Bitte, vergesst uns nicht!

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Die Mutter auf dem Bild hat der Hunger ins Nachbarland Äthiopien getrieben

Mogadischu - Das Grauen hat in diesen Tagen einen Namen: Ostafrika. Millionen Menschen sind dort auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Somalia und der seit 60 Jahren schlimmsten Dürre in Ostafrika. So können Sie spenden:

Frauen, die sich kaum auf den Beinen halten können. Kinder, mit Augen ohne Hoffnung und aufgeblähten Hungerbäuchen. Ausgemergelte Männer, die ihre schwachen Mütter tragen. Das Grauen hat in diesen Tagen einen Namen: Ostafrika. Millionen Menschen sind dort auf einer oft wochenlangen Flucht vor dem Bürgerkrieg in Somalia und der seit 60 Jahren schlimmsten Dürre in Ostafrika.

„Bitte, vergesst uns nicht!“ Der Hilferuf der Menschen in Ostafrika hat in Deutschland eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. So kamen bei der Spendenaktion von Sternstunden e. V. und Bayerischem Rundfunk in nur zwei Tagen 3,83 Millionen Euro zusammen!

„Tatsächlich können Sie so den armen Menschen im Moment am besten helfen – mit Geldspenden“, bestätigt ZDF-Korrespondentin Ariane Vuckovic. Seit Mittwoch berichtet sie aus dem größten UN-Flüchtlingslager der Welt, aus Dadaab in Kenia an der Grenze zu Somalia. 400 000 Flüchtlinge drängen sich hier zusammen. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen und des Kinderhilfswerks Unicef kommen seit Januar jeden Tag an die 10 000 Menschen in Dadaab an, im Juni waren es sogar 30 000. „Die Flüchtlinge, die meisten stammen aus Somalia, sind in einem erbärmlichen Zustand“, erzählt Vuckovic im Gespräch mit der tz. Soeben hat die Journalistin mit einem Mann gesprochen, der mit seiner Familie zwei Monate zu Fuß aus Somalia geflüchtet war. Als er völlig entkräftet im Lager ankam, trug er seine 85-jährige Mutter in den Armen. Das Schicksal von Salma Mahmud aber geht Ariane Vuckovic besonders zu Herzen: „Als ihr Mann in Somalia an Malaria starb, machte sich die Witwe mit ihren vier Kindern auf den Weg nach Kenia. Im Camp kam sie nur mit einem ihrer Kleinen an – drei waren unterwegs verhungert.“

Früher hatte es auch in dem Bürgerkriegsland Somalia noch viele Hilfsorganisationen gegeben. Doch seit die islamistische Al-Shabaab-Miliz große Teile des Landes kontrolliert, werden ausländische Helfer mit dem Tod bedroht. Nun heißt das Hauptziel der Flüchtlinge: das UN-Lager Dabaab in Kenia, das übrigens schon vor 20 Jahren gegründet wurde. Es erscheint den armen Menschen wie das Paradies. Das Wichtigste: Es herrscht Frieden. „Jeder Flüchtling erhält bei der Ankunft zumindest eine Plane“, so Vuckovic. Das soll die Hitze und den ständigen Sandsturm abwenden. Dazu gibt es Schlafmatten, Decken, Töpfe, Geschirr und eine Lebensmittelration für zwei Wochen: Bohnen, Reis, Zucker, etwas Öl. In behelfsmäßigen Krankenstationen wird versucht, die vielen kranken Kinder, die nur noch aus Haut und Knochen bestehen, aufzupäppeln – doch viel zu oft gelingt das nicht…

Was jetzt hilft? Ariane Vuckovic: „Spenden! Das ist momentan das Einzige, was man tun kann. Damit nicht mehr so viele Kinder sterben müssen.“

K.B.

Hier können Sie spenden

Unicef-Spendenkonto der tz Stichwort „Nothilfe Horn von Afrika“

Konto 303040400

BLZ 700 800 00

Dresdner Bank Sternstunden-Sonderkonto des BR

Stichwort „Sternstunden – Wir helfen Kindern Hungerhilfe Ostafrika“

Konto 8000

BLZ 700 500 00

BayernLB

Menschen für Menschen

Karlheinz Böhms

Äthiopienhilfe

Konto 18180018

BLZ 701 500 00

Stadtsparkasse München

„In der Not ist Äthiopien für seine Nachbarn da“

Die Lage in Ostafrika spitzt sich dramatisch zu. Krieg und Hunger treiben die Menschen aus Somalia in die afrikanischen Nachbarländer. Bislang wurden 120 000 somalische Flüchtlinge in den Auffanglagern an der äthiopisch-kenianisch-somalischen Grenze registriert – und täglich werden es mehr. Dabei sind derzeit rund 4,5 Millionen Äthiopier selbst auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die tz sprach mit Axel Haasis, dem Geschäftsführer der Stiftung Menschen für Menschen, die seit Jahrzehnten in Äthiopien nachhaltige Entwicklungshilfe leistet.

Haben Sie Kontakt zu Helfern in der Krisenregion?

Axel Haasis: Seit drei Tagen sind Mitarbeiterteams in zwei Gebieten im Süden Äthiopiens unterwegs, um uns ein Bild von der Situation zu verschaffen und gegebenenfalls ein Nothilfeprogramm zu starten. Unsere Organisation ist eigentlich auf die Langzeithilfe spezialisiert.

Wodurch wurde die aktuelle Katastrophe ausgelöst?

Haasis: Ein wesentlicher Faktor ist sicher die Dürre am Horn von Afrika. Früher gab es etwa alle sieben Jahre eine derart extreme Trockenperiode, inzwischen haben wir diese Situation alle drei Jahre. Dazu kommen Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln, die zu einem Preisanstieg geführt haben. In den betroffenen Ländern müssen Strukturen geschaffen werden, die verhindern, dass solche Katastrophensituationen überhaupt entstehen. Die Menschen müssen beispielsweise in die Lage gebracht werden, Vorräte anlegen zu können, um Dürreperioden besser zu überstehen. Das muss in unsere Köpfe. Vielleicht brauchen wir dazu diese Schreckensbilder.

Wie kann ein armes Land wie Äthiopien den Ansturm der Flüchtlinge überhaupt bewältigen?

Haasis: Die Frage habe ich mir in den letzten Tagen auch schon gestellt. Ich habe Äthiopien immer als extrem gastfreundlich erlebt. In der Not ist man für den Nachbarn da. Und das, obwohl es wirklich nicht viel gibt, was die Menschen dort mit anderen teilen können.

sas

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