„Sie sehen schon recht sympathisch aus“

Sonst nur an einer Handvoll anderen Orten: Tier-Art in Südbaden 400 Millionen Jahre alt

Die Feenkrebse aus dem Eichener See.
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Die Feenkrebse aus dem Eichener See.

Eine Tier-Art in Südbaden, im Süden Deutschlands, die über 400 Millionen Jahre alt ist, gibt es sonst nur an einer Handvoll anderer Orte.

Schopfheim - Der Ort Schopfheim liegt im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz. Östlich der Stadt liegt der Eichener See,, in dem Tiere hausen, die schon über 400 Millionen Jahre alt sind und ihre Namen daher haben. Der „Eichener Feenkrebs“ ist ein Überlebenskünstler und überzeugt sogar Museumsleiter.

Baden-Württemberg: Eichener Feenkrebs hat eine spezielle Strategie

Ein kleiner Salto hier, eine Pirouette da - und dazu ein ständiges Strudeln der filigranen Beinchen: In diesem Wasserglas ist einiges los. Darin tummeln sich seltene „Feenkrebse“, eine schätzungsweise 400 Millionen Jahre alte Urzeitkrebs-Art.

Hartmut Heise, 76 Jahre alt und Naturschutzwart, hat sie gerade aus dem Eichener See in Südbaden gefischt - mit spezieller Genehmigung der Behörden, denn die etwa zwei Zentimeter großen Tiere sind streng geschützt. Wenn er über die Krebschen spricht, gerät Heise ein bisschen ins Schwärmen: „Sie gleiten wunderbar durchs Wasser, feenhaft, daher auch der Name“, erzählt er.

Baden-Württemberg: In Deutschland gibt es nur wenige Urzeitkrebsarten

Dass Tiere in diesem See leben können, ist ziemlich bemerkenswert. Denn die meiste Zeit über existiert das Gewässer gar nicht. Es handelt sich um einen temporären See, der nur zu Tage tritt, wenn es in der Gegend besonders viel regnet oder durch Schneeschmelze Tauwasser anfällt, wie Heise erklärt. Nach unten hin könne das Wasser wegen einer undurchlässigen Schicht in 48 Meter Tiefe nicht gut abfließen. Laufe diese „Wanne“ über, erscheine der See.

So groß wie jetzt sei er jahrelang nicht gewesen, sagt Heise: etwa 270 Meter lang und 150 Meter breit. Nach einer gewissen Zeit „verkrümelt der See sich wieder in sein unterirdisches Labyrinth“ aus Höhlen in der Muschelkalklandschaft.

Wie schaffen es also Tiere, dieses launische Gewässer zu besiedeln? Mit einer besonderen Strategie, erklärt Hans Pellmann, Biologe und Leiter des Museums für Naturkunde in Magdeburg. Er betreut in seinem Museum eine Sammlung aller in Deutschland vorkommenden Urzeitkrebsarten von verschiedenen Fundstellen

Baden-Württemberg: Feenkrebse sehen „sehr sympathisch aus“

Die Weibchen des „Tanymastix stagnalis“ - so heißt der Eichener Feenkrebs mit wissenschaftlichem Namen - legten Eier ins Wasser ab, in deren Schale die Weiterentwicklung zu sogenannten Zysten erfolge, erklärt Pellmann: einer äußerst widerstandsfähigen Dauerform. Diese Zysten überstehen problemlos das Austrocknen des Sees, harren dann auf der Grasnarbe aus und überleben es sogar, dass ein Bauer einmal im Jahr kommt und die Wiese mäht. „Die Dauerform erlaubt es den Tieren, solche extremen Biotope zu besiedeln, die nur selten und dann auch nur kurzzeitig mit Wasser gefüllt sind“, sagt Pellmann.

Der Eichener See hat besondere Tiere in sich.

Fülle sich dann der See wieder - und sei es erst nach mehreren Jahren - schlüpften innerhalb weniger Tage Feenkrebs-Larven. Nach drei bis vier Wochen seien die Tiere ausgewachsen und könnten sich paaren. Während ihres kurzen Lebens seien die Rückenschwimmer ununterbrochen in Bewegung, erzählt der Biologe. Mit ihren elf Beinpaaren strudelten sie sich Plankton in die Bauchrinne, von wo aus die Nahrung zur Mundöffnung gelange. Dort werde die Nahrung dann zerkleinert und in den Verdauungstrakt gedrückt, erklärt Pellmann.

Insgesamt gibt es dem Museumsleiter zufolge elf bekannte Arten von Urzeitkrebsen in Deutschland - wovon zwei jedoch vermutlich schon ausgestorben sind. Urzeitkrebs sei übrigens kein Fachwort, betont er. Den Eichener Feenkrebs finde man außer in Südbaden nur noch an einer Handvoll anderer Orte, darunter in einem bayerischen Gewässer und in einem kleinen Bereich am Rande der Elbe in Brandenburg. Auch bei Pellmann scheinen die Krebschen eine besondere Zuneigung zu genießen: „Sie sehen schon recht sympathisch aus“, sagt er.

Am Sonntag, den 14. März, findet die Wahl in Baden-Württemberg statt. Die Ergebnisse finden Sie hier bei uns. Auch die Umfrage kurz vor der Wahl in BaWü können Sie hier nachlesen. (ank mit dpa)

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