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„Widerwärtig“: Mann filmt Berliner Polizist in „medizinischer Notsituation“ – Beamter stirbt

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Von: Michelle Brey

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Ein Video in den sozialen Medien verurteilt die Polizei Berlin aufs Schärfste.
Ein Video in den sozialen Medien verurteilt die Polizei Berlin aufs Schärfste. © Arno Burgi/dpa

Ein Video in den sozialen Medien sorgt für großes Aufsehen in Berlin. Ein Polizist starb, kurz zuvor wurde er noch von einem Mann gefilmt und verhöhnt.

Berlin/München – In Berlin herrscht nach einem schrecklichen Vorfall großes Unverständnis. Wie die Berliner Morgenpost berichtete, kursiert in den sozialen Medien ein Video von einem Polizisten, der einen Unfall im Dienst hatte. Dies bestätigte die Polizei Berlin am Donnerstag. Das Video zeige „einen Kollegen in einer medizinischen Notsituation“, heißt es in einem Tweet. Kurz nach den Aufnahmen sei der Kollege verstorben.

Erschreckender Vorfall in Berlin: „Abscheulich“ und „unfassbar“

„Dieses Video ist abscheulich, die Veröffentlichung unfassbar! Es macht mich fassungslos und wütend“, schrieb Dr. Barbara Slowik, die Präsidentin der Polizei Berlin, in einem Statement, das auf Twitter veröffentlicht wurde. Der Berliner Morgenpost zufolge ist in dem Video zu sehen, wie der Polizist hinter dem Steuer eines verunfallten Wagens sitzt. Er soll offenbar um sich geschlagen und mehrere Schreie ausgestoßen haben. Die filmende Person habe den Beamten als „völlig besoffen“ bezeichnet – statt Hilfe zu leisten. Bei der filmenden Person soll es sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge um einen Mann gehandelt haben.

„Selbst wenn man einer Fehleinschätzung der Situation unterliegt, ist es widerwärtig, ein solches Video zu erstellen, um damit einen hilflosen Menschen – einen hilflosen Menschen in Uniform – herabzuwürdigen“, so Slowik weiter. „Es ist widerwärtig, dass der Wert der Followerzahl und die vermeintliche Möglichkeit, die Polizei Berlin in den Schmutz zu ziehen, offenbar wichtiger war, als die Würde unseres Kollegen, eines Menschen, zu respektieren.“ Slowik sendete mit ihren Worten unter anderem „viel Kraft und Halt“ an die Angehörigen des Verstorbenen.

„Geschmacklos und strafbar“: Polizei verurteilt Video aufs Schärfste

Via Instagram verurteilte die Polizei die Verbreitung des Videos als „geschmacklos und strafbar“. Ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung werde geprüft. Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Polizeigewerkschaft, fand via Twitter ebenfalls deutliche Worte. Es schockiere, dass Menschen lieber zum Smartphone greifen würden, „anstatt einem offensichtlich in Not geratenen Menschen zu helfen“.

„Dass derartige Aufnahmen aus der reinen Gier nach Klicks und Aufmerksamkeit im Social Media verbreitet werden, zeigt einen mittlerweile stark verbreiteten digitalen Narzissmus, der strafrelevante Folgen haben muss“, stellte er klar. Indes bekundeten in den sozialen Medien etliche User ihr Beileid und drückten ebenfalls ihr Unverständnis aus. „Wie krank können Menschen denn noch sein?!“, schrieb ein Twitter-User. Auf Facebook kommentierte ein User den Beitrag der Polizei: „Die Angelegenheit macht mich fassungslos. Auch jeder, der das ansieht und verbreitet ist einfach herzlos und empathielos.“

Informationen der Berliner Morgenpost zufolge arbeitete der Polizist im Abschnitt 15 in Prenzlauer Berg. Laut der Zeitung wurde er 60 Jahre alt.

Indes sorgte ein schwerer Unfall in Brandenburg für Aufsehen. Zwei Jugendliche sind gestorben. Der Fahrer besaß keinen Führerschein. (mbr)

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