Impfstoffe sorgen für Unruhe

EMA prüft wegen Todesfall auch Impfstoff von Johnson & Johnson - Auch Astrazeneca erneut in den Schlagzeilen

Nach Fällen von Hirnthrombosen bei Astrazeneca prüft die EMA jetzt auch das Vakzin Johnson & Johnson auf Zusammenhänge mit Blutgerinnseln. Es gab offenbar einen Todesfall.

  • Die EMA prüft nach mehren Thrombosefällen in den USA jetzt auch Johnson & Johnson genauer. (siehe Update vom 9. April, 15.03 Uhr)
  • Die EMA empfahl am Mittwoch die uneingeschränkte Nutzung des Astrazeneca-Impfstoffs (siehe Update vom 7. April, 16.05 Uhr).
  • Die Stiko bleibt bei ihrer Empfehlung für das Astrazeneca-Vakzine (siehe Update vom 8. April, 9.40 Uhr).
  • Virologe Streeck äußerte sich kritisch in Bezug auf die Empfehlung Einmal-Geimpften als Zweitimpfung Moderna oder Biontech anzubieten (siehe Update vom 8. April, 12.55 Uhr)
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 9. April, 20.37 Uhr: In Deutschland sind bislang 42 Verdachtsfälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca bekannt. Das berichtete das Paul-Ehrlich-Institut am Freitagabend. Die 42 Fälle der speziellen Form sehr seltener Hirnvenenthrombosen seien bis zum 2. April gemeldet worden, in 23 Fällen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) registriert worden.

Mit Ausnahme von sieben Fällen seien Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren betroffen gewesen. Allerdings seien Frauen nach den Angaben des Robert Koch-Instituts auch häufiger als Männer mit dem Produkt geimpft worden. Die Männer seien 24 bis 58 Jahre alt gewesen. Acht Betroffene starben, fünf Frauen und drei Männer, wie das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Institut in Langen berichtete. Für Frauen zwischen 20 und 59 Jahren seien deutlich mehr Fälle beobachtet worden, als erwartbar gewesen sei. Inzwischen wird der Impfstoff in Deutschland in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren verwendet.

Sieben Fälle einer Sinusvenenthrombose wurden den Angaben zufolge nach Impfung mit dem Biontech-Impfstoff gemeldet, drei Frauen im Alter von 34 bis 81 Jahren und vier Männer im Alter von 81 bis 86 Jahren seien betroffen gewesen. In keinem Fall wurde eine Thrombozytopenie berichtet. Die Zahl der gemeldeten Fälle sei jedoch unter Berücksichtigung der verimpften Dosen im Vergleich zur gewöhnlich erwarteten Zahl dieser Thrombosen nicht erhöht.

Bis zum 2. April seien in Deutschland insgesamt rund 14,38 Millionen Impfungen durchgeführt worden. Dem Institut wurden 407 Todesfälle „in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung“ gemeldet bei Menschen im Alter zwischen 24 und 102 Jahren. Der Abstand habe zwischen weniger als einer Stunde und 40 Tagen betragen. Bei der überwiegenden Mehrzahl hätten zum Teil multiple Vorerkrankungen bestanden, die vermutlich todesursächlich gewesen seien. In einzelnen Verdachtsfällen seien weitere Informationen angefordert worden.

Astrazeneca: EMA prüft wegen Todesfall jetzt auch Impfstoff von Johnson & Johnson - 

Update vom 9. April, 16.17 Uhr: Die EU-Arzneimittelbehörde untersucht einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Corona-Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca und dem Kapillarlecksyndrom. Es gehe um fünf Fälle der auch als Clarkson-Syndrom bekannten Gefäßerkrankung. Bei dem nur sehr selten auftretenden Leiden ist die Durchlässigkeit der Kapillargefäße zu hoch, sodass Plasma austritt und es zu Ödemen und einem Abfall des Blutdrucks kommt.

Erst am Mittwoch (7. April) hatte sich die EU-Behörde mit einem möglichen Zusammenhang zwischen der Astrazeneca-Impfung und dutzenden, teilweise auch tödlichen, Fällen von Thrombosen befasst. Sie kam zu dem Schluss, dass der Nutzen der Impfung das Risiko überwiegt und empfahl lediglich, Blutgerinnsel künftig als „sehr seltene Nebenwirkung“ des Impfstoffs aufzuführen. In Deutschland wurde der Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs grundsätzlich auf Menschen ab 60 Jahren eingeschränkt.

Corona-Impfung: EMA prüft wegen Todesfall jetzt auch bei Johnson & Johnson Zusammenhang mit Blutgerinnseln

Update vom 9. April, 15.03 Uhr: Nachdem es bei Astrazeneca mehrere Thrombose-Fälle nach Impfungen gegeben hatte, prüft die EU-Agentur EMA nun auch einen Zusammenhang zwischen dem Impfstoff von Johnson & Johnson und Blutgerinnseln.

Grund sind Berichte über vier Thrombosefälle nach einer Impfung mit dem Vakzin des US-Herstellers Johnson & Johnson. Wie die EMA am Freitag mitteilte, wurden drei Thrombosefälle in den USA gemeldet und ein weiterer im Rahmen einer klinischen Studie an einem nicht näher genannten Ort. Einer der Fälle verlief demnach tödlich.

Die Behörde betonte, dass ein Zusammenhang mit dem Impfstoff des US-Herstellers noch nicht festgestellt worden sei. Die Häufigkeit gemeldeter Zwischenfälle mit Blutgerinnseln im Gehirn treten nach EMA-Angaben mit ungefähr 1 je 100 000 auf. Die EMA gab weiter uneingeschränkt grünes Licht für eine Verwendung. Der Nutzen des Wirkstoffes sei höher zu bewerten als die Risiken, erklärte die Arzneimittelbehörde.

In Deutschland wird der Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson übrigens noch nicht verimpft. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums hat die Bundesrepublik allerdings zehn Millionen Dosen bestellt. Sie werden im nun laufenden Quartal erwartet.

In Deutschland wird bis dato nur mit Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca immunisiert. Bis 9. April haben in Deutschland 11.453.405 Menschen mindestens eine Spritze erhalten. Mit 11.453.405 Impfungen nimmt Biontech/Pfizer den größten Anteil ein, Astrazeneca wurde bei 3.412.673 Menschen verwendet, Moderna bei 669.335.

Astrazeneca: Stiko hat Rat für Einmal-Geimpfte - doch Streeck äußert sich kritisch

Update vom 8. April, 12.55 Uhr: Die Diskussionen um den Astrazeneca-Impfstoff, der kürzlich in „Vaxzevria“ umbenannt wurde, reißen nicht ab. Nach der Empfehlung der Stiko sollen in Deutschland nur noch Menschen über 60 Jahren mit Astrazeneca geimpft werden. Weiter empfiehlt die Stiko, Menschen, die bereits eine Erstimpfung mit dem Impfstoff erhalten haben, eine Zweitimpfung mit Biontech oder Moderna anzubieten. Virologe Hendrik Streeck überrascht diese Empfehlung.

„Da sind die klinischen Studien noch nicht gelaufen. Ich hielte es für notwendig, sich an die Regeln zu halten und abzuwarten, ob die Studien erfolgreich sind“, sagte der Virologe gegenüber die Fuldaer Zeitung. Er hält es aber für eine „nachvollziehbare“ Entscheidung, Astrazeneca bei Menschen unter 60 Jahren nicht mehr zu impfen - auch wenn der Impfstoff an sich gut und sicher sei.

Astrazeneca: Stiko hat Rat für Einmal-Geimpfte - und erklärt Empfehlung für Ü60-Jährige

Update vom 8. April, 9.40 Uhr: Nach der positiven Stellungnahme der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) zum Astrazeneca-Impfstoff hat sich nun die Ständige Impfkommission (Stiko) dazu geäußert. Diese bleibt bei ihrer Empfehlung, das Vakzin weiterhin nur bei Menschen über 60 Jahren einzusetzen.

Die EMA bewerte auf Grundlage der Frage, was für die gesamte Bevölkerung der EU von Vorteil sei, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin. In Deutschland sei die Situation etwas anders, denn Deutschland sei nicht so abhängig von Astrazeneca. „Wir können Impfstoffe verschieben“, sagte Mertens. Damit werde derselbe Effekt erzielt, aber das Risiko für schwere Nebenwirkungen wie Hirnvenenthrombosen in einer bestimmten Altersgruppe deutlich reduziert.

Des Weiteren empfiehlt die Stiko Jüngeren, die bereits eine Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen haben, auch weiter eine Zweitimpfung mit dem Vakzin von Biontech oder Moderna. „Viele glauben, dass dann zwei Impfstoffe im Körper um die Wette arbeiten, aber das ist nicht so“, sagte Mertens. Vielmehr sei der eigentliche Impfstoff schnell aus dem Körper verschwunden. "Was bleibt, ist die Immunantwort."

Noch sei die Datenlage zu schlecht, um eine Empfehlung dazu abgeben zu können, ob der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung verlängert werden sollte, so Mertens. Dieses Vorgehen empfiehlt unter anderem der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der sich am Mittwoch mit Astrazeneca impfen ließ (siehe Update vom 7. April, 22.48 Uhr). Sein Argument ist, dass dies schneller mehr Menschen eine erste Impfung ermöglichen würde.

Astrazeneca: Montgomery spricht sich für Wahlrecht bei Corona-Impfstoff aus

Update vom 8. April, 7.09 Uhr: Wie geht es mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca in Deutschland weiter? Unklar ist, ob die Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) vom Mittwoch (siehe Update vom 7. April, 16.05 Uhr) Folgen haben wird. Deutschland hat den Einsatz des Impfstoffs auf Personen über 60 Jahre eingeschränkt.

Montgomery: Menschen sollten den Corona-Impfstoff auswählen können

„Die Diskussion um den Astrazeneca Impfstoff reißt nicht ab. Da ist es gut, dass die EMA klare Kante zeigt“, sagte Weltärzte-Chef Frank Ulrich Montgomery der Düsseldorfer Rheinischen Post. Noch fehle zwar die wissenschaftliche Evidenz, der Impfstoff sei aber aller Wahrscheinlichkeit nach für die seltenen Hirnvenenthrombosen vor allem bei Frauen unter 60 Jahren verantwortlich.

Das Risiko der Impfung sei aber deutlich geringer als das Risiko einer Covid-19-Erkrankung, betonte Montgomery. „Wir müssen jetzt noch mehr auf Biontech, Moderna und Johnson&Johnson setzen. Und man muss den Menschen so bald wie möglich ein Wahlrecht für den Impfstoff einräumen.“

Astrazeneca-Impfstoff: EMA empfiehlt uneingeschränkte Anwendung - Lauterbach lässt sich impfen

Update vom 7. April, 22.48 Uhr: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen. Das gab der 58-Jährige am Mittwochabend via Twitter bekannt. „Astrazeneca Impfstoff ist heute leider erneut in Schlagzeilen. Wahr ist: es ist ein hochwirksamer Impfstoff, schwere Nebenwirkungen sind sehr rar“, schrieb Lauterbach.

Der Leiter des Impfzentrums in Leverkusen und er hätten am Dienstag zahlreiche Dosen des Mittels verabreicht. „Selbstverständlich habe ich ihn auch genommen“, so der Politiker. Dazu postete Lauterbach zwei Fotos, auf einem davon ist er bei seiner eigenen Corona-Impfung zu sehen.

Astrazeneca: WHO schließt sich EMA-Empfehlung an

Update vom 7. April, 21.18 Uhr: Nach der EU-Arzneimittelbehörde EMA hat sich auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorerst für die weitere Verwendung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca ausgesprochen. Nach aktueller Datengrundlage scheine ein Zusammenhang mit Thrombosen zwar plausibel, aber nicht bestätigt, teilten die Experten des Impfkomitees der WHO am Mittwochabend mit. Es bedürfe noch weiterer Studien, um eine mögliche Verbindung zwischen Impfung und etwaigem Risiko zu untersuchen.

Die Experten der EMA hatten zuvor einen Zusammenhang zwischen Astrazeneca-Impfungen und Thrombosen festgestellt, wenn gleichzeitig eine sehr geringe Zahl von Blutplättchen vorhanden war. Dies trete allerdings sehr selten auf und der Nutzen sei deutlich höher als das Risiko. Die Behörde hält daher weiterhin an ihrer Bewertung des Präparates fest.

Die EMA-Entscheidung hat vorerst keine Auswirkungen auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) in Deutschland. Was die EMA gemacht habe, könne man mit Sicherheit rechtfertigen, erklärte Stiko-Mitglied und Infektionsimmunologe Christian Bogdan am Mittwoch bei einer Online-Diskussion des Science Media Centers. „Aber das, was die Stiko gemacht hat, kann man sicherlich genauso rechtfertigen.“ Die EMA-Entscheidung werde aber sicher ein Thema in einer der nächsten Stiko-Sitzungen werden, so Bogdan weiter.

Astrazeneca-Impfung: Britische Impfkommission ändert Empfehlung

Update vom 7. April, 17.45 Uhr: Die britische Impfkommission hat, im Gegensatz zur EU-Arzneimittelbehörde EMA, ihre Empfehlung für den Astrazeneca-Impfstoff nach einer Überprüfung geändert. Künftig soll das Astrazeneca-Vakzin möglichst nur noch über 30-jährigen Erwachsenen verabreicht werden, teilte die Kommission am Mittwoch mit.

In Großbritannien sind nach Angaben der Arzneimittelbehörde MHRA bislang 79 Fälle von seltenen Blutgerinnseln nach Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff aufgetreten. Dabei kam es zu 19 Todesfällen. Die meisten dieser Fälle betrafen junge Menschen. Ein direkter Zusammenhang mit dem Impfstoff konnte laut Impfkommission zwar nicht nachgewiesen werden, aber angesichts des geringeren Risikos für jüngere Menschen an Covid-19 zu sterben, habe man diese Abwägung getroffen, hieß es.

Die EMA hatte zuvor mitgeteilt, die Anwendung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca trotz der selten auftretenden Blutgerinnsel nicht einzuschränken. Der Nutzen des Impfstoffs sei höher zu bewerten als die Risiken, so die EMA.

Astrazeneca-Impfung: EMA empfiehlt uneingeschränkte Anwendung - Nutzen höher als Risiken

Update vom 7. April, 16.05 Uhr: Trotz sehr seltener Fälle von Hirnthrombosen empfiehlt die EU-Arzneimittelbehörde EMA uneingeschränkt die Anwendung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca. Der Nutzen des Wirkstoffes sei höher zu bewerten als die Risiken, erklärte die EMA am Mittwoch in Amsterdam.

Update vom 7. April, 13.20 Uhr: Zum Astrazeneca-Impfstoff kündigt die EU-Arzneimittelbehörde EMA eine Pressekonferenz an. Voraussichtlich will die EMA-Chefin Emer Cooke an diesem Mittwochnachmittag eine offizielle Einschätzung abgeben, ob es einen Zusammenhang zwischen den seltenen Blutgerinnseln und dem Astrazeneca-Impfstoff gibt.

Spanische Provinz stoppt Impfung mit Astrazeneca

Update vom 7. April, 13.17 Uhr: Die spanische Region Kastilien und León hat die Impfung mit Astrazeneca vorläufig ausgesetzt. In Valladolid knapp 200 Kilometer nordwestlich von Madrid wurden Hunderte Menschen, die am Mittwochvormittag in verschiedenen Impfzentren der Stadt Schlange standen, per Megaphon über diese Entscheidung informiert.

Man wolle vorsichtig agieren und die angekündigte neue Stellungnahme der EU-Behörde EMA abwarten, erklärte die regionale Gesundheitsministerin Verónica Casado im Radiointerview.

Universität Oxford pausiert Studie zu Astrazeneca-Impfung bei Kindern

Update vom 7. April, 9.41 Uhr: Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca und einer seltenen Form von Blutgerinnseln (Thrombosen) gibt, will die Europäische Arzneimittelbehörde EMA im Laufe der Woche bekannt geben. Es geht um Verdachtsfälle auf eine Hirnvenenthrombose.

Eine britische Studie an Kindern mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca wird indes pausiert, während Aufsichtsbehörden das Gefahrenpotenzial des Vakzins bewerten. „Während es keine Sicherheitsbedenken in der pädiatrischen klinischen Studie gibt, warten wir auf zusätzliche Informationen von der britischen Arzneimittelbehörde MHRA über ihre Überprüfung der seltenen Fälle von Thrombosen bei Erwachsenen“, erklärte die Universität Oxford am Dienstag. Die Universität hat den Impfstoff zusammen mit dem britisch-schwedischen Pharmariesen Astrazeneca entwickelt. Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hatte am Wochenende mitgeteilt, dass es bei den 18 Millionen verabreichten Dosen in Großbritannien 30 Fälle von Thrombosen gab, sieben davon waren tödlich.

Astrazeneca-Zweitimpfung: Gesundheitsminister beraten am Mittwoch

Update vom 7. April, 7.28 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will an diesem Mittwoch mit seinen Kollegen aus den Ländern über eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zu Zweitimpfungen beraten. Die Stiko hatte vergangene Woche empfohlen, dass Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine erste Corona-Impfung mit dem Präparat von Astrazeneca erhalten haben, bei der zweiten Impfung auf einen anderen Impfstoff umsteigen sollen. Kein leichtes Unterfangen: Eine große Lieferung des Corona-Impfstoffs der Firma Moderna fällt aus.

Astrazeneca-Chaos: EMA rudert nun doch zurück - Zusammenhang mit Thrombosen nicht offiziell bestätigt

Update vom 6. April 2021, 15.40 Uhr: Nach den Äußerungen des Chefs der EMA-Impfabteilung Marco Cavaleri, (siehe Erstmeldung), meldete sich die EU-Arzneimittelbehörde zu Wort. Sie stellte klar, dass sie in der Sache noch keine Entscheidung getroffen hat. Der EMA-Ausschuss für Medikamentensicherheit habe „noch keine Schlussfolgerung gezogen und die Prüfung läuft derzeit weiter“. Das teilte die EU-Behörde der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag mit. Eine Entscheidung werde voraussichtlich am Mittwoch oder Donnerstag bekanntgegeben.

Die EMA hatte für Dienstag (6. April) bis Freitag (9. April) eine Prüfung des Astrazeneca-Impfstoffs angesetzt. Bislang hatte die EMA den Astrazeneca-Impfstoff, der kürzlich in „Vaxzevria“ umbenannt wurde, als sicher empfohlen und betont, dass der Nutzen des Vakzins deutlich mögliche negative Folgen überwiege. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und den Blutgerinnseln sei „möglich“, allerdings gebe es dafür keinen Beweis, hieß es bislang. Auch der britisch-schwedische Hersteller betont dies.

Indes haben zwei Impfzentren in Berlin kurzfristig geschlossen. Hintergrund ist ein Mangel an Impfstoff.

Erstmeldung vom 6. April 2021: „Es ist klar“: EMA-Impf-Chef bestätigt Zusammenhang zwischen Astrazeneca-Impfung und Blutgerinnseln

München - Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca stand zuletzt in den Schlagzeilen. Mehrere Fälle, bei denen Blutgerinnsel nach der Impfung zu schweren Schäden an Patienten führten, sorgten für Aufsehen - teils endeten die Thrombosen tödlich. Ein Zusammenhang zwischen Impfung und Thrombose war aber lange nicht ganz klar. Das ändert sich nun offenbar.

Astrazeneca-Impfung und Blutgerinnsel: Europa-Behörde bestätigt Zusammenhang

„Mittlerweile können wir sagen, dass es klar ist, dass es einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt“, sagte der Chef der EMA-Impfabteilung, Marco Cavaleri, nun in einem Interview mit der italienischen Zeitung Il Messaggero. Cavaleri legte in dem Interview nahe, dass die EMA den Zusammenhang noch am Dienstag offiziell feststellen werde. Die EMA ist die Europäische Arzneimittel-Agentur und damit zuständig für die Überwachung und Beurteilung von Arzneimitteln.

Weiterhin ungeklärt bleibt jedoch die genaue Ursache für die schweren Nebenwirkungen des Impfstoffs. Bei den Thrombosen handelt es sich um äußerst seltene Hirnvenenthrombosen und Sinusvenenthrombosen, kurz gesagt: Blutgerinnsel im Gehirn. „Wir versuchen, ein genaues Bild davon zu erhalten, was passiert“, sagte Cavaleri der italienischen Zeitung. Die EMA wolle „auf präzise Weise dieses durch den Impfstoff verursachte Syndrom definieren.“

Astrazeneca Impfung: Mittel in Deutschland nur noch für Menschen über 60 Jahren empfohlen

In Deutschland hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Dienstag beschlossen, dass der Corona-Impfstoff in der Regel nur noch Menschen ab 60 gespritzt werden soll - außer Jüngere wollen es nach Klärung mit dem Arzt auf eigenes Risiko. Es waren bis Anfang der Woche 31 Verdachtsfälle von Hirnvenenthrombosen nach einer Astrazeneca-Impfung gemeldet worden. Mittlerweile schränken neben Deutschland mehrere EU-Länder den Einsatz des Impfstoffs ein.

Zuletzt hatte die britische Arzneimittelbehörde MHRA erklärt, dass nach landesweit mehr als 18 Millionen Corona-Impfungen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff in Großbritannien bislang 30 Thrombose-Fälle bei Geimpften aufgetreten seien. Sieben der betroffenen seien gestorben.

Indes forderte NRW Ministerpräsident Armin Laschet einen Brücken-Lockdown für Deutschland.

Rubriklistenbild: © Mary Altaffer/AP/dpa

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