Feier auf Fähre artet aus

Bodensee: Corona-Eklat um diese Party - Fotos sorgen für Entsetzen

Eine Fähre fährt auf dem Bodensee in den Hafen von Friedrichshafen ein.
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Viel Platz für viele Menschen: Auf einer ähnlichen Fähre feierten 600 Menschen trotz Corona-Krise auf dem Bodensee eine Party.

Auf dem Bodensee feierten 600 Elektro-Fans auf einer Fähre. Masken wurden laut Veranstalter zwar verteilt, aber offenbar zu wenig getragen, auch die Abstände waren problematisch. Erst kam die Polizei, jetzt schaltet sich die Politik ein.

  • Trotz Corona-Krise wurde am Sonntag, 20. September auf einer Bodensee-Fähre eine große Party mit 600 Gästen veranstaltet.
  • Wegen lauter Musik griff die Wasserschutzpolizei ein.
  • Nun droht dem Veranstalter weiterer Ärger - denn das Sicherheitskonzept wies augenscheinlich erhebliche Mängel auf.

Romanshorn/München - Event-Veranstalter wandeln in Corona-Zeiten auf einem enorm schmalen Grat. Ihre Branche liegt seit Monaten quasi brach, weil sich Zusammenkünfte von Massen auf engem Raum eben so gar nicht mit den ausgesprochenen Sicherheitskonzepten während der Pandemie vertragen. Dennoch streben natürlich auch die Party-Macher endlich wieder Einnahmen für die stetig klammer werdenden Kassen an, setzen sich dabei jedoch automatisch der Gefahr aus, einer Verbreitung des Virus Tür und Tor zu öffnen und als Gastgeber von Superspreader-Events geächtet zu werden.

So musste auch Rouven Hörler abwägen, ob er das Risiko wirklich eingehen soll. Der Party-Organisator entschied sich dafür. Und lud am Sonntag (20. September) 600 Feiernde auf die Bodensee-Fähre Euregia, die nach offiziellen Angaben für bis zu 700 Personen zulässig ist und neben einer Eventbühne auch ein großes überdachtes Sonnendeck bietet. Zwar gibt es noch keine Hinweise darauf, dass sich Sars-CoV-2 unter den zumeist jungen Party-Gästen an Bord ausgebreitet haben könnte. Dennoch müssen sich sehr wahrscheinlich Gerichte mit dem Geschehen auf der Euregia beschäftigen, die im normalen Tagesbetrieb zwischen Friedrichshafen und Romanshorn in der Schweiz verkehrt.

Party trotz Corona auf Bodensee-Fähre: Wegen Lautstärke rückt die Wasserschutzpolizei an

Wie das in St. Gallen erscheinende Tagblatt berichtet, habe es zeitig Beschwerden gegeben, weil die laute Elektro-Musik bis zum deutschen Ufer zu hören gewesen sei. Laut Thurgauer Kantonspolizei sei deshalb die deutsche Wasserschutzpolizei im Einsatz gewesen, berichtet die Zeitung. Nach einem Hinweis der Ordnungskräfte sei die Lautstärke zwar gedrosselt worden, allerdings hätte kaum jemand auf der Fähre eine Maske getragen. Dies habe das Thurgauer Amt für Gesundheit von mehreren Personen gemeldet bekommen.

Entsprechend würden nun rechtliche Konsequenzen gegen den Veranstalter geprüft. Denn für die Ausarbeitung und Überwachung des Sicherheitskonzepts war eben Hörler mit seinem Team zuständig. Schließlich bestand an Deck keinerlei Möglichkeit, den erforderlichen Abstand einzuhalten. Dass das Partyvolk dichtgedrängt und überwiegend maskenlos feierte, dokumentieren zahlreiche Fotos und Videos, die zwischenzeitlich in den sozialen Netzwerken kursierten. Auf diesen Aufnahmen, die auf der Fähre entstanden sein sollen, beispielsweise ist zu sehen, dass zwar viele Gäste Masken trugen, aber nicht alle - und von Abständen ist wenig zu entdecken.

Party trotz Corona auf Bodensee-Fähre: Veranstalter erklärt im Interview sein Sicherheitskonzept

Im Interview mit dem Südkurier aus dem baden-württembergischen Konstanz an der Schweizer Grenze verteidigte sich Hörler entschieden. „Beim Einstieg haben wir gratis Masken verteilt, ohne Maske durfte man nicht aufs Schiff“, betonte er: „An der Bar konnte sich jeder während des Events eine zweite Maske abholen.“ Zudem sei auf Plakaten und einer großen LED-Anzeige auf die Pflicht zur Mund-und-Nasen-Bedeckung hingewiesen worden.

Auch habe er die Daten aller Gäste aufgenommen. Ohnehin wollte er rein gar nichts dem Zufall überlassen: „Ich habe das Schutzkonzept mit einer Anwaltskanzlei aus St. Gallen ausgearbeitet.“ Jedoch habe er festgestellt, „dass die Maskenpflicht bei Events dieser Größe schwierig umsetzbar ist“. Deshalb habe er für sich den Entschluss gefasst, „keine Events mit Maskenpflicht mehr organisieren“ zu wollen.

Hörler kündigte an, den Dialog mit dem zuständigen Kanton zu suchen. Allerdings stellt er in Richtung Politik auch diese Frage: „Warum hat er (der Kanton) mein Schutzkonzept nicht eingefordert und mich auf Mängel aufmerksam gemacht?“

Party trotz Corona auf Bodensee-Fähre: Regierungsrat „kritisiert Verhalten aufs Schärfste“

Vom Regierungsrat heißt es, er „kritisiert das Verhalten der Veranstalter und der Besucherinnen und Besucher aufs Schärfste und findet es sträflich, dass sich ein Veranstalter derart über die bestehenden Schutzkonzepte“ hinwegsetze. Zwar würden im Kanton Thurgau Schutzkonzepte für Veranstaltungen unter 1000 Personen aktuell keiner Bewilligung unterliegen, allerdings liege „die Erstellung und Umsetzung in der Verantwortung des Veranstalters“.

Sei das Konzept untauglich oder werde es inkonsequent umgesetzt, würden Konsequenzen drohen. Für künftige Veranstaltungen würden bereits weitere Maßnahmen geprüft. (mg)

Bei einer illegalen Corona-Party werden viele Regeln missachtet - also die Polizei eingreift, eskaliert die Situation. Wegen einer wilden Corona-Party fliegt ein geheimer Club in München auf - die Polizei rückt mit einem Großaufgebot an.

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