Aufhauser: Geiseldrama am Aiderbichl-Telefon!

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Michael Aufhauser

Salzburg - Pferdenarr Alfred F. (55) schießt einen Mann nieder, nimmt eine Frau als Geisel. Gut-Aiderbichl-Chef Michael Aufhauser verhandelt über Stunden mit dem Geiselnehmer: das Drama am Aiderbichl-Telefon.

Geiseldrama im niederösterreichischen Kaltenleutgeben: Dort stürmt der 55-jährige Ex-Kioskbesitzer und hochverschuldete Pferdezüchter Alfred F. am Dienstag um 14 Uhr ins Forstamt. Er schießt den Behördenleiter nieder, verletzt ihn lebensgefährlich (siehe unten). Dann verschanzt er sich mit der 52 Jahre alten Büroangestellten Margareta. Er will nur mit dem Tierdiplomaten und Chef des Gnadenhofes Gut Aiderbichl, Michael Aufhauser, reden. Dem gelingt es, den Täter sechs Stunden lang hinzuhalten, bis sich Alfred F. selbst richtet – mit zwei Kugeln in den Kopf. In der tz erzählt Michael Aufhauser:

„Der Anruf der Polizei erreichte mich gegen 14 Uhr. Meine Mitarbeiterin Holde Suden stellte durch und schrie nur noch: „Geiselnahme! Der Mann hat zwei Revolver!“ Nach kurzer Rücksprache mit der Einsatzleitung meldete sich der Tierdiplomat bei Alfred F. „Der schien über meinen Anruf sehr zufrieden zu sein und kam gleich zur Sache: Es gehe um seine 16 Pferde. Er wolle, dass sie von Gut Aiderbichl aufgenommen werden“, so Aufhauser. Der Hintergrund: Alfred F. hatte sich einen Traum erfüllen wollen – ein eigenes Gestüt mit Rennpferden. Doch er bleibt erfolglos. Strafen für Schwarzbauten belasten ihn zusätzlich. Aufhauser: „Er hat mir gesagt, dass er 600 000 Euro Schulden hat.“ Als F. die nicht zahlen kann, droht die Zwangsversteigerung, angeblich sollen fünf der Tiere geschlachtet werden – offenbar der Auslöser für die Bluttat.

Sechs Stunden lang verhandelt der Tierdiplomat mit dem Geiselnehmer, hält ihn hin, taktiert, am Ende verspricht er sogar schriftlich, den Tieren zu helfen. Er kämpft um das Leben der Geisel, redet und redet. „Ich habe versucht, dem Mann einen Ausweg zu zeigen: Ich sagte ihm, dass ich das Geld und die Möglichkeiten habe, ihm zu helfen. Dass wir reden sollten, ich zu ihm kommen würde. Seine Antwort lautete aber, es habe alles keinen Sinn mehr.“

Die Verantwortung für das Leben der Geisel lastet schwer: „Es war mir ja klar: Da ist eine Frau, die steht jetzt ihrem Mörder gegenüber. Der hatte gerade einem Mann Kugeln in den Leib geschossen, der fühlt sich als Vollstrecker.“ Am Telefon habe sich der Täter seltsam verhalten: „Mit mir sprach er ganz freundlich, ja salbungsvoll. Seine Geisel herrschte er hingegen an.“ Aufhauser sprach mehrfach mit der verängstigten Frau, die ihn anflehte: „‚Bitte, bitte helfen Sie‘, bat sie. Dann hörte ich ihn: ,Tu die Hände weg! Nicht rühren!‘“

Das Mitgefühl Aufhausers gilt als erstes den Opfern. Doch auch das Schicksal des Gangsters lässt ihn nicht kalt: „Alfred F. wurde durch seine Träume und die Möglichkeit verführt, dass jeder ein Pferd kaufen kann. Er hat sich eine Chance herausgenommen, ohne sich abzusichern. Das tut mir leid. Am Ende litt er wohl unter der Schmach, als Gestütsbesitzer gescheitert zu sein. Er musste seine Pferde, die wie Kinder für ihn waren, verkaufen. Er wäre Zeuge gewesen, wie man sie ihm vom Hof führt und diese autarke Herde trennt. Diese Bluttat diente dazu, seinem Hass auf die Behörden und seiner Ohnmacht freien Lauf zu lassen. Nur die Idee, seinen Tieren noch eine Zukunft zu ermöglichen, stoppte ihn vor dem kompletten Wahnsinn, sonst hätte es sicher noch mehr Tote gegeben.“

Aufhauser will sich um die ihm überschriebenen 16 Pferde kümmern: „Ich werde um die Tiere kämpfen. Damit diese Tragödie wenigstens für sie ein gutes Ende nimmt. Sie sollen in Aiderbichl bis an ihr Lebensende versorgt werden. Wir werden mit allen Mitteln verhindern, dass sie in irgendeinem Akkordschlachthof in Italien landen.“

Wie es dem Tierschützer jetzt geht? „Ehrlich, ich habe die ganze Nacht kein Auge zumacht.“

K. Basaran

Rache eines Pferdenarrs

Protokoll einer Geiselnahme: Am Ende richtete sich Alfred F. selbst

Dienstag 13.30 Uhr: Alfred F. (55) stürmt in die Bezirkshauptmannschaft von Klosterneuburg. Im Büro des Chef der Forstabteilung, Alexander M., feuert er seine zwei halbautomatischen Waffen ab – mindestens zehnmal. Der 60-Jährige wird in den Bauch getroffen, sackt blutüberströmt zusammen. Er ringt noch mit dem Tod.

13.35 Uhr: Alfred F. rennt in den 3. Stock, nimmt dort in einem Büro des Forstamtes die 52-jährige Margaretha N. als Geisel, verschanzt sich mit ihr. In den unteren Etagen, wo die Schüsse zu hören waren, bricht Panik aus.

13.30 Uhr: Eine Hundertschaft der Polizei trifft ein, der Krisenstab wird eingerichtet. Dann übernimmt der Sondereinsatztrupp Cobra das Kommando.

14 Uhr: Erster Kontakt mit Tierdiplomat Michael Aufhauser. Dieser soll versprechen, sich um Alfred F.s 16 Pferde zu kümmern. Es sollen noch 20 weitere Anrufe erfolgen.

16.43 Uhr: Dem Polizei-Unterhändler gelingt der Kontakt zu Alfred F..

19.05 Uhr: Cobra stürmt.

19.16 Uhr: Als die Geisel ein Päckchen Zigaretten holen soll, greifen die Polizisten ein und bringen sie unverletzt in Sicherheit. Alfred F. jagt sich zwei Kugeln in den Kopf.

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