Atompartikel: Heute können sie Deutschland erreichen

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Über Reaktor 3 des Horror-AkW Fukushima stieg gestern erneut schwarzer Rauch auf. Die ersten Atompartikel haben jetzt auch Europa erreicht

München - Ab dem heutigen Donnerstag könnten Atomteilchen aus Japan auch über Deutschland feststellbar sein. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen.

Am Mittwoch erreichten verstrahlte Partikel aus den japanischen Atomkraftwerken durch die Luftströmung erstmals auch Europa. Heute könnten die Atomteilchen auch über Deutschland feststellbar sein. Die tz untersucht mögliche Auswirkungen auf die Menschen und Lebensmittel.

Bis wohin sind radioaktiven Partikel aus Japan mittlerweile gelangt?

„Die Partikel werden durch Luftströmungen über den Pazifik und den US-Kontinent bis nach Mitteleuropa geweht. In Island wird seit Mittwoch eine leicht erhöhte Strahlung gemessen,“ sagte Greenpeace-Experte Manfred Santen gestern zur tz.

Wurde auch in Deutschland bereits eine erhöhte Strahlung festgestellt?

Bisher nicht, erklärte das Umweltbundesamt am Mittwochmittag. „In München ist bis jetzt nichts angekommen. Wenn wir etwas feststellen, machen wir es sofort publik“, erklärte Christine Hacker vom unabhängigen Umweltinstitut München zur tz. Das überparteiliche Institut wurde nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 gegründet und misst regelmäßig die radioaktive Belastung von Lebensmitteln, Außenluft und Niederschlägen.

Wie gefählich wäre die Strahlung für die Menschen in unseren Breitengraden?

Greenpeace-Experte Santen: „Für Europa und Deutschland besteht keinerlei Gefahr. Die Strahlungsmenge wird von uns als unbedenklich eingestuft, weil sie auf dem 9000 Kilometer langen Weg von Japan stark verdünnt wurde. Erich Wirth vom Bundesumweltamt erwartet Werte im Bereich von Hunderttausendstel Bequerel pro Kubikmeter Luft. Die gewöhnliche Strahlenbelastung von 70 Nanosievert pro Stunde werde davon praktisch nicht beeinflusst. Erwartet wird aber ein erster Anstieg bei der sogenannten Spurenanalyse.

Kann Radioaktivität auch auf anderen Wegen nach Deutschland kommen?

Durch die Kühlung der glühenden Reaktoren ist das Meerwasser am Atomkraftwerk mit radioaktivem Jod und Cäsium belastet. Greenpeace-Experte Santen befürchtet wie auch andere Forscher, dass die Radioaktivität in die weltweite Nahrungskette gelangen könnte.

Welche Lebensmittel beziehen wir aus Japan?

Grünen Tee, Kakaopulver, getrocknete Shiitake-Pilze, grünen Meerrettich (Wasabi), Sojasauce, Reis, Nudeln und Ingwer sowie Nori-Algen, mit denen Sushi umwickelt wird. Dazu Fisch – vor allem Alaska-Seelachs (meist in Form von Fischstäbchen), Wildlachs, Seeteufel, Scholle und Kabeljau/Dorsch. 2010 kamen jedoch nur 60 von insgesamt 913 000 Tonnen Fischimport aus Japan zu uns.

Können wir Lebensmittel aus Japanläden und in Restaurants derzeit unbedenklich essen?

Zurzeit sind alle Japan-Exporte gestoppt. Die derzeit hier erhältlichen Lebensmittel aus Japan sind noch alle unbedenklich, da sie vor der Katastrophe exportiert wurden. Sojasoße reift z. B. in Fässern und ist noch ein Jahr lang unbedenklich, beruhigen Verbraucherschützer. Greenpeace-Experte Santen: „Viele typisch japanische Lebensmittel stammen häufig gar nicht aus Japan. In Deutschland gekaufte Shiitake-Pilze kommen fast ausschließlich aus deutschen Gewächshäusern, der Rest aus China.“

Wie erkenne ich Fisch aus der Strahlen-Region?

In Deutschland serviertes Sushi stammt fast nie aus Japan. Und Fische aus der Meeresregion um Japan kann der Verbraucher im Supermarkt auf der Packung durch eine spezielle Nummer der Welternährungsorganisation erkennen – Japan hat die Endziffer 61. Fisch aus dem Nordpazifik wird frühestens in drei Monaten in den deutschen Handel gelangen, sagen Experten. Die staatlichen deutschen Lebensmittelkontrollstellen und der Zoll prüfen Einfuhren aus Flugzeugen und Schiffen aus Japan derzeit verschärft auf Radioaktivität. Verbraucher können Radioaktivität in Lebensmitteln mit herkömmlichen Geigerzählern jedoch selbst nicht feststellen.

Was ist mit Grünem Tee?

Vorerst besteht hier keine Gefahr, da die neue Ernte in Japan erst bevorsteht. „Kurzfristig kann man Entwarnung geben, langfristig nicht,“ sagt Silke Schwartau, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale.

Uwe Fajga

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