissen geäußert und zugegeben, dass der Umgang mit der Situation in der „kurzen Reaktionszeit“ der eigenen Einschätzung nach „leider nicht optimal gelungen“ sei. So seien einige Mitarbeiter, die gerade zur Arbeit eintrafen, nicht rechtzeitig in einen anderen Bereich versetzt worden. „Das hätten wir im Nachhinein anders gemacht“, so der Versandriese, der sein Prime-Angebot ab September 2022 verteuert hat.

Allerdings habe man „psychologisches Personal“ zur Verfügung gestellt, um den Mitarbeitern Möglichkeit zu geben, ihre Eindrücke zu verarbeiten. Des Weiteren sei es laut Amazon Angestellten „dieser und der folgenden Schichten freigestellt“ worden, die Arbeitsstätte ohne Lohneinbuße an diesem Nachmittag zu verlassen. Correctiv.lokal hingegen berichtet, dass dieses Angebot bei den von der Plattform interviewten Mitarbeitern nicht eingegangen sei.

Auch interessant

Kommentare