Millionenentschädigung gefordert

Babys vertauscht - Eltern verklagen Klinik

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2. Dezember 2014 vor dem Gericht in Grasse: Sophie Serrano (li.) zog Manon als ihre Tochter groß.

Paris - Eine Horrorvorstellung für Eltern: Das eigene Kind wird in der Geburtsklinik mit dem Nachwuchs von Fremden vertauscht. Genau das ist vor 20 Jahren zwei Familien in Südfrankreich zugestoßen.

Die Betroffenen zogen nun vor Gericht und verlangen insgesamt zwölf Millionen Euro Schadenersatz. Am Dienstag fällt die Entscheidung in Grasse.

Juli 1994 in der Cannes-la-Bocca-Klinik im südfranzösischen Cannes: Sophie Serrano und eine Frau, die anonym bleiben will, haben gerade Töchter auf die Welt gebracht. Manon, Sophie Serranos Tochter, und Mathilde, die Tochter der anderen Frau, haben beide Gelbfieber. Während der UV-Strahlen-Therapie liegen sie in einem Bettchen. Irgendwann in diesem Zeitraum unterläuft einer Klinikangestellten ein folgenschwerer Fehler: Sie vertauscht die zwei Mädchen.

Die Mütter merken sofort, dass die Kinder eine andere Hautfarbe haben, als sie sie wieder ausgehändigt bekommen. Sophie Serrano und ihr Mann sind hellhäutig, das andere Ehepaar stammt von der zu Frankreich gehörenden Insel La Reunion im Indischen Ozean und hat eine dunklere Hautfarbe. Doch die Klinikangestellten beruhigen sie: Das läge an den UV-Strahlen. „Ich habe es am Ende geglaubt“, sagt Sophie Serrano. Auch die andere Frau nimmt das Kind an.

Weil Manon eine andere Hautfarbe hat als er, wird Sophie Serranos Mann zum Ziel des Spottes: Seine Frau habe ihm ein Kuckucksei ins Nest gelegt, wird gemunkelt. Als Manon acht Jahre alt ist, lässt er einen Vaterschaftstest machen. Ergebnis: Manon ist nicht seine Tochter. Er verlässt seine Frau. Zwei Jahre später macht auch Sophie Serrano einen Test und erfährt: Manon ist nicht ihre leibliche Tochter. Für die damals zwölfjährige Manon bricht die Welt zusammen: „Mein erster Gedanke war: Muss ich jetzt meine Familie verlassen?“

Manons leibliche Eltern sind schnell mit Hilfe der Polizei gefunden. Sie wohnen 30 Kilometer entfernt in der Umgebung von Grasse. Es kommt zu einem Treffen. Manon sagt, die Begegnung mit ihrer leiblichen Mutter sei verwirrend gewesen: „Man trifft eine Frau, die einem unbekannt ist.“ Ein Rücktausch kommt für beide Familien nicht infrage.

Die Klinik sieht sich nicht in der Schuld. Eine Anwältin: Eine Angestellte habe damals nicht wie vorgeschrieben Armbänder zur Identifizierung angebracht.

Weitere Fälle

1991: Nach einer Blutuntersuchung bei einem Fünfjährigen wird klar, dass der Junge 1985 im Kreiskrankenhaus Wittmund (Niedersachsen) mit einem anderen Baby vertauscht wurde. Die Elternpaare beschließen, den jeweils von ihnen großgezogenen Jungen zu adoptieren und keinen Kontakt zu halten.

2008: In einer Klinik in Saarlouis werden zwei neugeborene Mädchen vertauscht. Nach einem halben Jahr wird der Irrtum entdeckt, als bei einem Kind mit einem Gentest die Vaterschaft geklärt werden sollte. Dabei wird festgestellt, dass weder „Vater“ noch „Mutter“ mit dem Mädchen verwandt sind. Die Kinder kommen zu ihren leiblichen Eltern.

2009: Eine Klinik in Kuri (Südkorea) muss einer Mutter umgerechnet 40 000 Euro Schmerzensgeld zahlen, weil eine Krankenschwester 17 Jahre zuvor ihr Baby mit einem anderen Neugeborenen vertauscht hatte.

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