Vorher-Nachher-Aufnahmen aus Salzburg

Polizei: Bettler täuschen Behinderungen nur vor

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Flott durch die Stadt – vorher konnte dieser Mann sich nur auf Stümpfen bewegen.

Salzburg - Die Polizei in Salzburg hat Bilder veröffntlicht, die angeblich behinderte Bettler im wahren Leben zeigen. "In allen Fällen waren die Körperbehinderungen nur vorgetäuscht", so Polizeidirektor Franz Ruf.

"In Salzburg zu betteln bringt höhere Erlöse als anderswo“, sagt der Polizeidirektor der Festspielstadt, Franz Ruf, der jetzt zwei Fälle präsentierte, in denen Bettler von Hintermännern ausgebeutet und abkassiert wurden. „Vier Bettler aus der Slowakei haben innerhalb von 14 Monaten rund 63 000 Euro in Salzburg erbettelt“, so Ruf. Das gesamte Geld mussten sie an den 52-jährigen Slowaken Robert L. abgeben. In einem zweiten Fall wurden elf Rumänen ermittelt, die pro Monat rund 2000 Euro pro Person erbettelt und abgeliefert haben. „In allen Fällen waren die Körperbehinderungen nur vorgetäuscht“, so Ruf, der zum Beweis Vorher-Nachher-Bilder präsentierte. Er fordert jetzt von der dortigen Politik „zumindest ein Bettelverbot auf bestimmten Plätzen und Straßen“, doch die rot-grüne Stadtregierung kann sich dazu nicht durchringen.

Rund 100 bis 150 Bettler halten sich im Schnitt in der Mozart-Stadt auf. „Ein deutlicher Anteil davon ist gewerbsmäßig und betrügerisch unterwegs. Die Menschen werden von Hintermännern ausgebeutet und wenn sie zu wenig abliefern, werden sie auch geschlagen“, so Franz Ruf. Acht Beamte haben in den letzten Monaten die Bettler-Szene durchleuchtet, „und je mehr man in diese Szene eintaucht, desto mehr Abgründe tun sich auf“.

Im ersten Fall hat der polizeibekannte Slowake Robert L. in seiner Heimat mittellose, obdachlose und zum Teil alkoholabhängige Menschen angeworben. In Salzburg und anderen Städten mussten sie dann täglich von 7 Uhr bis 19 Uhr an festgelegten Standorten betteln. Vom erbettelten Geld sahen sie jedoch nichts, sie mussten alles an Robert L. abliefern. Dieser wiederum verspielte einen Großteil davon in Salzburger Spielcasinos, einen kleinen Teil des Geldes überwies er auf seine Konten in der Slowakei.

„Jeden Morgen um 7 Uhr gab es eine Art Befehlsausgabe“, schildert Polizeioffizier Karl-Heinz Pracher die Ermittlungsergebnisse, „die Bettler durften den Standort nicht verlassen, übernachtet haben sie im Freien an Autobahnraststätten, Robert L. dagegen schlief im Auto.“

Eine der Bettlerinnen hat sich der Polizei anvertraut. Robert L. musste nach einigen Tagen in U-Haft jedoch wieder entlassen werden. „Die Beweisführung ist sehr schwierig“, sagt Pracher, zudem würden sich die Bettler an wenig Konkretes erinnern, „teilweise wissen sie nicht einmal, in welcher Stadt sie sind“.

Auch im zweiten Fall präsentiert die Polizei Bilder, die in diesem Fall insgesamt elf Rumänen mit starken Behinderungen zeigen, die im Laufschritt davonlaufen können, wenn sie die Polizei sehen. „Diese Bande ist europaweit tätig, einige sind in Rumänien zum Teil wegen Diebstahl und Raub bereits im Gefängnis gesessen“, so der Polizeidirektor. In der Getreidegasse hatte ein Münchner Vater mit seinen zwei behinderten Söhnen einem der Bettler Geld gegeben. „Er sagte seinen Söhnen, dass es diesem Mann noch schlechter gehe als ihnen.“ Als er von den ermittelnden Beamten auf den Betrug aufmerksam gemacht wurde, bestand er darauf, eine Anzeige zu erstatten.

Nach Recherchen der Polizei haben neun der elf rumänischen Bettler Häuser und Grundstücke in Rumänien, „drei von ihnen sind wegen Raub und Diebstahl einschlägig vorbestraft“. Salzburg sei für diese gewerbsmäßigen Betrüger deshalb interessant, weil hier höhere Beträge zu erbetteln sind. Zudem können sich die Stadtpolitiker seit Jahren nicht auf ein härteres Vorgehen einigen, erst Anfang des Jahres ist ein Runder Tisch gescheitert. Die Polizei beklagt, dass die Recherche in der Bettler-Szene viele Kräfte binde. „Wir brauchen unbedingt ein Bettelverbot an bestimmten Plätzen und Straßen in der Innenstadt!“

 

Michael Hudelist

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