Bergung nach Schiffsunglück macht Probleme

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Zwei schwimmende Kräne haben am Sonntag (17.07.2011) ihre Position auf der Wolga eingenommen, um das bei einem schweren Schiffsunglück vor einer Woche gesunkene Ausflugsschiff "Bulgaria" zu bergen.

Moskau - Knapp zwei Wochen nach dem Schiffsunglück auf der Wolga haben Rettungskräfte die untergegangene “Bulgaria“ fast geborgen. Jetzt wurden die Arbeiten unterbrochen, denn es gibt Probleme.

Russische Rettungskräfte entschieden am Samstag, die noch nicht ganz gehobene “Bulgaria“ für weitere Arbeiten in ruhigere Gewässer zu schleppen. “In zwölf Kilometer Entfernung befindet sich ein Stauwasserspeicher, dort ist das Auspumpen des Wracks technisch weniger aufwendig“, sagte ein Sprecher des Organisationsstabs nach Angaben der Agentur Interfax. Die Schleppfahrt des Wracks an den Spezialwinden der mächtigen Schwimmkräne “Mogutschij“ und “KPL-351“ sollte etwa vier Stunden dauern.

Unfassbare Katastrophe auf der Wolga

Tragisches Unglück auf der Wolga: Das Passagierschiff "Bulgaria" (hier ein altes Foto) ist gesunken © dpa
Beim Untergang des technisch maroden und völlig überladenen russischen Schiffes sind etwa 110 der rund 200 Menschen an Bord ums Leben gekommen. © dpa
Taucher untersuchten das Wrack und bargen die Leichen der Passagiere. Auch Dutzende Kinder ertranken qualvoll, als die mehr als 55 Jahre alte “Bulgaria“ bei Unwetter etwa drei Kilometer vom Ufer entfernt sank. © dpa
Das Unglücksschiff in der Teilrepublik Tatarstan transportierte am Sonntag nach offiziellen Angaben illegal Passagiere. © dpa
Die Betreiber hätten keine Lizenz zur Personenbeförderung gehabt, teilte die Ermittlungsbehörde am Montag nach Angaben der Agentur Interfax mit. © dpa
Die Staatsanwaltschaft sprach nach ersten Erkenntnissen von schweren technischen Mängeln. Demnach soll sich die “Bulgaria“ schon beim Ablegen in dem Ort Bolgar zur rechten Seite geneigt und zu tief im Fluss gelegen haben. © dpa
Auch war das Schiff mit etwa 200 Passagieren deutlich überladen. Auf ähnlichen Schiffstypen seien 120 Reisende erlaubt, hieß es. Etwa 25 Menschen hätten nicht auf der Passagierliste gestanden. © dpa
Nach Darstellung der Ermittler sank die “Bulgaria“ auch deshalb innerhalb weniger Minuten, weil die Fensterluken geöffnet waren und Wasser ungehindert einströmte. © dpa
Das Ausmaß der Katastrophe sorgte für Fassungslosigkeit © dpa
Hunderte Helfer und schwere Technik sollen nun das verunglückte Ausflugsschiff aus der Wolga bergen © dpa
Angehörigen trauern um Kapitän Alexandr Ostrovsky © dpa

Der Stauwasserspeicher verfüge über ein Reinigungsdock für Tankschiffe, auf das auch die “Bulgaria“ gelegt werden könnte, hieß es. Zuvor hatten die Rettungskräfte den Plan verworfen, die Bullaugen des Havaristen in einem aufwendigen Verfahren von Tauchern direkt am Unglücksort hermetisch verschweißen zu lassen. Der obere Teil des Doppeldeckschiffs ragt bereits aus dem Wasser. Die Arbeiten müssen immer wieder planmäßig für Sicherheitsüberprüfungen unterbrochen werden. “Beim Untergang ist die Ladung nach vorne gerutscht, daher ist der Bug viel schwerer als erwartet“, sagte der Sprecher. Das Schiff habe zudem Schlagseite.

Die Schwimmkräne hatten am Vortag das am 10. Juli untergegangene Ausflugsschiff an armdicken Stahlseilen aus 20 Meter Tiefe gezogen. Von der Bergung erhoffen sich die Ermittler Aufschlüsse über die Ursache der Katastrophe. Bei dem schwersten Schiffsunglück in Russland seit 25 Jahren waren auch viele Kinder ertrunken. Die technisch marode und mit etwa 200 Menschen völlig überladene “Bulgaria“ war in einem Unwetter rund 750 Kilometer östlich von Moskau gekentert. Wegen Verstoßes gegen die Sicherheitsbestimmungen sind die Generaldirektorin des Betreibers sowie ein Experte der lokalen Schifffahrtsbehörde in der Teilrepublik Tatarstan angeklagt.

dpa

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