Auf diesem Plakat lachen die kaltblütigen Nazis

Karlsruhe - Wer hat dem rechten Terror-Trio geholfen? Die Ermittler setzen mit einer Plakataktion auf Hinweise aus der Bevölkerung. Dabei könnten weitere Straftaten der Zwickauer Zelle ans Tageslicht kommen.

Seit drei Wochen ermitteln Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) gegen mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer der Neonazi-Terrorgruppe NSU. Am Donnerstag wandten sich die Fahnder an die Öffentlichkeit - in zweifacher Weise. Zum einen mit der ersten gemeinsamen Pressekonferenz des neuen Generalbundesanwalts Harald Range und des seit Jahren amtierenden BKA-Chefs Jörg Ziercke. Zum anderen durch die Veröffentlichung eines Fahndungsplakats. Denn bislang habe man nur 240 bis 250 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten, sagte Ziercke.

Mit diesem Fahndungsplakat sucht das BKA nach Tätern und Helfern der Terrorzelle.

“Das Bundeskriminalamt bitte um Ihre Mithilfe“, heißt es deshalb auf dem Plakat. Es zeigt fröhlich lächelnde Gesichter des Neonazi-Trios, das für eine beispiellose Mordserie in Deutschland verantwortlich sein soll: Zu sehen sind die beiden am 4. November tot aufgefundenen mutmaßlichen Haupttäter Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sowie die inhaftierte mutmaßliche Mitgründerin des “Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU), Beate Zschäpe.

Die rechte Terrorzelle - Chronologie der Ereignisse in Bildern

Die rechte Terrorzelle - Chronologie der Ereignisse in Bildern

Diese drei mutmaßlichen NSU-Mitglieder hielten sich bereits seit Anfang 1998 vor den Ermittlungsbehörden verborgen. Sie nutzten Decknamen und bewegten sich mit angemieteten Pkw und Wohnmobilen sowie auf Fahrrädern, die sie auch für die Vorbereitung ihrer Straftaten einsetzten. Die Ermittler wollen nun wissen, wer diese Personen wo gesehen hat. Dadurch erhoffen sie sich Hinweise auf weitere Unterstützer oder Kontaktpersonen des Trios.

Eine wichtige Rolle spielen dabei Wohnmobile, die von den NSU-Terroristen nicht nur für ihre Taten, sondern auch für Urlaubsreisen benutzt worden sein sollen. “Wo sind die Personen - auch im Zusammenhang mit Pkw, Wohnmobil beziehungsweise Fahrrädern - auf Parkplätzen, Campingplätzen oder sonst im öffentlichen Verkehrsraum aufgefallen?“, wird gefragt. Ein Modell des “Täterfahrzeugs“, das im Fall der 2007 in Heilbronn erschossenen Polizistin mutmaßlich verwendet wurde, ist auch abgebildet: “Wohnmobil Chausson/Fiat Ducato“, heißt es knapp.

Die Neonazi-Terrorgruppe soll von September 2000 bis April 2006 in Nürnberg, München, Hamburg, Rostock, Dortmund und Kassel acht türkischstämmige und einen griechischen Kleinunternehmer erschossen haben. Dabei wurde laut BKA in allen Fällen eine Pistole der Marke Ceska mit Schalldämpfer eingesetzt. In den Ceska-Mordfällen ist nach Angaben der Ermittler eine Belohnung von 300.000 Euro ausgelobt.

DVD des Sadismus: Bilder aus dem Video der NSU

DVD des Sadismus: Bilder aus dem Video der NSU

Derzeit befinden sich vier Beschuldigte in Untersuchungshaft. Dies sind neben Zschäpe die drei mutmaßlichen Terrorhelfer Holger G., Andre E. und Ralf Wohlleben, der NPD-Spitzenfunktionär war. Im Zuge ihrer Ermittlungen gegen die Neonazi-Terrorgruppe verdächtigt die Bundesanwaltschaft aber mehrere weitere Personen. Range sagte am Donnerstag in Karlsruhe: “Wir haben eine gute Handvoll weiterer Personen im Visier.“ Es gehe nun darum zu ermitteln, ob es möglicherweise “Hintermänner“ und weitere Unterstützer des NSU gebe.

Man könne davon ausgehen, dass der NSU bei der Auswahl der Opfer gezielt und “planvoll“ vorgegangen sei, sagte Range. Ziercke geht davon aus, dass dies auch beim Polizistenmord in Heilbronn der Fall war und nicht die Polizisten den Tätern “in die Quere gekommen“ sind.

Laut Range hat die Terrorgruppe “aus rechtsradikalen Motiven in bisher nicht bekannter Brutalität, Kaltblütigkeit und Fremdenhass zehn Menschen ermordet und mehrere Personen zum Teil schwer verletzt.“ Der Generalbundesanwalt appellierte schließlich auch an “Menschen, die sich in der rechten Szene bewegen“. Sie sollten angesichts der schrecklichen Taten der NSU darüber nachdenken, ob sie nicht “aussteigen“ wollten.

Von Norbert Demuth

Rubriklistenbild: © BKA

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