Angst vor Ebola wächst

Richtiger Umgang mit Schutzkleidung entscheidend

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Die spanische Krankenschwester hat sich vermutlich beim Ausziehen ihres Anzuges infiziert. In Deutschland müssen Mitarbeiter erst durch eine Desinfektionsdusche.

München - Die Angst vor einer weiteren Ebola-Ausbreitung wächst. Die Ansteckung der spanischen Krankenschwester macht erneut deutlich, wie wichtig der korrekte Umgang mit der Schutzkleidung ist.

Gut ein halbes Jahr nach der ersten Ebola-Diagnose in Westafrika ist in der Nacht zum Dienstag in Deutschland der erste Patient an der Seuche gestorben. Der 56-jährige UN-Mitarbeiter aus dem Sudan hatte sich in Liberia infiziert und wurde in der Sonderisolierstation für Infektiologie und Tropenmedizin im Leipziger Klinikum St. Georg behandelt.

Der Umgang mit seiner Leiche folgte einem vom Robert-Koch-Institut festgelegten Verfahren. Der Leichnam wurde in der Nacht zu Mittwoch in einem Krematorium eingeäschert. Zuvor wurden die sterblichen Überreste des Opfers desinfiziert, in eine flüssigkeitsdichte Plastikhülle gelegt und in einem speziell präparierten Sarg aufbewahrt werden. 

Angst vor Ebola wächst

Die Angst der Deutschen vor einem Ausbruch der Krankheit wächst: 58 Prozent fürchten sich vor einer Verbreitung des Keims, so das Ergebnis einer Umfrage der Central Krankenversicherung GmbH. 45 Prozent glauben nicht, dass unser Gesundheitssystem auf einen Ausbruch der Seuche gut vorbereitet ist. Im Robert-Koch-Institut (RKI) bleibt man gelassen: Deutschland verfüge über 50 Betten in Quarantäne-Stationen – in Berlin, München, Hamburg, Düsseldorf, Leipzig und Stuttgart. Das Szenario, dass mehr als diese Zahl von hochansteckenden Kranken behandelt werden müssten, halten die obersten Gesundheitswächter für „sehr unwahrscheinlich“.

Lebenswichtig: Korrekter Umgang mit Schutzkleidung

Die Ebola-Seuche hat bisher mindestens 4024 Todesopfer gefordert – zwei in Spanien, eines in den USA und nun auch eines in Deutschland. Alle anderen starben in Westafrika. Experten glauben weiter nicht, dass sich das Virus in Europa ausbreitet. Eine Gefahr stelle für Ärzte und Pfleger allerdings der falsche Umgang mit der Schutzausrüstung dar, wie der Fall einer Krankenschwester zeige, die sich in Madrid bei der Pflege eines erkrankten Missionars ansteckte. In Dallas/US-Bundesstaat Texas gibt es einen ähnlichen Fall. Eine relativ hohe Zahl an Infektionen angesichts der wenigen Ebola-Kranken außerhalb von Afrika!

So hat sich die spanische Krankenschwester angesteckt

Die spanische Krankenschwester soll sich beim Ausziehen des Anzuges mit dem Handschuh übers Gesicht gefahren und sich so infiziert haben, wie die Ärzte Zeitung berichtet. „Das darf nicht passieren. Da muss eine Kamera dabei sein oder jemand der zuschaut, oder ein anderer zieht den Schutzanzug aus“, wird Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik beim Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg zitiert. In Deutschland hätte die Infizierung auf diesem Wege nicht stattfinden können: u. a., weil die Mitarbeiter vor dem Ausziehen des Anzuges durch eine Desinfektionsdusche müssen.

Viel wichtiger ist nach Ansicht deutscher Virologen, dass der Virus sich in Westafrika nicht weiter ausbreitet. Gerade nach der Ermordung von Helfern in Guinea traue sich kaum mehr jemand in die betroffenen Gebiete. Margaret Chan, Chefin der Weltgesundheitsbehörde WHO, sieht Ebola in Westafrika als „schwersten öffentlichen Gesundheitsnotfall in modernen Zeiten“.

Münchner Isolierstation gewappnet

Die Sonderisolierstation im Schwabinger Krankenhaus, die einzige Abteilung dieser Art in ganz Bayern, ist auf das Auftreten des Ebola-Virus vorbereitet. Wöchentlich proben die Mitarbeiter den Ernstfall. Das Fachpersonal betritt die Abteilung durch drei Schleusen, innerhalb derer Ärzte und Pfleger die Schutzkleidung vorbereiten und anziehen können. Im Patientenzimmer dahinter herrscht stets Unterdruck – dadurch und durch einen Filter der Klimaanlage auf dem Dach wird verhindert, dass Keime nach draußen gelangen. Maximal drei Patienten können hier umsorgt werden. Die Mitarbeiter tragen dazu einen Isolieranzug aus säurefestem Kunststoff, der nach dem Gebrauch verbrannt wird. Während des Einsatzes wird durch zwei Filter keimfreie Luft ins Anzuginnere gepumpt. Zum Outfit gehören außerdem je zwei Paar Handschuhe, das obere wird mit Klebeband am Anzug befestigt. Auf den Kopf kommt ein Schutzhelm, so wird ein Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Kranken verhindert.

Ebola: Darum ist die Krankheit so gefährlich

tz

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