Sechstes Todesopfer gefunden

Berghotel-Unglück: Suche nach Verschütteten geht weiter

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Die Rettungskräfte mobilisieren alle Reserven.

Rom - Der Papst schickt eine emotionale Botschaft in die Abruzzen. In Schnee und Geröll suchen sie fieberhaft nach den Opfern der Lawinen-Katastrophe - und finden einen weiteren Toten.

Mit dem Mute der Verzweiflung suchen die Retter am verschütteten italienischen Berghotel Rigopiano nach weiteren Überlebenden. Allerdings konnte die Feuerwehr am Sonntagabend zunächst nur eine traurige Nachricht verbreiten: Die Helfer hatten ein weiteres Todesopfer gefunden, damit erhöhte sich die Zahl der Toten auf mindestens sechs. Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, es handele sich bei dem sechsten gefundenen Opfer um einen Mann. Noch immer wurden 23 Menschen vermisst - die Zahl hatte sich am Nachmittag zunächst auf 24 erhöht. Ein Überlebender hatte berichtet, dass wohl ein Mitarbeiter in dem Hotel gewesen sei, der bislang nicht zu den Vermissten gezählt worden war.

Die Helfer suchten weiter fieberhaft nach möglichen Überlebenden - auch vier Tage nach dem schweren Unglück. Bis Sonntagabend wurden neun Menschen lebend aus Trümmern und Schnee gezogen. Zwei überlebten, weil sie zum Zeitpunkt des Unglücks nicht im Hotel waren.

Im Wettlauf gegen die Zeit versuchen die Spezialisten, Handy-Signale unter Schnee und Geröll zu orten und Vermisste so zu lokalisieren. Die oberste Krisenmanagerin des nationalen Zivilschutzes, Immacolata Postiglione, beschrieb dieses Vorgehen als „chirurgischen Eingriff“, der ein weiteres Einstürzen des fast völlig zerstörten Gebäudes verhindern solle.

Papst sagt „Grazie“

Papst Franziskus sandte eine Dankesbotschaft an die Einsatzkräfte: „Ich möchte all jenen Mut machen, die sich mit so viel Großzügigkeit an den Rettungsarbeiten beteiligen“, sagte das Kirchenoberhaupt nach dem Angelus-Gebet vor 20 000 Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. „Danke für Eure Nähe, für Eure Arbeit, für Eure konkrete Hilfe. Grazie.“

Die Lawine hatte am Mittwoch das auf 1200 Metern Höhe am Fuße des Gran-Sasso-Massivs gelegene Vier-Sterne-Hotel nach einer Erdbebenserie verschüttet und große Teile mitgerissen. Trümmer und Möbel wurden in bis zu 400 Metern Entfernung vom Hotel gefunden.

Am Freitagvormittag waren dann die ersten Überlebenden entdeckt worden. Sie hatten mehr als 40 Stunden in dem zerstörten Gebäude unter Schneemassen ausgeharrt. Italienische Medien zitierten die Mutter eines geretteten sechsjährigen Mädchens mit den Worten: „Wir haben es schon nicht mehr geglaubt, wir hatten keine Hoffnung mehr.“ Der erste Satz der sechsjährigen Ludovica nach der Rettung sei gewesen: „Ich möchte meine Kekse haben.“

Die tödliche Lawine war nach den Worten von Alpenexperte Valerio Segor zwar nur mittelgroße - sie habe aber eine solche Wucht gehabt, dass nicht einmal Stahlbeton ihr hätte standhalten können. Die Lawine hatte demnach eine Masse von 50 000 Tonnen, sei 500 Meter breit und bis zu 100 Stundenkilometer schnell gewesen, sagte er laut Nachrichtenagentur Ansa.

„Es war wie eine Bombe“

„Es war wie eine Bombe“, sagte Hotelgast Vincenzo Forti, der wie seine Freundin gerettet wurde. Experten der Forstpolizei verglichen die Wucht der Lawine mit der von 4000 Lkw. Gemeinsam mit zwei weiteren sei er auf etwa einem Quadratmeter Platz eingeschlossen gewesen. „Wir haben uns umarmt und von Schnee ernährt. In der Nähe hörten wir die Stimmen eines Mannes und mehrerer Kinder,aber wir konnten nicht mit ihnen Kommunizieren“, erzählte Forti. „Wir hatten riesige Angst und haben gebetet.“

Auch andernorts in Mittelitalien ist die Not groß: Wegen des vielen Schnees sind Tausende Haushalte seit Tagen ohne Strom, einige Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten. Die Menschen in den Abruzzen werden zudem seit August immer wieder von starken Erdbeben heimgesucht - am Mittwoch trafen vier Erdstöße der Stärke über 5 die Region. Experten rechnen mit weiteren Beben.

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dpa

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