Ursache weiter unklar

Brech-Durchfall: Krankheitswelle ebbt ab

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Betroffen waren 342 Schulen und Kindergärten. Alle wurden von demselben Caterer Sodexo aus dem hessischen Rüsselsheim beliefert.

Berlin - Nach der Epidemie mit tausenden Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen geben Behörden eine erste Entwarnung. Doch nach der Ursache suchen Experten weiterhin fieberhaft.

Die Welle der Brechdurchfall-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland ebbt ab. Das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtete am Sonntag, der Höhepunkt der gemeldeten Fälle sei bereits am vergangenen Mittwoch und Donnerstag erreicht worden. Nach Mahlzeiten in Schulen und Kindertagesstätten waren mit Stand vom Sonntag mindestens 8365 Jugendliche und Kinder sowie einige Erwachsene in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erkrankt. Die Ursachen der Erkrankungen sind aber noch nicht geklärt.

Das für Ernährung zuständige Bundesministerium geht aber davon aus, dass es „nach den vorliegenden Zahlen deutliche Anzeichen für Entspannung gibt.“ Dies sagte Ministeriumssprecher Holger Eichele. Betroffen waren 342 Schulen und Kindergärten. Alle wurden von demselben Caterer Sodexo aus dem hessischen Rüsselsheim beliefert.

Die Experten der eigens eingerichteten Task-Force untersuchten vor allem Proben von Essenlieferanten, die Speisepläne und Lieferwege und werteten Laborergebnisse aus. Dabei gab es am Wochenende erste Anhaltspunkte: In Sachsen und Thüringen ist das hochansteckende Norovirus in einigen Fällen als Erreger nachgewiesen worden. Es führt zu Durchfall und Erbrechen und geht oft mit Schmerzen, Übelkeit und Fieber einher.

Norovirus: Das sind die schlimmsten Fälle

Kantinenessen
Schmerzen, Übelkeit und Fieber - Salmonellen und auch das Norovirus führen zu Durchfall und Erbrechen. Oft sind Schulen und Kindergärten betroffen. Einige Fälle:  © dpa
September 2012: Mindestens 4000 Kinder und Jugendliche und vereinzelt auch Lehrer in Sachsen, Thüringen, Berlin und Brandenburg sind, laut Angaben des Robert-Koch-Institut (28. September 2012) an Durchfall erkrankt und müssen sich übergeben. Die Ursache ist noch immer unklar. Noch tappen die Behörden im Dunkeln.  © dapd
Juni 2011: In einem Zeltlager in Bad Segeberg infizieren sich 300 Teilnehmer an dem Norovirus. 143 mussten in Kliniken eingeliefert werden.   © dpa
Januar 2011: Ein Fahrgastschiff mit rund 140 Passagieren an Bord steht in Koblenz auch an Neujahr unter Quarantäne. An Silvester waren dutzende Fahrgäste an Brechdurchfall erkrankt.  © dpa
September 2010: Bei einer Klassenfahrt in die Lüneburger Heide infizieren sich rund 50 Schüler und mehrere Lehrer einer Gesamtschule aus Bovenden bei Göttingen mit einem Virus. Mehrere Kinder müssen mit Magen-Darm-Beschwerden ins Krankenhaus.  © dpa
September 2010: Eine Grundschule bei Delmenhorst (Niedersachsen) muss mehrere Tage schließen und gründlich gereinigt werden. Viele Kinder leiden unter Erbrechen und Durchfall. Ursache ist vermutlich das Norovirus.  © dapd
April 2008: In zwei hessischen Kindergärten und einer Grundschule erkranken 40 Kinder an Salmonellen. Sie klagen über Fieber und Kopfschmerzen sowie starken Durchfall. Woher die Bakterien stammten, bleibt ungeklärt.  © dapd
April 2008: Nach einer Salmonelleninfektion müssen 60 Kinder und sechs Erwachsene im Raum Görlitz (Sachsen) ärztlich versorgt werden. Die drei betroffenen Kindertagesstätten waren aus derselben Küche beliefert worden.  © dapd
Dezember 2007: Rund 100 Kinder und einige Lehrer einer Münchner Grundschule erkranken am Norovirus. Um die Räume zu desinfizieren und um weitere Infektionen zu vermeiden, bleibt die Schule tagelang geschlossen.  © dpa
August 2007: Dutzende Kinder und zwei Erzieher erkranken in Hagen, Herdecke und Wetter (Nordrhein-Westfalen) an Salmonellen. Grund ist ein defektes Temperaturmessgerät in einer Großküche.  © dpa
Mai 2007: Über 170 Kinder und ein Erwachsener erkranken an mehreren Schulen und Kindertagesstätten in Sachsen-Anhalt an Salmonellen. Ins Visier der Lebensmittelüberwachung gerät ein Essensanbieter.  © dapd

Doch bei der Bewertung dieser Ergebnisse sind die Behörden vorsichtig. Sie haben offenbar Lehren aus der zum Teil chaotischen EHEC-Krisenbewältigung gezogen, die etliche Todesfälle gefordert hatte. Es wird weiterhin ermittelt, ob ein bakterieller Wirkstoff (Toxin) die Ursache ist.

Fachleute gehen weiter davon aus, dass es noch andere Ursachen für die Erkrankungswelle geben muss. Im Verdacht haben die Gesundheitsbehörden auch die Bakterienart Bacillus cereus, wie Jürgen Ziegenfuß, Abteilungsleiter im Landesamt für Lebensmittelsicherheit in Thüringen, sagte. Das Bakterium bildet Gifte (Toxine) aus, die hitzebeständig sind. In Thüringen wurde der Erreger seit Ausbruch der Krankheitswelle in zwei Laborproben nachgewiesen. „Für eine belastbare Aussage ist das aber zu dünn“, sagte Ziegenfuß am Sonntag.

Das RKI berichtete, als „mögliche Auslöser sind Norovirus oder Toxine von toxinbildenden Bakterien (z.B.: Staphylococcus aureus, Bacillus cereus, Clostridium perfringens) in Betracht zu ziehen.“ Human- und Lebensmittelproben würden weiter untersucht.

Erkrankung wohl nicht ansteckend

Der Verlauf der meisten Erkrankungen sei „kurz und unkompliziert“, berichtete das RKI. „Es besteht kein Hinweis auf eine nennenswerte Anzahl von Sekundärinfektionen.“ Deshalb gehen die Behörden davon aus, dass die Erkrankungen zumeist nicht ansteckend sind.

Bisher mussten nur 23 Personen stationär in eine Klinik. In Berlin waren es zum Beispiel drei Patienten, von denen bis zum Freitag zwei wieder entlassen worden seien, wie die Sprecherin der zuständigen Senatsverwaltung sagte. Auch in den anderen Ländern waren die meisten Patienten nur kurz im Krankenhaus.

Beliefert wurden die Einrichtungen von dem Caterer Sodexo mit Hauptsitz im hessischen Rüsselsheim. Die Firma wartet auf Laborergebnisse. Diese seien aber keineswegs vor Montag zu erwarten, berichtete ein Sprecher des Küchen- und Kantinenzulieferers am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Am Freitag hatte das Unternehmen erklärt, es sehe sich für die Krankheitswelle nicht verantwortlich.

Mit 2800 Fällen wurden die meisten Erkrankungen in Sachsen registriert, wo am Montag 19 vorübergehend geschlossene Schulen wieder geöffnet werden. 2415 Fälle waren im Land Brandenburg gemeldet, 2213 laut RKI in Berlin, 887 in Thüringen, 50 in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern kein Fall.

dapd

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