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Vierte Corona-Impfung nötig? Lauterbach bereitet Altersgruppe schon darauf vor - denn Booster hat einen Haken

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Von: Martina Lippl

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Vierte Impfung gegen Corona? Wer und wann bekommt in Deutschland den vierten Pieks? © Sylvio Dittrich/imago

Braucht es eine vierte Impfung, um die Corona-Pandemie zu stoppen? Aktuell dreht sich alles um die dritte Dosis, den Booster. Doch Lauterbach hat bereits die vierte Impfung in Spiel gebracht.

Berlin - Die Omikron-Welle nimmt auch in Deutschland Tempo auf. Die neue Coronavirus-Variante stellt vieles auf den Kopf. Boostern ist aktuell angesagt. Angesichts von Omikron kann von bei zwei Impfdosen von einem vollständigen Impfschutz keine Rede sein. Jetzt starten die Diskussionen über eine vierte Impfdosis. Ist eine vierte Dosis sinnvoll? Wer sollte eine vierte Dosis bekommen? Wie viele Corona-Impfungen kommen noch?

Die Gesundheitsminister der Länder haben am Montag (10. Januar) über eine mögliche vierte Corona-Schutzimpfung beraten. Eine konkrete Entscheidung wurde bisher nicht getroffen. Für eine vierte Dosis für besonders vulnerable Gruppen gebe es bisher noch keine wissenschaftliche Grundlage. Die Prüfungen dazu insbesondere durch das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Bundesgesundheitsministerium dauerten noch an. Bislang fehlte eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), dass sich Ältere oder Immunschwache ein viertes Mal wegen Omikron impfen lassen sollen. Am 3. Februar hat die Stiko eine für bestimmte Gruppen eine Empfehlung abgegeben: Stiko empfiehlt den zweiten Booster für Menschen ab 70 Jahren und Menschen mit Immunschwäche sowie Beschäftigte in medizinischen und Pflegeeinrichtungen.

Vierte Corona-Schutzimpfung in Sicht? Lauterbach will Daten abwarten

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hält eine vierte Impfung vor allem für die ältere Bevölkerung für nötig. Das sagte Lauterbach in der ARD-Talkshow bei „Hart aber fair“ am Montag. Allerdings fehlten belastbare Studiendaten, um eine klare Aussage und Empfehlung auszusprechen. Diese wolle Lauterbach noch abwarten.

Schon vor Weihnachten ging der SPD-Politiker, wie andere Experten, davon aus, dass eine vierte Corona-Impfung nötig wird. Der Gesundheitsminister sagte auf eine entsprechende Nachfrage auf einer Pressekonferenz in Berlin, man wisse nicht, wie lange der Booster-Schutz bei der Omikron-Variante anhalte – möglicherweise nicht allzu dauerhaft. 

Warum braucht es überhaupt eine vierte Corona-Impfung?

Nach einem Booster nimmt der Impfschutz gegen die Omikron-Variante Studien zufolge deutlich zu. Der Booster ist nach Ansicht von Experten unverzichtbar. Der Haken: Nach mehr als zehn Wochen fällt auch die Booster-Schutzwirkung nach derzeitigen Erkenntnissen um etwa 50 Prozent. Besonders bei älteren Menschen und medizinischem Pflegepersonal in Deutschland liegt die dritte Impfung teilweise schon etwas länger zurück. Um das Immunsystem wieder auf Trab zu bringen, könnte eine vierte Impfdosis helfen. Israel hat sich deswegen angesichts steigender Infektionszahlen zu einer vierten Schutzimpfung entschlossen.

Wichtig: Generell senkt eine Corona-Schutzimpfung, unabhängig vom Impfstoff, das Risiko schwer an Covid-19 zu erkranken. Einen 100-prozentigen Schutz vor einer Infektion bietet eine Impfung jedoch nicht.

Und: Biontech/Pfizer und Moderna arbeiten bereits an einem speziellen Omikron-Impfstoff. Bereits im März könnte eine auf die neu aufgetauchte Virusvariante zugeschnittene Version bereitstehen, kündigte Biontech/Pfizer am Dienstagabend (11. Januar) an. Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech habe mit der Produktion eines an die Omikron-Variante angepassten Corona-Impfstoffs für eine spätere kommerzielle Nutzung begonnen. Ende Januar werde eine klinische Studie zu dem Impfstoff beginnen.

Zweite Booster-Impfung: Das sagen Daten aus Israel über den Effekt einer vierten Impfung

In Israel ist die vierte Impfung gegen Corona bereits gestartet. Besonders Risikogruppen, Menschen mit Immunschwäche und über 60-Jährige werden dort bereits mit einer vierten Dosis Biontech/Pfizer geimpft. Erste vorläufige Ergebnisse liegen bereits vor.

Eine vierte Impfdosis mit Biontech/Pfizer erhöht, laut einer israelischen Studie, die Zahl der Antikörper gegen die Omikron-Variante binnen einer Woche um das Fünffache. Die ersten Daten aus Israel seien nach Ansicht einer Expertin wenig überzeugend.

„Wir sehen einen bestimmten Anstieg der Antikörper, aber der Anstieg ist nicht sehr beeindruckend“, erklärte Studienleiterin Professor Gili Regev der israelischen Nachrichtenseite ynet. Zumal hinzukomme, dass Personen schon kurz nach der vierten Impfung wieder auf dem gleichen Antikörper-Level seien wie kurz nach der dritten Dosis. Regev habe sich von einer zweiten Booster-Impfung mehr erhofft. Es könne nicht das Ziel sein, sich etwa alle vier Monate erneut gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Sie sei zwar froh, dass man gefährdeten Bevölkerungsgruppen wie Immungeschwächten und über 60-Jährigen in Israel bereits die vierte Dosis gebe, sagte Regev. „Aber ich bin mir wirklich nicht sicher, ob man sie nun allen geben sollte. Wir brauchen noch mehr Informationen.“ Allerdings lässt sich von der Höhe des Zuwachses an Antikörpern nicht automatisch darauf schließen, inwieweit sich der tatsächliche Schutz vor Infektion oder Erkrankung verbessert.

Die Expertin spricht sich jedoch klar für einen ersten Booster aus. „Wer die erste und zweite Dosis bekommen hat, muss dringend auch die dritte bekommen.“ Wer noch keinen Booster erhalten habe, solle zur Impfstation „rennen“, riet sie.

Israel versucht es jetzt Impfstoff-Kombinationen: 150 Teilnehmer im Schiba-Krankenhaus sollen nach drei Dosen des Präparats von Biontech/Pfizer eine vierte Impfung mit Moderna erhalten. „Es kann sein, dass eine Kombination von Impfstoffen besser ist“, sagte Regev. Es sei weltweit der erste Versuch mit einer vierten Impfung mit kombinierten Vakzinen.

Das sagen Experten zur vierten Corona-Impfung

Hausärzteverband-Chefs Ulrich Weigeldt rechnet mit weiteren Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus. „Wir rechnen damit, dass im Sommer, spätestens im Herbst eine vierte Impfung nötig sein wird“, sagte er der Bild-Zeitung im Dezember. Er hoffe darauf, dass die vierte Corona-Impfung dann „schon in Verbindung mit der Grippe-Impfung“ verabreicht werden könne, „um den Schutz vor Corona in eine Routine zu überführen“.

Nach Ansicht von Immunologe Carsten Watzl sei es erstmal wichtig, durch einen engmaschigen Impfschutz die Virusverbreitung einzudämmen, wie focus.de berichtet. Es gäbe noch zu große Impflücken, immer noch seien nicht alle ausreichend vor schweren Krankheitsverläufen geschützt. Der Schutz vor schweren Covid-19-Verläufen sei seiner Ansicht das primäre Ziel und der lasse viel langsamer nach als der Schutz vor einer bloßen Infektion. Regelmäßige Booster könnten bei Risikogruppen sinnvoll bleiben. Bei jüngeren und gesunden Menschen nur, wenn sich das Virus gravierend verändere.

Epidemiologe Timo Ulrichs äußert sich im RTL-Talk zurückhaltend: „Ob wir das in Deutschland auch machen müssen, hängt ein bisschen von der epidemiologischen Lage ab.“ Es bleibt seiner Meinung nach abzuwarten, ob tatsächlich ein Komplettschutz noch erforderlich sei, wenn der Infektionsdruck nachlasse. Nach der Omikron-Welle, die jetzt durch Deutschland gehe, „könnte es sein, dass wir im Frühling und Sommer wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten“. Wenn der Impfschutz dann nicht mehr zu hundert Prozent da ist, sollte es ausreichen, eine weitere Ausbreitung des Virus zu hindern. Um die kritische Phase jetzt besser zu durchlaufen, könne man über eine vierte Impfung bei älteren Menschen jedoch durchaus nachdenken.

Gibt es genügend Impfstoff für eine vierte Schutzimpfung?

Gesundheitsminister Lauterbach „Darauf sind wir vorbereitet und haben spezifischen Omikron-Impfstoff gekauft beim Unternehmen Biontech.“ Lauterbach sprach von insgesamt 80 Millionen Dosen, mit denen ab April oder Mai gerechnet werde. Zusätzlich solle auch wieder Moderna-Impfstoff beschafft werden. (ml mit Material der dpa)

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