Planen und Sandsäcke reichen nicht als Schutz

Bitterkalt: Sharis Familie haust in einem Rohbau

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Shari und ihr Bruder Salar wärmen sich wie die anderen Familienmitglieder an der Feuerschale.

Dohuk - Gemeinsam mit UNICEF bittet die tz um Spenden für Terror-Opfer im Irak. Heute berichten wir von Shari, die mit ihren Eltern in einem Rohbau in Dohuk haust.

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Die Zehen von Shari werden gar nicht mehr richtig warm. Und ihre Socken trocknen nicht. Alles ist klamm. Shari spürt das nicht mehr. Das Mädchen (9) hat sich schon an das feucht-kalte Gefühl gewöhnt. In dem Rohbau in Dohuk, in dem Shari und ihre sechs Geschwister und die Eltern hausen, wird es nie richtig warm oder trocken im Winter. Die Temperaturen schwanken. Je nach Witterung erreichen sie hier im absoluten Norden des Iraks auch Minusgrade. Mit Planen hat sich die Familie von Shari einen eigenen Raum abgetrennt. Der Boden ist nicht eben, deshalb läuft bei Regen das Wasser hinein. Mit Sandsäcken versuchen die Menschen hier in der Ruine die Regenmassen abzuhalten. Von überallher holen sie Baumaterial, das nicht gebraucht wird, um aus diesem Rohbau eine einigermaßen erträgliche Behausung zu machen.

Shari und ihr Bruder Salar.

Sharis Vater Hassan Tahar Juwana war bis vor ein paar Monaten ein zufriedener Mann mit einem gewissen Wohlstand. Der 50-Jährige ist Bauer und hatte einen kleinen Gemischtwarenladen und eine funktionierende Landwirtschaft in den Bergen von Sinjar. Alle 142 Bewohner hier in dem Haus kommen aus der Gegend. Sie sind Jesiden. Diese religiöse Minderheit mit mehreren Hunderttausend Angehörigen hat sich ursprünglich im nördlichen Irak, in Nordsyrien und in der südöstlichen Türkei niedergelassen. Für die Terroristen des IS sind die Jesiden „Ungläubige“, die verfolgt, versklavt und ermordet werden müssen.

Hassan küsst sein jesidisches Heiligtum, eine Perle.

Hassan lässt sich seinen Glauben nicht nehmen. In ihm findet er Kraft und Hoffnung. „Wir müssen daran ganz tief und von ganzem Herzen glauben, dass es irgendwann mal wieder wie früher wird“, sagt das Familienoberhaupt.

Er zeigt auf ein violettes Seidentuch, das mit Silberfäden durchwirkt ist. Es hängt an einem grünen Kleiderbügel. Der einzige in dem Raum. Das Tuch ist für die jesidische Familie von besonderer Bedeutung, deshalb diese besondere Behandlung. In ihm ist ein heiliger Schatz eingewickelt. Eine kleine Silberperle, die Hassan von einer Wallfahrt zum heiligsten Ort der Jesiden, dem Lalisch, vor vielen Jahren mitgebracht hatte.

Der Regen macht vor keinem Raum Halt.

„Bislang waren wir so immer gut begleitet. Der IS hat es nicht geschafft, uns zu töten, obwohl wir schon in deren Gewehrläufe geschaut haben. Doch jetzt weiß ich nicht mehr, wie ich meine Familie weiter beschützen soll. Alle unsere Ersparnisse sind weg, ohne die Hilfe von außen, ohne die Spenden, für die wir so dankbar sind, können wir es nicht schaffen“, flüstert Hassan.

Die Bewohner der Bauruine in Dohuk: Manche Kinder teilen sich ein Paar Schuhe.

Er schämt sich, dass er um Decken, um Kleidung für seine Kindern betteln muss. Um Brennmaterial, damit die Feuerschale vor dem abgetrennten und verhängten Raum wenigstens ab und zu angefeuert werden kann. Shari sagt: „Es ist so bitterkalt. nachts ziehe ich alles an, was ich habe, aber trotzdem zittere ich die ganze Zeit.“

tz-Aktion mit Unicef: Bilder aus den Krisengebieten

tz-Aktion mit Unicef: Bilder aus den Krisengebieten

Naro stürzte fünf Meter tief

Naro Edo (2) erlitt durch den Sturz eine Gehirnerschütterung.

Wie ein kleiner Engel liegt Naro Edo (2) auf ihrer Matte. Sie schläft tief und fest. „Hoffentlich wird sie wieder ganz gesund“, sagt ihre Mutter Hado. Es ist erst ein paar Tage her, dass Naro Edo dieser Unfall in dem Rohbau (siehe oben) passiert ist. Das Mädchen spielte mit anderen Kindern. Den genauen Ablauf kann keiner erklären. Wie das so ist, wenn viele Kinder auf einem engen Raum zusammen sind, muss es zu einem Gerangel gekommen sein. N

Mit einem Baugitter ist das Treppenhaus nun gesichert.

aro Edo stürzte. Und weil kein Geländer, kein Netz die Stockwerke und Gefahrenstellen absichert, fiel das Mädchen fünf Meter in die Tiefe. „Erst war es ganz still und ich dachte, sie ist tot“, erzählt Hado. Dann endlich das erlösende Schreien. Prellungen und eine Gehirnerschütterung stellten Ärzte später fest, keine Brüche, keine inneren Verletzungen. Ein kleines Wunder. Naro Edo wird wieder ganz gesund werden.

Dorit Caspary

tz-Aktion für Unicef: Spenden Sie für Flüchtlingskinder

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