Seltenes Albino-Baby gefangen

Angels trauriges Schicksal

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Der Albino-Delfin mit seiner Familie. Vermutlich hat er allein das Schlachten überlebt.

Taiji - In der Bucht im japanischen Walfangort Taiji hat das Töten von Delfinen gestoppt. Angel hat dieses überlebt - doch auch das kleine Albino hat ein trauriges Schicksal.

Am Dienstag färbte sich die Bucht im japanischen Taiji wieder rot – blutrot: Dutzende Delfine wurden bei der jährlichen Jagd abgeschlachtet. Damit die Welt vom großen Hauen und Stechen nicht zu viel sieht, hatten die Jäger Planen über die Bucht gespannt, berichteten Tierschützer. In einem nahen Hafen werden die Delfine zerlegt und verkauft. Dabei essen viele Japaner kein Wal- und Delfinfleisch!

Tags zuvor waren die Meeressäuger zusammengetrieben worden. Mehr als 50 Delfine wurden aussortiert, sie werden an Vergnügungsparks und Delfinarien verkauft. Unter ihnen ist ein kleiner Albino. Die Schutzorganisation SaveJapansDolphins taufte ihn „Angel“, weil er aufgrund seiner Farbe an einen kleinen Engel mit Flossen erinnert.

Angel ist ein Großer Tümmler und vermutlich zwei Jahre alt. „In diesem Alter werden Delfine zwar seit einigen Monaten nicht mehr gesäugt, bleiben aber noch Jahre bei der Mutter, um von ihr zu lernen“, erklärt Astrid Fuchs, Kampagnenleiterin von der Wal- und Delfinschutzorganisation WDC Deutschland der tz. „Das Junge braucht den Kontakt zu seiner Familie, in der ein großer Zusammenhalt herrscht.“ Delfine sind Herdentiere. Angel ist nun auf einen Schlag seiner kompletten Sozialkontakte beraubt, die gesamte Familie ist entweder tot oder gefangen. Auf der Webseite von Sea Shepherd schreibt Gründer Paul Watson: „Die Mutter wurde zuletzt zwischen schreienden, verwundeten und verängstigten Delfinen in einer Bucht voller Blut gesichtet, als sie ihren Kopf aus dem Wasser hielt, um Ausschau zu halten.“

Jetzt, so vermutet Fuchs, ist Angel im Whale Museum von Taiji – „nichts anderes als ein Delfinarium und ein Umschlagplatz für den Handel.“ Angel ist aufgrund seiner seltenen Färbung für die Fänger wertvoll: Bis zu 150 000 Dollar können sie für das Baby verlangen. Normale Delfine kosten bis 80 000 Dollar. Angels Zukunft ist ungewiss: Diese Tiere sind äußerst intelligent und hochsensibel. Gut möglich, dass Angel in Gefangenschaft nicht fressen wird. Auch eine Interaktion mit anderen Tieren ist nicht leicht, denn Delfine sprechen innerhalb ihrer Verbände eigene Dialekte.

Japan begründet das alljährliche Schlachten mit einer jahrhundertelangen Tradition. Dem widerspricht Sandra Altherr von ProWildlife. Der tz sagte sie: „Die erste Treibjagd im großen Stil in Taiji fand 1969 statt.“ Fakt ist: Die Fischer haben die Erlaubnis in der aktuellen Saison 20 000 Delfine und kleinere Wale abzuschlachten.

Sus/KB

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