Uwe Boll will Schocker über KZ Auschwitz drehen

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Ein Bild aus dem Trailer: Regisseur Uwe Boll steht in SS-Uniform vor einer Gaskammer.

Auschwitz - Uwe Boll, der als umstrittenster deutscher Regisseur gilt, will einen Schocker über das Konzentrationslager Auschwitz drehen. Ein geschmackloser Trailer ist bereits im Netz aufgetaucht.

An Uwe Boll (45) scheiden sich die Geister: Den meisten Filmkritikern gilt der Literaturwissenschaftler mit Doktortitel als schlechtester Regisseur der Welt. Er wurde vor allem durch die Verfilmung von Videospielen bekannt und für diese Werke regemäßig verrissen.

2009 gewann er die Negativ-Auszeichnung "Goldene Himbeere" als „Schlechtester Regisseur“ für die drei Filme "Postal", "1968 Tunnel Rats" und "Schwerter des Königs – Dungeon Siege". Außerdem bekam er die "Goldene Himbeere" in der Kategorie "Schlechtestes beisheriges Lebenswerk." Eine Internet-Petition, die Boll aufforderte, das Drehen endgültig sein zu lassen wurde mehr als 100.000 Mal unterzeichnet.

Wenigen anderen gilt Boll als genialer Provokateur der etablierten Filmszene.

Zuletzt hatte Boll mit Boxer Henry Maske einen Film über die deutsche Boxlegende Max Schmeling gedreht, der in absehbarer Zeit in die Kinos kommen soll.

Mit seinem neuestes Werk überschreitet Boll aber die Grenze des guten Geschmacks bei weitem. Er will offensichtlich einen Schocker-Film über das Konzentrationslager Auschwitz drehen. Zwischen 1940 und 1945 wurden in diesem KZ über 1,1 Millionen Menschen ermordet: Vergast, erschossen und mit Arbeit zu Tode gequält. Berüchtigt sind auch die skrupellosen Menschenversuche in Auschwitz. Kurzum: Kaum ein Thema der Menschheitsgeschichte ist derart ungeeignet für einen reißerischen Boll-Film. Der Regisseur hat das KZ übrigens in einem Interview einmal als "menschliche Fleischfabrik" bezeichnet.

Die meistgesuchten Nazi-Verbrecher

Sie haben sich dem Zugriff der Justiz entzogen. Auf der Liste der meistgesuchten Nazi- Kriegsverbrecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem stehen folgende Namen: © dpa
ALOIS BRUNNER (Jahrgang 1912) in Syrien: Der wichtigste bislang strafrechtlich nicht verfolgte Nazi-Kriegsverbrecher ist möglicherweise nicht mehr am Leben. © dpa
Der ehemalige SS-Hauptsturmführer soll als “Ingenieur der Endlösung“ für den Tod von etwa 130 000 Juden aus mehreren Ländern verantwortlich sein. © dpa
Brunner wurde das letzte Mal im Jahr 2001 in Damaskus (Syrien) gesehen. © dpa
ARIBERT HEIM (1914) in Ägypten: Der als “Dr. Tod“ berüchtigte frühere KZ-Arzt soll 1992 mit 78 Jahren in Kairo gestorben sein. Als Beleg gilt ein Auszug aus dem Sterberegister. © dpa
Aufgrund einer beim Bundesfinanzhof anhängigen Steuersache schließt das Wiesenthal- Zentrum jedoch nicht aus, dass Heim noch lebt. © dpa
Er soll in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Buchenwald und Mauthausen zahlreiche Menschen ermordet haben, viele durch Injektionen ins Herz. © ZDF
SANDOR KEPIRO (1914) in Ungarn: Der Polizeioffizier wird verdächtigt, an der Ermordung von mehr als 1200 Zivilisten im serbischen Novi Sad teilgenommen zu haben. © dpa
MILIVOJ ASNER (1913) in Österreich: Der ehemalige Polizeichef in Kroatien soll aktiv an der Verfolgung und Deportation von Serben, Juden sowie Sinti und Roma beteiligt gewesen sein. © AP
KLAAS CARL FABER (1922) in Deutschland: In den Niederlanden wurde er für den Tod von Gefangenen 1944 zum Tode verurteilt. © dpa
Das Urteil wurde 1948 in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. 1952 flüchtete er aus dem Gefängnis und lebt seit Jahrzehnten in Ingolstadt. © dpa
SOEREN KAM (1921) in Deutschland: Das ehemalige SS-Mitglied soll für den Tod eines dänischen Journalisten verantwortlich sein und die Deportation der jüdischen Gemeinde in Dänemark in deutsche Konzentrationslager ermöglicht haben. © dpa
Wegen Tötung in Dänemark verurteilt, lebt Kam heute in Kempten im Allgäu. © dpa
MICHAIL GORSCHKOW (1923) in Estland: Laut Wiesenthal-Zentrum war er am Mord an Juden in Weißrussland beteiligt. © dpa
ALGIMANTAS DAILIDE (1921) in Deutschland: Er soll Juden festgenommen haben, die später von Nationalsozialisten getötet wurden. © dpa
Von den USA ausgeliefert wurde er in Litauen verurteilt, musste seine Haft aber wegen seines Gesundheitszustands nicht antreten und lebt heute in Sachsen. © dpa

Im Netz ist jetzt ein Trailer zu Bolls Auschwitz-Film aufgetaucht. Dieser setzt wie zu erwarten ausschließlich auf Schockmomente.

Der deutsche Regisseur höchstselbst steht in SS-Uniform (!) vor der Tür einer Gaskammer. Die Kamera wandert zu einem Guckloch ins Innere. In der Kammer schreien nackte Menschen elend um Hilfe. Einige werden beim Ersticken gezeigt. Anschließend ist zu sehen, wie einem Toten die Zähne gezogen werden. Zum Ende des Trailers wird eine Kinderleiche in einen Krematoriums-Ofen geschoben. Damit dürfte klar sein: Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem industriellen Massenmord im KZ wie etwa in der renommierten TV-Serie "Holocaust" ist vom Krawall-Regisseur Boll keinesfalls zu erwarten.

Auf einer Fanseite zu Uwe Boll ist weiterhin zu erfahren, dass der Film im Februar und März dieses Jahres im kroatischen Zagreb gedreht wurde. Noch gibt es keine größere Werbekampagne zu diesem Boll-Film. Aber Interview-Äußerungen des Regisseurs sowie dessen Auftritt im Trailer lassen ahnen, dass er es mit diesem Projekt Ernst meint.   

Aus Gründen der Pietät verzichten wir darauf, den Trailer zu verlinken!

fro 

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