Trotz Protesten: Castor am Ziel

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Atomkraftgegner sitzen am Donnerstag (16.12.2010) bei einer Gleisblockade bei Brünzow auf dem Anschlussgleis, auf dem der geplante Castor-Transport ins Zwischenlager bei Lubmin fahren soll.

Lubmin - Einige hundert Atomkraftgegner haben sich am Donnerstag dem Atommüll-Transport zum Zwischenlager bei Lubmin in Vorpommern entgegengestellt - und ihn kurz vor dem Ziel gestoppt. Zumindest vorübergehend.

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Rund 1700 Kilometer war der letzte Atommüll- Transport des Jahres nahezu unbehelligt von Südfrankreich bis zur Ostsee gerollt - doch 15 Kilometer vor dem Zwischenlager Nord bei Lubmin zwangen zwei junge Aktivisten der Umweltinitiative Robin Wood den Zug am Donnerstag zu einem mehrstündigen Halt. Trotz großer Polizeipräsenz und eisiger Kälte hatten sie sich südöstlich von Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) an die Bahngleise gekettet. Bis in den Abend dauerten die Bemühungen der Polizei an, den Mann und die Frau von den Schienen zu lösen. Erst gegen 21.50 Uhr kam der in Cadarache (Frankreich) gestartete Atommülltransport am stillgelegten Kernkraftwerk Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern an. Für die Strecke benötigte der Zug nahezu 50 Stunden.

Die Proteste fielen mit insgesamt wenigen hundert Teilnehmern weit verhaltener aus als beim jüngsten Castor-Transport nach Gorleben in Niedersachsen - Anfang November hatten dort mehrere zehntausend Menschen demonstriert, darunter auch führende Bundespolitiker. Der in vier Castor-Behältern verstaute Atommüll stammt vom früheren Kernforschungszentrum Karlsruhe und vom atomgetriebenen Forschungsfrachter “Otto Hahn“. Die rund 2500 Brennstäbe lagerten bis zum Rücktransport jahrelang im südfranzösischen Cadarache. Die Atomkraftgegner hatten am Donnerstag den Zug laut Polizei auch in Magdeburg und bei Ludwigslust in Mecklenburg kurz stoppen können.

Ein Großaufgebot der Polizei - dem Vernehmen nach waren bundesweit mehr als 10 000 Beamte im Einsatz - und die widrigen Witterungsverhältnisse bremsten den Protest an der Strecke aber weitgehend. Ein Polizeisprecher schätzte die Situation als “friedlich und ruhig“ ein. Bei Eiseskälte und Schneetreiben hatten rund 200 Menschen am Nachmittag kurz vor dem Ziel bei Lubmin eine Sitzblockade gebildet, die von der Polizei aufgelöst wurde. Etwa die Hälfte der Teilnehmer sei weggetragen und in geheizten Bussen abtransportiert worden.

Die Polizei nahm nach eigenen Angaben knapp 100 Demonstranten in Gewahrsam, 75 seien nach Feststellung der Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Bei der Protestaktion in Magdeburg waren in der Nacht zum Donnerstag 24 Atomkraftgegner in Gewahrsam genommen worden, bald darauf aber wieder freigekommen. “Solche Transporte quer durch das Land zeigen, dass es in Deutschland kein plausibles Konzept zur Verwahrung der radioaktiven Hinterlassenschaften gibt“, sagte Dirk Seifert von Robin Wood.

Castor: Proteste gegen den Atom-Müll-Transport

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Ähnliche Kritik hatten am Morgen auch Atomkraftgegner geübt, die bei Ludwigslust den Zug für 15 Minuten zum Stehen brachten. “Der Protest richtete sich in erster Linie gegen die ungelöste Atommüllentsorgung. Seit 45 Jahren wird in Deutschland Atomstrom produziert, ohne dass klar ist, was mit den Abfällen passiert“, sagte der Sprecher des Informationsnetzwerks contrAtom, Bernd Ebeling. Heftige Kritik gab es auch daran, dass Müll aus westdeutschen Atomanlagen in Lubmin eingelagert wird. Das Zwischenlager Nord war ursprünglich nur für radioaktiven Müll aus den beiden stillgelegten ostdeutschen Atomkraftwerken gebaut worden. “Wir sind bereit, Atommüll aus Lubmin und Rheinsberg aufzunehmen, aber bitte nicht aus ganz Deutschland“, betonte Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschef Erwin Sellering (SPD) im NDR. Da das Zwischenlager wie der Müll dem Bund gehört, hat das Land darauf aber keinen Einfluss.

Greenpeace untermauerte mit einer Plakataktion die Kritik an der Atompolitik. “Atommüll aus Baden-Württemberg hat in Lubmin nichts zu suchen“, betonte der Atomexperte der Umweltorganisation, Tobias Münchmeyer. Da der Müll vorwiegend aus dem Forschungszentrum Karlsruhe stamme, müsse er nach dem Verursacherprinzip auch im Südwesten zwischengelagert werden. Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) solle dieser Verantwortung gerecht werden, forderte Münchmeyer.

dpa/dapd

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