„Asterix bei den Pikten“

Eine Cervisia aufs beste Gallier-Abenteuer seit 1980

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Was man in schottischen Gewässern eben so antrifft: Szene aus dem neuen Asterix-Band, der heute erscheint.

Die Asterix-Hefte der vergangenen 30 Jahre waren etwa so lustig wie eine Vergiftung mit Gebraucht-Makrelen von Fischhändler Verleihnix. Doch mit dem neuen Band gibt es auch neue Hoffnung für die Fans.

Und nach „Gallien in Gefahr“ aus dem Jahr 2005, mit seinem Angriff aus dem Weltall, war klar: Schlimmer kann es nicht mehr werden, beim Teutates! Denn mit nationalistischen Untertönen gegen die japanische Manga-Kultur war der Band ein wahrer Schandfleck. Doch nun gibt es gute Nachrichten für alle Fans: Die Gallier sind zurück! Am Donnerstag erscheint „Asterix bei den Pikten“, das erste Heft der neuen Autoren Didier Conrad (Zeichnungen) und Jean-Yves Ferri (Texte), der Nachfolger von Asterix-Schöpfer Albert Uderzo. Und es ist das beste Gallier-Abenteuer seit dem „Großen Graben“ 1980. Darauf eine Cervisia!

Schon beim ersten Bild des Heftes jubelt der Asterix-Kenner: Der skurrile Humor des 1977 verstorbenen Texters René Goscinny ist endlich zurück. Es herrscht tiefer Winter im wohlbekannten kleinen Dorf, die Gallier frieren, und Verleihnix preist „Garantiert frische Fische“ an. Ganz rechts im Bild knurrt sein Spezialfreund und Dorfschmied Automatix: „Frisch? Ist ja auch kein Kunststück bei dem Wetter!“ Es ist diese liebevolle Bösartigkeit, die Albert Uderzo, als Zeichner brillant, als Geschichtenerzähler überfordert, im Alleingang nach Goscinnys Tod nie erreicht hat.

Reiseabenteuer in bester Asterix-Tradition

Was folgt, ist ein Reiseabenteuer in bester Asterix-Tradition – naturgemäß nicht ganz so brillant wie die „Briten“ oder die „Schweizer“, aber wer will das auch erwarten? Ein großes Vergnügen ist das Heft allemal, die Reise zu den Pikten, einem keltischen Schotten-Völkchen. Denn darum geht es: Das Meer vor dem Dorf schwemmt in einer Art Eis-Hinkelstein den eingefrorenen Pikten Mac Aphon an. Nach dem Auftauen wird klar: Seine Verlobte Camilla wurde mit einer fiesen Römer-Intrige verschleppt, der Mann braucht Hilfe. Auf nach Schottland!

Jean-Yves Ferri hat in seiner Geschichte alles versammelt, was einen guten Asterix ausmacht: hübsche Eifersüchteleien im Dorf, einen bescheuerten römischen Volkszähler als Running Gag, aktuelle Anspielungen zu Feminismus und Asylpolitik und dankbare römische Opfer wie Zenturio Habdenblus. Die Schotten spielen Dudelsack, süffeln viel Malzwasser, später als Whisky bekannt, und das Ungeheuer von Loch Ness taucht auch auf. Die spinnen, die Pikten!

Mit 86 Jahren, und von Arthrose geplagt, hat Uderzo endlich den Pinsel aus der Hand gelegt. Vorangegangen war ein Familienkrieg, der an die schönsten Schlachten im gallischen Dorf erinnert. Der Zeichner verkaufte die Asterix-Rechte an den französischen Großverlag Hachette – inklusive der Erlaubnis, künftig neue Geschichten auf den Markt zu bringen.

Tochter Sylvie Uderzo kämpfte gegen ihren alten Herrn, gegen den Millionen-Deal, gegen die „Feinde von Asterix, die Männer der Industrie und der Finanzwelt“. Doch der greise Künstler setzte sich durch, der Scheck vom Verlag half sicherlich: „Mir wurde klar, dass ich selbst gar nicht das Recht hatte, das Ende von Asterix zu verfügen.“ Seine Nachfolger hat er selbst bestimmt, beide sind erfahrene Comic-Autoren. Didier Conrad (54) zeichnete den Lucky-Luke-Ableger „Lucky Kid“ und die Marsupilami-Reihe „Marsu Kids“. Das Pikten-Abenteuer hat er brillant illustriert. Unterschiede zu Uderzo, der ihm bei der Arbeit über die Schulter schaute, sind allenfalls mit der Lupe zu erkennen.

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Der wahre neue Dorf-Papa ist aber Texter Ferri, 1959 im Südosten Frankreichs geboren, genau wie Asterix. Auf Deutsch gibt es von ihm die Serie „Die Rückkehr aufs Land“. Kauzige Figuren aus der Provinz sind sein Faible – beste Voraussetzungen also. Seine ironischen Dialoge sorgten immer wieder für Vergleiche mit Goscinny. „Ich habe mich an die Asterix-Bände gehalten, die ich am besten fand“, nahm sich Ferri vor – und schafft mit den Pikten einen exzellenten Neubeginn. Ein weiterer Band soll in Arbeit sein. Cäsar, den Piraten und den Römerlagern von Babaorum bis Kleinbonum drohen wieder harte Zeiten.

Jörg Heinrich

„Asterix bei den Pikten“

von Didier Conrad (Zeichnungen) und Jean-Yves Ferri (Text). Aus dem Französischen von Klaus Jöken. Ehapa-Verlag, Berlin, 48 Seiten; 6,50 Euro (Softcover); 12 Euro (Hardcover).

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