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Belize: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Maya Ruinen in der Nähe von San Ignacio, Belize
Maya-Ruinen in der Nähe von San Ignacio, Belize © Sergi Reboredo / IMAGO

Der Staat Belize erlangte vor vier Jahrzehnten seine Unabhängigkeit. Alle Infos über die Geschichte, Demografie, Geografie, Politik und Wirtschaft des Landes.

Belmopan – Die parlamentarische Monarchie Belize wird von der Hauptstadt Belmopan aus verwaltet. Der Staat gehört dem Commonwealth an und steht folglich unter der Schirmherrschaft Großbritanniens. Staatsoberhaupt ist Königin Elisabeth II. Vor Ort wird sie vertreten durch eine Generalgouverneurin. Als Regierungschef fungiert ein gewählter Premierminister. Die Kultur des seit 1981 unabhängigen Landes ist stark von den Maya, einem indigenen Volksstamm Mittelamerikas, geprägt. Dennoch besitzen die meisten Bewohner von Belize afrikanische Wurzeln. Als Namensgeber des Karibikstaates fungiert der Belize River.

Belize: Die Geschichte des Staates

Die Geschichte des Staates Belize war viele Jahrhunderte eng mit den Maya verknüpft, die das Territorium bereits 2000 vor Christus besiedelten. Ihre Vorherrschaft hielt bis ins 16. Jahrhundert, als Belize spanischen Eroberern zufiel. Deren Interesse galt zuvorderst den vorhandenen tropischen Hölzern, die abgebaut und Richtung Europa verschifft wurden. Da auch die Briten ein Auge auf das wertvolle Holz geworfen hatten, kam es im Jahr 1798 zur Auseinandersetzung mit den Spaniern, wobei die Iberer besiegt wurden. Von nun an stand das Areal unter britischer Führung und erhielt den Namen Britisch Honduras. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wuchsen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Ureinwohner, die sich in vielen Lebensbereichen zurückgesetzt fühlten. Ein Parteiensystem wurde etabliert, das die sukzessive Verwaltung des Landes durch die Ureinwohner zur Folge hatte. Ein Teil des Prozesses war die Umbenennung des Karibikstaates in Belize.

Flankenschutz durch Großbritannien

Als letzter Schritt der Entwicklung schloss sich die Unabhängigkeit von Großbritannien an. Sie erfolgte im September 1981. Seitdem verwaltet sich Belize weitestgehend selbst. Jedoch bestand das britische Empire auf dem Verbleib einzelner Truppen im Land, was sich zu Beginn der 90er-Jahre als hilfreich erwies. Die Briten standen den Menschen in Belize bei, als der Nachbarstaat Guatemala Gebietsansprüche auf westliche Teile des Landes erhob. Ein militärischer Konflikt konnte durch die Präsenz der britischen Armee verhindert werden. Guatemala lenkte schließlich ein und akzeptierte die Unabhängigkeit von Belize.

Der Staat Belize: Demografie

Auf dem Staatsgebiet leben lediglich 420.000 Menschen. Bei einer Gesamtfläche von 23.000 Quadratkilometern entspricht dies einer Bevölkerungsdichte von 17 Einwohnern pro Quadratkilometer.

In den letzten 70 Jahren ist die Einwohnerzahl in Belize enorm gewachsen, was unter anderem mit guten wirtschaftlichen Voraussetzungen zusammenhängt.

Das überdimensionale Bevölkerungswachstum hat zur Folge, dass 40 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre sind. Knapp 60 Prozent befinden sich zwischen dem 15. und 65. Lebensjahr. Etwa 3 Prozent sind älter als 60. Die Lebenserwartung in Belize liegt im Schnitt bei 68 Jahren. Das Durchschnittsalter der Menschen in Belize beträgt 19 Jahre.

Ethnien, Religion und Sprache

Mehr als 50 Prozent der 420.000 Menschen in Belize sind Mestizen, eine Kreuzung aus Weißen und Indianern. Rund ein Viertel der Bevölkerung gehört dem Stamm der Kreolen an. Kreolen haben Weiße und Afrikaner als Vorfahren. Die Maya-Kultur wird durch 11 Prozent der Bevölkerung repräsentiert. Es folgen die sogenannten Garifuna, schwarze Kariben, die auf 6 Prozent kommen.

Rund 3,6 Prozent der belizischen Bevölkerung sind deutschstämmige Mennoniten. Schwerpunktmäßig handelt es sich um Russlanddeutsche, die in den 1950er-Jahren über Mexiko nach Belize kamen. Sie sprechen Plattdeutsch.

Etwa 15 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Migranten. Sie stammen aus Honduras, Guatemala und El Salvador. Nicht zuletzt deshalb ist die Hälfte der Menschen in Belize katholischen Glaubens. Verständigt wird sich zumeist auf Englisch, das zugleich als Amtssprache dient.

Der Staat Belize: Die Geografie

Die Geografie des Staates Belize ist durch eine Besonderheit gekennzeichnet. Als einziges Land in Mittelamerika besitzt Belize keinen Zugang zum Pazifik, wohl aber zum Atlantik. Bedingt ist dies durch die Tatsache, dass Belize im Südosten der Halbinsel Yucatan liegt. Im Norden grenzt das Areal an Mexiko, im Westen an Guatemala. In östlicher Richtung findet sich das Karibische Meer. Belize weist nur im Landesinneren erwähnenswerte Erhebungen in Form der Maya Mountains auf. Ansonsten ist das Gebiet von der Größe Mecklenburg-Vorpommerns von ebener Topografie. Der leicht gebirgige Süden ist mit tropischem Regenwald bewachsen, was auf hohe Niederschlagsmengen zurückgeht. Hier wachsen wichtige Exportartikel: Bananen, Kokosnüsse und Zitrusfrüchte.

Das zweitgrößte Korallenriff der Erde

Belize verfügt über eine 300 Kilometer lange Küste. Vorgelagert sind Atolle, Sandbänke und Korallenformationen. Belize besitzt mit dem Belize-Barrier-Riff das zweitgrößte Korallenriff der Erde nach dem Great Barrier Reef in Australien. Zwischen dem Riff und dem Festland befinden sich rund 1.000 Inseln, die von Mangrovenwäldern geprägt sind, was auf tropisches wie subtropisches Klima schließen lässt. 11 Prozent der Meeres- und 38 Prozent der Landfläche stehen unter Naturschutz.

Sechs Provinzen mit sechs Hauptstädten

Der Staat Belize ist in sechs Distrikte aufgeteilt. Jeder Distrikt besitzt eine eigene Hauptstadt. In der Provinz Belize ist dies Belize City. Die Provinz Cayo weist San Ignacio als Hauptstadt aus, die Provinz Corozal das gleichnamige Corozal. Orange Walk deklariert Orange Walk Town als Verwaltungszentrum, während Stan Creek den Ort Dangriga gelistet hat. Die Hauptstadt des Distrikts Toledo heißt Punta Gorda.

Der Staat Belize: Die Politik

Das politische System des Staates Belize gründet sich auf zwei Parteien: die Volkspartei und die Demokratische Partei. Abseits existieren weitere Parteien, die jedoch aufgrund mangelnden Zuspruchs so gut wie keine Rolle spielen. Eine Legislaturperiode umfasst fünf Jahre, wobei das Mehrheitswahlrecht gilt. Das Abgeordnetenhaus besteht aus 31 Mitgliedern. Der Premierminister Johnny Briceno leitet die politischen Geschicke des Landes, das faktisch der britischen Krone untersteht. Vertreten wird die britische Königin durch eine im Land ansässige Generalgouverneurin: Froyla Tzalam.

Wenig Steuern, viele Drogen

Innenpolitisch kämpft Belize gegen Geldwäsche, Steuerflucht und einen prosperierenden Drogenhandel. Außenpolitisch erwehrt man sich gegen das Drohgebaren des Nachbarn Guatemala. Die Guatemalteken beanspruchen Teile des Landes. Nach einem Volksentscheid liegt die Zukunft des Territoriums in europäischer Hand. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag soll den Grenzstreitigkeiten ein justiziäres Ende setzen.

Der Staat Belize: Die Wirtschaft

Die Wirtschaft des Staates Belize verzeichnet Jahr für Jahr ein starkes Wachstum. Da die Staatsverschuldung jedoch bei 85 Prozent liegt, steigt der Wohlstand im Schneckentempo. Folglich leben mehr als 30 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Rund ein Drittel der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig, die 20 Prozent des Inlandsprodukts, aber 60 Prozent der Exportrate ausmacht. Exportiert werden zudem Erzeugnisse aus Fischerei und Forstwirtschaft. Letztere fußt auf der Gewinnung seltener Hölzer. Hier ist vor allem Mahagoni zu nennen. Die Herstellung von Textilien spielt für das Bruttoinlandsprodukt ebenso eine Rolle wie die Nahrungsmittelverarbeitung.

Boomender Dienstleistungssektor

Rund 200.000 Touristen pro Jahr bedeuten für den Staat Belize eine überaus wichtige Einnahmequelle. Die meisten Besucher reisen aus den USA an. Ihre Motive sind unterschiedlicher Natur. Ein Teil verdingt sich als Taucher oder Surfer und bevölkert den naturalistisch eindrucksvollen Streifen vor der Ostküste. Andere US-Bürger interessieren sich für die Kultur des Landes und besuchen die gut erhaltenen Maya-Ruinen. Auch die exotische Tier- und Pflanzenwelt erfreut sich enormer Beliebtheit. So gehört der Zoo in Belize zu den artenreichsten auf dem amerikanischen Kontinent. Einen nicht minder prägenden Anteil am Tourismus besitzt das Segment der Kreuzfahrten. Dieses wie alle übrigen Segmente ist zu wesentlichen Teilen an den Dienstleistungssektor geknüpft. Er vereinnahmt 57 Prozent des belizischen Bruttosozialproduktes und ist somit treibender Wirtschaftsmotor.

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